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Verzichten Klassen nun auf Schulreisen ins Verkehrshaus?

Weil Schulen den Eltern Kosten für obligatorische Exkursionen und Reisen nicht mehr verrechnen dürfen, könnten finanzschwache Gemeinden die Schulreise kippen. Das Verkehrshaus bangt um die Schüler - hat aber Erfahrung mit solchen Situationen.
Roger Rüegger
Schüler aus Grünenmatt besuchen auf ihrer Schulreise die Luft- und Raumfahrthalle im Verkehrshaus. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 15. Mai 2018)

Schüler aus Grünenmatt besuchen auf ihrer Schulreise die Luft- und Raumfahrthalle im Verkehrshaus. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 15. Mai 2018)

Ausgelassene Stimmung am Dienstagmorgen vor dem Verkehrshaus in Luzern. Mehrere Schulklassen versammeln sich beim Eingang und strömen nach Instruktionen der Lehrpersonen in die Ausstellungen. Keine Frage, das Verkehrshaus ist beliebt für Exkursionen und Schulreisen.

Das Thema Schulreise wird gleichentags im Luzerner Kantonsparlament behandelt. SP-Kantonsrat Andy Schneider fordert in einem Postulat eine finanzielle Beteiligung des Kantons an den Kosten ausserschulischer Anlässe. Die Mehrheit stimmt dafür und auch die Regierung signalisiert Bereitschaft.

Hintergrund: Nach einem Bundesgerichtsurteil vom Dezember 2017 dürfen Schulen den Eltern keine Kosten mehr für obligatorische Schulreisen und Exkursionen in Rechnung stellen (Ausgabe vom 28. April). Was zur Folge haben kann, dass finanziell schwache Gemeinden Schulreisen abspecken oder absagen.

Schulreise ins Verkehrshaus mit Papiersammlung bezahlt

Die Mischklasse aus dem bernischen Grünenmatt interessiert solche Finanzpolitik nicht. Die 19 Buben und Mädchen nehmen im Unterricht das Thema Luftfahrt durch, weshalb Lehrerin Marlen Gloor als Schulreise eine Führung durch die Luft- und Raumfahrthalle im Verkehrshaus buchte. «Die Kinder haben sich darauf gefreut, obwohl die meisten nicht zum ersten Mal hier sind», so die Lehrerin. Die Gruppe mit vier Begleitpersonen reiste mit der Bahn an. Mit Führung im Verkehrshaus kostet der Ausflug 1100 Franken, wovon die Reise mit 940 Franken zu Buche schlug. Die Eltern mussten nichts bezahlen. «Wir können Schulreisen mit Einnahmen aus Papiersammlung und Verkauf von Pro Juventute-Marken mitfinanzieren», sagt Gloor.

Auf solchen Zustupf haben nicht alle Schulen Zugriff, weshalb sich einige künftig Schulreisen vielleicht nicht mehr leisten können. Das Urteil des Bundesgerichts kann folglich Auswirkungen auf Ausflugsziele, wie eben das Verkehrshaus, haben. Daniel Schlup, Vize-Direktor und Leiter Vermittlung und Entwicklung sagt: «Wenn Eltern keine Kosten mehr übernehmen und auch die Gemeinden nicht in die Bresche springen, werden wir im Verkehrshaus, das wohl zu spüren bekommen.» Was er bedauernswert findet: «Wir haben, wie dies vom Lehrplan 21 vorgesehen ist, ein gutes Angebot, was das Lernen ausserhalb des Schulzimmers anbelangt.» Ausserdem seien die Eintrittspreise für Schulklassen gemässigt. Jedes Jahr unternehmen 3000 Schulklassen mit 50000 Kindern eine Exkursion ins Verkehrshaus.

Das Thema Finanzierung bei Schulreisen ist laut Schlup nicht neu, da Kantone öfters Sparprogramme aufgleisen. «Aber für eine Institution wie das Verkehrshaus ist es natürlich ein Punkt, dem man Beachtung schenken muss.» Das Verkehrshaus sei mit anderen Einrichtungen im Gespräch, um Angebote und Reisen attraktiv zu gestalten. Vor einigen Jahren wurden Schulklassen in abgelegenen Regionen gratis mit Postautos nach Luzern und zurück chauffiert. Laut Schlup eine gelungene Dienstleistung.

Sparrunden merken auch andere Zentralschweizer Betriebe. Etwa der Tierpark Goldau, ebenfalls ein beliebtes Ausflugsziel von Schulklassen. «Als der Kanton Luzern mit Sparmassnahmen die Schraube angezogen hat, bekamen wir das sehr wohl zu spüren», sagt Daniel Buresch, Leiter Umweltbildung im Natur- und Tiergarten. Das Bundesgerichtsurteil bereitet ihm aber keine Sorgen. «Ich denke, dieses Urteil wirkt sich nicht negativ auf unsere Besucherzahlen aus. Wir sind mit unserem Betrieb stark auf den Lehrplan 21 ausgerichtet. Die rund 800 Führungen, darunter die Hälfte mit Privatpersonen, dürften wir auch dieses Jahr erreichen», glaubt er. Buresch ist oft mit Lehrpersonen im Austausch. Dabei zeige sich, dass das Interesse an Exkursionen in den Tierpark nach wie vor gross sei.

1500 Klassen mit 40000 Kindern auf dem See

Ein weiterer Schulreise-Klassiker ist eine Schifffahrt auf dem Vierwaldstättersee. Laut Stefan Schulthess, Direktor der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees, unternahmen letztes Jahr 1500 Schulklassen mit rund 40 000 Kindern eine Schifffahrt. Auch heuer seien die Fahrten beliebt: «Es sind nicht weniger Vorreservierungen als in anderen Jahren eingegangen.» Ob sich das Bundesgerichtsurteil auf künftige Buchungen auswirke, könne er nicht abschätzen. Die SBB-Tochter Rail Away teilt mit, dass keine aussagekräftigen Vergleichswerte gegenüber den Vorjahren vorliegen, da die Hauptreisezeit für Schulreisen erst beginne. Die Zahlen bisher seien aber praktisch identisch mit den Vorjahren.

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