VERKEHRSHAUS: Mehr Besucher im Hans-Erni-Museum

Von den Besuchern des Verkehrshauses Luzern wird der Erni-Pavillon oft übergangen. Seit dem Tod des Künstlers ist dies anders.

Drucken
Teilen
Urs und Hanny Näpflin am Samstag im Hans-Erni-Museum vor dem Wandbild «Die drei Luzerner Grazien». Hans Erni schuf dieses Fresko 1936 für das Luzerner Bahnhofrestaurant, wo es bis zum grossen Bahnhofbrand 1971 hing. Später wurde es restauriert und ins Erni-Museum überführt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Urs und Hanny Näpflin am Samstag im Hans-Erni-Museum vor dem Wandbild «Die drei Luzerner Grazien». Hans Erni schuf dieses Fresko 1936 für das Luzerner Bahnhofrestaurant, wo es bis zum grossen Bahnhofbrand 1971 hing. Später wurde es restauriert und ins Erni-Museum überführt. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Simon Bordier

Das Jahr 1939 ist ein Wendepunkt im Leben von Hans Erni. Der damals 30-jährige Künstler, der bis anhin mit abstrakten Bildern in der künstlerischen Avantgarde mitgemischt hat, stellt an der Landesausstellung in Zürich aus: ein 90 x 5 Meter grosses Panorama zum «Ferienland» Schweiz. Dies begründet seinen Ruhm in der breiten Bevölkerung und die Häme seitens vieler avantgardistischer Künstler.

Heute, über 75 Jahre nach der «Landi»-Ausstellung und wenige Tage nach dem Tod Hans Ernis mit 106 Jahren, hat die Popularitätswelle einen neuen Höhepunkt erreicht. «Wir haben seit dem Tod Hans Ernis signifikant mehr Besucher», sagt Olivier Burger, Mediensprecher des Verkehrshauses in Luzern.

Medienrummel mit Folgen

Das Erni-Museum befindet sich seit seiner Gründung 1979 durch eine Stiftung in einem Pavillon auf dem Verkehrshaus-Gelände. Genaue Besucherzahlen gibt es nicht. Denn wer den Eintritt ins Verkehrshaus bezahlt, hat automatisch auch Zutritt zum Erni-Museum, ohne separat erfasst zu werden. «Viele Besucher gehen auf ihrem Rundgang auf dem Gelände auch durchs Foyer des Erni-Museums, aber ohne gross auf die Bilder zu achten», sagt Burger. «Auffällig ist aber, dass sich seit dem Tod Ernis mehr Besucher Zeit nehmen, auch die Kunstwerke in den oberen Stockwerken anzuschauen.» Das stelle er seit dem medialen Rummel um Hans Ernis Tod fest. Viele Besucher kämen morgens, «wenns noch ruhig ist».

Während unseres zweistündigen Augenscheins diesen Samstagnachmittag gehen ein paar Dutzend Besucher im Foyer des Erni-Museums ein und aus. Rund zehn von ihnen machen einen längeren Rundgang durch die oberen Etagen, so auch Hanny Näpflin (56) und ihr Mann Urs (57) aus Stansstad NW.

Erni in Luzern omnipräsent

Das Ehepaar hat in der eigenen Wohnung die «Vier Jahreszeiten» von Hans Erni hängen. Urs Näpflin meint, Ernis Gemälde und Skulpturen seien aus Luzern nicht wegzudenken: «Man trifft sie im ehemaligen Hallenbad, am Bug des Motorschiffs ‹Gotthard› oder in den Gärten und Plätzen der Stadt an.» Hanny Näpflin erinnert sich an ihre Schulzeit: «Damals war auf dem Geometrieheft vorne ein abstraktes Bild Ernis abgedruckt; ich sehe es noch heute vor mir.»

Anna Meister (60) aus Genf bleibt das Engagement Ernis für die UNO in Erinnerung: «Ich begegnete seiner Kunst sogar einmal am UNO-Hauptsitz in New York.» Seit 2009 besitzt auch der UNO-Sitz in Genf ein Erni-Wandgemälde. Anna Meister gefällt insbesondere die mit wenigen Strichen hervorgerufene Dynamik der Bilder. «Ich bin mit einer Freundin hier. Sie interessiert sich eher für das Verkehrshaus, ich mich für die Kunst.»

«Zu abstrakt»

Lara Marschner (16) aus Uster, die an der Berufswahlschule die Gestaltungsklasse besucht, sind einige der 300 ausgestellten Exponate «zu abstrakt spannend finde ich eher jene Bilder, in denen Erni Abstraktes und Konkretes miteinander verband». Sie sei mit ihrer Familie ins Verkehrshaus gekommen; von ihrem Lehrer habe sie die Anregung erhalten, einmal eine Kunstausstellung zu besuchen: «Nachdem ich vom Tod Hans Ernis gelesen hatte, wollte ich im Verkehrshaus gleich die Gelegenheit ergreifen.»

Hinweis

Erwachsene zahlen 30 Franken Eintritt ins Ver- kehrs­haus. Darin inbegriffen ist der Zutritt zum Hans-Erni-Museum auf dem Verkehrshaus-Gelände. Wer nur ins Hans-Erni-Museum will, erhält auf Nachfrage im Verkehrshaus-Shop ein Spezialticket für 15 Franken. Infos: www.verkehrshaus.ch