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Verkehrshaus plant Neubau für 60 Millionen Franken: Schienenhalle soll Vorzeigeprojekt weichen

Die marode Schienenhalle 2+3 soll für rund 60 Millionen Franken durch einen Neubau ersetzt werden. Neben dem Kanton Luzern soll sich auch der Bund mit einem grossen Betrag beteiligen.
Stefan Dähler

Mit 25 Millionen Franken wolle sich der Kanton Luzern an einem Bauprojekt des Verkehrshauses beteiligen. Dies gaben die Verantwortlichen kürzlich im Rahmen einer Medienkonferenz zur Finanzierung des Zweckverbands Grosse Kulturbetriebe bekannt. Unklar blieb vorerst, worum es konkret geht. Doch eine Anfrage bei Verkehrshaus-Direktor Martin Bütikofer bringt nun Klarheit: Geplant ist ein Neubau anstelle der Schienenhalle 2+3 entlang der Haldenstrasse. Bütikofer rechnet für dieses ambitiöse Projekt mit einer Realisierung ab 2024/2025 – und mit Kosten von rund 60 Millionen Franken.

Blick in die Schienenhalle 2+3 im Verkehrshaus. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 16. September 2019)

Blick in die Schienenhalle 2+3 im Verkehrshaus. (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 16. September 2019)

In der 1982 eröffneten Schienenhalle 2+3 sind zahlreiche Lokomotiven, Bahnwagen und das Modell des Gotthardbasistunnels ausgestellt. «Wir wollen uns stetig erneuern, baulich wie auch thematisch», sagt Bütikofer. Als Nächstes stehen Planungsarbeiten und Gespräche mit möglichen Partnern wie Bahnunternehmen oder dem Bundesamt für Verkehr über das neue Ausstellungskonzept an. Bütikofer:

«Klar ist: Wir wollen weiterhin einen Gleisanschluss haben in der neuen Halle.»

Ihm schweben auch eine Drehscheibe und ein Gleis in die Arena vor, um Lokomotiven auch dort inszenieren zu können. «Ein weiteres mögliches Thema, das derzeit nicht so stark sichtbar ist, wäre die Verlagerungspolitik des Verkehrs auf die Schiene.» Eine Idee sei zudem, Eisenbahnsimulatoren für die Rekrutierung von Lokführern zu nutzen – so wie dies in Japan schon gemacht werde.

Noch offen ist gemäss Bütikofer, ob ähnlich wie bei dem schon weiter gediehenen Neubauprojekt anstelle der Schienenhalle 1 (siehe Kastentext unten) auch hier ein zusätzliches Obergeschoss für eine Mantelnutzung realisiert werden soll.

Auch Bund soll gegen 25 Millionen beitragen

Dass der Kanton Luzern sich mit 25 Millionen Franken beteiligen will, freut Martin Bütikofer. «Das ist eine tolle Anerkennung und hilft uns auch in den Diskussionen mit dem Bund.» Von Letzterem erhofft sich das Verkehrshaus einen ähnlichen Beitrag. «Dafür ist ein Bekenntnis des Standortkantons wichtig, denn Bundesbeiträge werden in der Regel nur gesprochen, wenn sich auch der jeweilige Kanton beteiligt.» Weiter sollen Private und das Verkehrshaus selbst Geld beisteuern.

Warum aber wird die noch nicht einmal 40-jährige Halle abgerissen und nicht saniert? «Die Halle ist mit sechs Metern zu niedrig für eine moderne, interaktive Ausstellung», sagt Bütikofer. Ausserdem befinde sie sich baulich in einem schlechten Zustand. Bütikofer:

«Auch eine Sanierung würde viel kosten und wäre eine verpasste Chance.»

Mit dem Neubau soll ein Vorzeigeprojekt mit grosser Ausstrahlungskraft entstehen, das auch architektonisch überzeugt.

In welchem Zustand sich die Halle befindet, führt Hans Kaufmann, Leiter Infrastruktur im Verkehrshaus, aus.«Das Aluminiumdach hat über 1000 Glas-Bullaugen, die teilweise undicht sind. Bei starkem Regen tropft es in die Halle.» Weiter gebe es Senkungen. «Es entstehen laufend Unebenheiten und wir müssen regelmässig neu asphaltieren.» Hier ein Bild der Schäden im Belag:

(Bild: Stefan Dähler, Luzern, 16. September 2019)

(Bild: Stefan Dähler, Luzern, 16. September 2019)

Die Halle stehe auf weichem Baugrund und nicht durchgehend auf Pfählen. Dadurch entstehe Druck auf Teile der südlichen Glasfassade. «Wir haben sie darum mit Schutznetzen gesichert», sagt Kaufmann. Zudem habe sich die Neigung des Dachs im Verlauf der Jahre verändert, weshalb das Wasser teils nicht mehr richtig ablaufen könne. «Die Sicherheit ist stets gewährleistet, doch wir müssen einen hohen Unterhaltsaufwand betreiben.»

Entworfen wurde die Schienenhalle 2+3 damals von der Unterabteilung Hochbau der Generaldirektion SBB. Es handelt sich um einen Anbau der Schienenhalle 1. Für das Dach wurden über 100 Tonnen Aluminium verwendet. Dieser könne rezykliert werden. Die Baukosten betrugen 5,2 Millionen Franken. Hier ein Plan des Verkehrshaus-Areals:

Einsprachen gegen neue Schienenhalle 1

Nicht nur die Schienenhalle 2+3 ist baufällig, sondern auch die 1959 eröffnete Schienenhalle 1 neben dem Filmtheater an der Haldenstrasse. Für Letztere ist ein Neubauprojekt schon weit fortgeschritten. Die Stadt Luzern hat die Baubewilligung bereits erteilt, es ist derzeit eine Sammelbeschwerde von Anwohnern vor Kantonsgericht hängig, wie Verkehrshaus-Sprecher Olivier Burger sagt. Der Zeitplan sieht vor, 2020 mit den Arbeiten zu beginnen. Ob das reicht, ist offen. Gerechnet wird mit einer Bauzeit von rund 2,5 Jahren und Kosten von 36 Millionen Franken.

Vorgesehen ist, mit dem Neubau einen zweiten Museumseingang an der Haldenstrasse zu realisieren. Weiter wird der rund 20 Meter hohe Neubau im oberen Geschoss Platz für Büroräume bieten. Dort sollen unter anderem die Administration des Verkehrshauses und museumsnahe Partner einziehen, wodurch das 31-Meter-Bürohochhaus frei würde für die Umnutzung in eine Jugendherberge.

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