VERKEHRSSICHERHEIT: Eine Strafe für Luzerner Senioren?

Über 70-Jährigen wird viel seltener der Ausweis entzogen als 20-Jährigen. Dennoch werden sie künftig strenger kontrolliert.

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Josef Stübi aus Ebikon ist nun mit dem Bus unterwegs: Er hat den Fahrausweis vor zwei Wochen abgegeben. (Bild Corinne Glanzmann/Neue LZ)

Josef Stübi aus Ebikon ist nun mit dem Bus unterwegs: Er hat den Fahrausweis vor zwei Wochen abgegeben. (Bild Corinne Glanzmann/Neue LZ)

«Ich bin richtig glücklich ohne Auto», sagt Josef Stübi aus Ebikon. Vor zwei Wochen hat er seinen Fahrausweis abgegeben – freiwillig, der Umwelt zuliebe, wie er sagt. Ein Sicherheitsrisiko sei er nicht gewesen, sondern bis zuletzt ein guter Autofahrer. Dennoch fühle er, dass es Zeit gewesen sei, den Ausweis abzugeben. «Zwei Jahre lang habe ich mich darauf vorbereitet», sagt der heute 80-Jährige.

Checks beim Arzt und angeordnete Kontrollfahrten
Nicht alle älteren Fahrzeuglenker verhalten sich so wie Josef Stübi. Vielen wird der Ausweis zwangsentzogen. Die Zahl der Ausweisentzüge bei Lenkern über 70 Jahren hat sich im Kanton Luzern seit 2005 verdoppelt, auf 145. Die Gründe für den rasanten Anstieg sind einfach: «Der Anteil an älteren Leuten in der Bevölkerung ist gestiegen», erklärt der Leiter des Strassenverkehrsamts, Kurt Kaelin. «Und die geburtenstarken Jahrgänge kommen erst noch», so Kaelin.

Das hat das Bundesamt für Strassen (Astra) auf den Plan gerufen. Heute schon müssen die Senioren alle zwei Jahre zum medizinischen Check beim Arzt und werden dort auf ihre Fahrtüchtigkeit getestet. Diese Kontrollen sollen noch verschärft werden. Zudem können Kontrollfahrten mit Experten angeordnet werden.

Augenmerk auf junge und auf ältere Autofahrer legen
SVP-Kantonsrat Gerhard Klein kann die vermehrten Kontrollen nicht verstehen. «Warum will die Regierung gerade diese Altersgruppe strafen, die sehr wenige Unfälle verursacht und wenige Bussen bekommt?», schreibt Klein in einer Anfrage an den Regierungsrat. Tatsächlich: Nur gerade 5,36 Prozent aller im Kanton Luzern entzogenen Ausweise fallen in die Altersgruppe der über 70-Jährigen. Zum Vergleich: 25 Prozent der Ausweisentzüge werden an 20- bis 24-Jährigen vorgenommen.

Sollte die Regierung das Augenmerk nicht mehr auf die Jungen legen? «Das machen wir auch», sagt Kurt Kaelin. «Auf diese Gruppe zielt das neu eingeführte 2-Phasen-Modell. Noch haben wir aber keine verbindlichen Zahlen, wie sich das Modell auf das Unfallgeschehen auswirkt.» Beim 2-Phasen-Modell erhalten Jugendliche ihren Ausweis auf Probe. Drei Jahre müssen sie unfallfrei fahren, bevor sie den definitiven Fahrausweis erhalten.

Josef Stübi hat den Fahrausweis vor 48 Jahren erhalten. Nun geniesst er es, sich mit anderen Leuten im Bus zu unterhalten.

Harry Tresch

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Dienstag in der Neuen Luzerner Zeitung.