Verkehr
Luzerner FDP-Nationalrat warnt: «Wir dürfen den Bypass nicht mit unrealistischen Forderungen gefährden»

Die beiden Luzerner Grossprojekte Bypass und Durchgangsbahnhof genössen in Bern viel Wohlwollen, sagt FDP-Nationalrat Peter Schilliger. «Gefahr» könnte aus Luzern selber drohen, fürchtet er.

Robert Knobel
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Der Luzerner FDP-Nationalrat Peter Schilliger auf der Seebrücke. Die Innenstadt soll dank der neuen Autobahnumfahrung Bypass vom Verkehr entlastet werden.

Der Luzerner FDP-Nationalrat Peter Schilliger auf der Seebrücke. Die Innenstadt soll dank der neuen Autobahnumfahrung Bypass vom Verkehr entlastet werden.

Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 14. Januar 2021)

Um Bypass und Durchgangsbahnhof ist es in letzter Zeit ruhiger geworden. Wie ist aktuell die Stimmung in Bern in Bezug auf die beiden Luzerner Grossprojekte?

Sie sind bei Bundesrat und Parlament grundsätzlich unbestritten und befinden sich mitten in der Realisierungsmühle. Es gibt eigentlich nur ein Szenario, das die beiden Grossprojekte noch gefährden könnte: Wenn die Planung aus irgendeinem Grund ins Stocken gerät, könnten womöglich andere Verkehrsvorhaben vorgezogen werden. Dann wäre die Finanzierung «unserer» Projekte plötzlich in Frage gestellt.

Beim Durchgangsbahnhof ist der Baukredit noch nicht in trockenen Tüchern. Und beim Bypass gibts Widerstand aus Luzern selber – so kämpft etwa Kriens für eine vollständige Überdachung der Autobahn. Wie wird das in Bern wahrgenommen?

Solche Wünsche sind durchaus legitim und bringen auch etwas. Der Bund ist ja auch daran interessiert, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Die Frage ist aber, wie man die Forderungen formuliert. Die Krienser kämpfen im Grunde ja nicht explizit für einen Tunnel, sondern für mehr Lebensqualität entlang der Autobahn. Womöglich lässt sich das auch mit anderen, einfacheren Mitteln erreichen, etwa mit Schallschutzmassnahmen. Wichtig ist, dass wir alles daran setzen, dieses für Luzern wegweisende Projekt nicht mit unrealistischen Forderungen zu gefährden. Der Bypass bringt eine nachhaltige Entlastung und mehr Lebensqualität für uns alle.

Aber es ist doch verständlich, dass man erst einmal mit Maximalforderungen in die Verhandlungen steigt …

Ja, aber Verhandeln heisst auch, dass man zu Kompromissen bereit ist. Sonst gäbe es ja nichts zu Verhandeln. Das Problem in Kriens ist Folgendes: Ein durchgehender Tunnel zwischen Emmen und Pilatusmarkt würde ganz neue Anforderungen im Bereich Sicherheit und Technik stellen. Bestehende Tunnels müssten abgerissen und ganz neu gebaut werden, das ist unverhältnismässig und kaum finanzierbar.

Für kleinere Optimierungen ist der Bund immer zu haben.

Wenn aber ein durchgehender Tunnel Hunderte von Millionen Mehrkosten bedeutet, stellt sich die Frage, ob es sich überhaupt noch um dasselbe Projekt handelt, das die Parlamente ursprünglich bewilligt haben. Dann bestünde die Gefahr, dass andere Projekte, die einfacher und günstiger realisierbar sind, vorgezogen und der Bypass auf die lange Bank geschoben wird.

Auch die Stadt Luzern stellt Forderungen zum Bypass: Man will keine Spange Nord, kämpft gegen den Zugangsstollen bei der Reuss und gegen eine Notlüftung im Gütschwald. Was sagt der Bund dazu?

Die Spange Nord ist grundsätzlich vom Tisch – und der Bund interessiert sich per se auch gar nicht dafür. Der Bund will einfach, dass der Verkehr auf der Autobahn ungehindert fliessen kann. Dafür ist der Bypass da. Was mich aber nervt, ist der Wirbel, den man wegen Kleinigkeiten verursacht: Beispielsweise, weil man die Baustelle für den Zugangsstollen nicht im Quartier haben will. Dabei sind dies unverzichtbare Elemente für die neuen Tunnels. Aber in gewissen Kreisen scheint alles, was mit dem Bypass zu tun hat, des Teufels.

Gleichzeitig ist nachvollziehbar, dass die Stadtbevölkerung keine Freude hat an Eingriffen in den Quartieren …

Der Bau des Durchgangsbahnhofs wird noch viel stärkere Eingriffe nötig machen. Auch dort braucht es Lüftungsschächte, die Seevegetation wird durch die Bauarbeiten massiv beeinträchtigt und ein Teil des Bahnhofparkings muss weg. Aber das alles scheint diejenigen, die gegen den Bypass sind, nicht zu stören – weil es ja für eine gute Sache, für den ÖV ist. Diese Haltung könnte sich noch als Bumerang erweisen.

Wie meinen Sie das?

Man vergisst, dass nicht nur der Bypass auf Kompromisse von Linksgrün angewiesen ist, sondern umgekehrt auch der Durchgangsbahnhof von rechts.

Es wäre fatal, wenn zum Beispiel rechtsbürgerliche Kreise als Trotzreaktion gegen den Durchgangsbahnhof mobil machen würden – etwa weil sie mit der Aufhebung der Bahnhof-Parkplätze nicht einverstanden sind.

Es wäre äusserst gefährlich, die beiden Grossprojekte gegeneinander auszuspielen. So werden die Realisierungschancen bloss geschwächt.

Genau um das zu verhindern, wurde die «Luzerner Mobilitätskonferenz» gegründet, deren Präsident Sie sind. Die Vereinigung aus Verbänden wie Industrie- und Handelskammer, TCS, ACS und Gewerbeverband kämpft für eine rasche Realisierung von Bypass und Durchgangsbahnhof. Allerdings hat man von besagten Verbänden bisher noch nicht viel dazu gehört. Weshalb?

Wir haben erkannt, dass wir uns mehr Gehör verschaffen müssen. Unsere Botschaft ist: Man darf für Verbesserungen und flankierende Massnahmen kämpfen, aber nicht die Projekte als solche infrage stellen. Wir stehen für eine gute Erreichbarkeit Luzerns auf Strasse und Schiene ein. Nur wenn alle am selben Strick ziehen, erreichen wir dieses Ziel. So wie der Durchgangsbahnhof letztlich auch den Autofahrern etwas bringt, so profitieren auch alle von einer funktionierenden Umfahrungsstrasse – bis hin zum Fussgänger in der Innenstadt.