Verkehrskonferenz in Luzern: «Verkehr kennt keine Gemeindegrenzen»

An der TCS-Verkehrskonferenz war Tempo 30 ein Thema, das nicht nur Stadt und Land spaltete.

Beatrice Vogel
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Die Zeichen für Tempo 30 auf Kantonsstrassen standen schon schlechter. So prüft der Kanton Luzern dessen Einführung im Einzelfall. Und auf Bundesebene scheiterte kürzlich ein Vorstoss, der Tempo 30 auf Hauptachsen verbieten wollte. Doch das Thema bleibt kontrovers – ideal für die gutbesuchte Verkehrskonferenz des Touring Clubs Schweiz (TCS), zu der die Sektion Waldstätte am Montag in die Messe Luzern lud.

Es diskutierten Ruedi Burkard (FDP), Gemeindepräsident von Horw, der Luzerner Stadtrat und Mobilitätsdirektor Adrian Borgula (Grüne) sowie Pius Kaufmann, CVP-Kantonsrat und Gemeindeammann von Escholzmatt-Marbach. Die nationale Sicht respektive jene des Gastgebers vertrat Thierry Burkart, Aargauer FDP-Nationalrat und frischgewählter Ständerat sowie TCS-Vizepräsident. Moderiert wurde das Podium von Jérôme Martinu, Chefredaktor unserer Zeitung.

Verkehrsberuhigtes Zentrum dank Umfahrung

Ruedi Burkard präsentierte das positive Beispiel Horw, dessen Zentrum dank Tempo 30 verkehrsberuhigt und aufgewertet wurde. Dies sei dank der Ringstrasse möglich, die als Umfahrung und Autobahnzubringer funktioniert. Auch würden die Kreisel den Verkehr verflüssigen, so Burkard: «Das funktioniert so gut, dass viele die Umfahrung gar nicht nutzen.»

Die Kantonsstrasse in Horw. Das Ortszentrum ist seit rund 10 Jahren dank Tempo 30 und Umfahrungsstrasse verkehrsberuhigt. (Archivbild LZ)

Die Kantonsstrasse in Horw. Das Ortszentrum ist seit rund 10 Jahren dank Tempo 30 und Umfahrungsstrasse verkehrsberuhigt. (Archivbild LZ)

Wenn es eine Umfahrung gebe, sei das positiv, meinte Pius Kaufmann, wobei man das Kosten-Nutzen-Verhältnis abwägen müsse. «Für kleine Ortschaften auf dem Land gibt es aber keine Umfahrung.» Und wenn diese auf den Hauptachsen Tempo 30 einführen würden, verlängere das die Fahrzeit, sagte er.

«Aus dem Entlebuch fahren wir jetzt schon eine Stunde bis zum nächsten Autobahnanschluss.»

Thierry Burkart sagte, weder Lärmreduktion noch Sicherheit sei durch Tempo 30 gewährleistet. So sei langsames Fahren hochtouriger, was eher Lärm verursache. Gleichzeitig nehme die Aufmerksamkeit bei Tempo 30 ab, wodurch die Unfallgefahr zunehme. Darauf konterte Adrian Borgula, dass bei niedrigerem Tempo zumindest weniger schwere Unfälle geschehen.

«Ausserdem geht es gerade in verdichteten Zentren auch um Lebens- und Aufenthaltsqualität, die durch Tempo 30 gesteigert werden kann.»

Borgula verteidigte die städtische Verkehrspolitik auch gegen den Vorwurf der zu scharfen Lenkungsmassnahmen: «Es geht nicht um weniger Verkehr – auf der Moosstrasse haben wir heute sogar mehr Verkehr.»

Spürbar war nicht nur ein Stadt-Land-Graben, sondern auch Differenzen zwischen kommunaler und nationaler Sicht: Während Burkart und Kaufmann Tempo 30 für Quartierstrassen als tauglich erachten, waren Borgula und der Horwer Burkard Tempo 30 auf Hauptachsen im Einzelfall nicht abgeneigt. Grundlegend fand Thierry Burkart, die Diskussion sei zu einseitig und ideologisch: «Über den Lärm von Trams redet niemand.» Pius Kaufmann ergänzte, es brauche gemeinsame Lösungen: «Der Verkehr kennt keine Gemeinde- oder Kantonsgrenzen.»

Der Ständerat nimmt den Lärm ins Visier

Der Ständerat setzt ein Zeichen im Kampf gegen den Strassenlärm. Tempo-30-Zonen sollen möglich bleiben und Bundesgelder auch künftig fliessen. Die Lärmliga reagiert erfreut – und nimmt den Bund in die Pflicht.
Dominic Wirth