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Verlängertes Fangverbot: Kann sich die Äsche in der Luzerner Reuss wieder erholen?

Der Bestand der Äsche hat durch den letztjährigen Hitzesommer gelitten. Als Reaktion darauf hat der Kanton das Fangverbot für den Fisch ausgedehnt. Ein Biologe moniert, der Kanton müsste viel mehr tun.
Lucien Rahm
So sieht sie aus: die Äsche. (Symbolbild: Rainer Kühnis/Schweizerischer Fischereiverband/Keystone)

So sieht sie aus: die Äsche. (Symbolbild: Rainer Kühnis/Schweizerischer Fischereiverband/Keystone)

Nicht nur der Mensch dürfte mittlerweile die ersten Frühlingsgefühle verspüren. Auch bei den Wasserbewohnern ist es wieder Zeit für die Fortpflanzung. Hochbetrieb herrscht in dieser Hinsicht in diesen Wochen bei der Äsche: Der Süsswasserfisch laicht vor allem im März und April.

Im Bereich der oberen Reuss, wo der Fluss an den Vierwaldstättersee grenzt, legen die Fische mit der auffälligen Rückenflosse ihre Eier jedoch offenbar nicht so fleissig, wie auch schon. «Vor 30 Jahren gab es dort noch Tausende Äschen», sagt Roman Ensmenger, der seit Jugendjahren in der Reuss fischt. Heute seien es noch etwa ein Prozent davon, sagt der diplomierte Biologe. Konkret spricht er vom Abschnitt zwischen Kraftwerk und Einmündung der kleinen Emme in Reussbühl, wo es praktisch keine Äschen mehr gebe. Zurückzuführen ist der markante Rückgang seiner Meinung nach vor allem auf das 1998 errichtete Wasserkraftwerk am Luzerner Mühlenplatz (wir berichteten).

Den Rückgang der Äsche und anderer Arten anerkennt auch der Kanton. Dass dieser aber kausal mit dem Kraftwerkbau zusammenhänge, könne hingegen kaum belegt werden, sagte Peter Ulmann, Leiter der kantonalen Abteilung Natur, Jagd und Fischerei, im September gegenüber unserer Zeitung.

«Rege Laichaktivität in der Reuss»

Insbesondere der Hitzesommer 2018 habe der Äsche arg zugesetzt. Als Reaktion darauf hat der Kanton im vergangen Jahr das Fangverbot für die Äsche ausgeweitet. Statt von Januar bis Mai gilt die aktuelle Schonzeit bereits seit Anfang September. Hat die längere Schonfrist nun Früchte getragen?

«Wir können das quantitativ nicht beziffern. Fakt ist aber, dass die im Herbst bis Ende 2018 nicht gefangenen grossen Tiere nun potenziell als Laichtiere aktiv sind»,

sagt Ulmann auf neuerliche Nachfrage hin. Gemäss den Eindrücken, die der kantonale Fischereiaufseher bei einzelnen Augenscheinen gewonnen habe, gebe es seit Ende März rege Laichaktivität in der Reuss. Auch im Abschnitt zwischen Spreuerbrücke und Nölliturm auf Stadtgebiet sei diese zu beobachten. «Vom St.-Karli-Quai herunter lassen sich verschiedene Laichgruben als helle Stellen erkennen, wo das Kiessubstrat gedreht und herausgeputzt wurde. Mit etwas Glück lassen sich sogar Äschen sehen.»

Als weitere Massnahmen stellte Ulmann im letzten Herbst zusätzliche Kiesschüttungen sowie weitere Raubäume (gefällte Bäume, die im Wasser platziert werden) in der Reuss in Aussicht, um den Äschen mehr Platz zum Laichen zu geben. Sie seien mittlerweile umgesetzt worden. «Diese Massnahmen haben sich sicher positiv ausgewirkt», so Ulmann. Die eingesetzten Raubäume würden zu einer höheren Vielfalt an unterschiedlichen Strömungen beitragen und Unterstände für die Äschen bieten.

Roman Ensmenger reichen die bisherigen Massnahmen nicht. Seiner Ansicht nach müsste der Kanton zur Wiedervermehrung der Äsche weiter gehen. Einerseits müsse er dafür sorgen, dass die erhöhte Fliessgeschwindigkeit in der Reuss, die aufgrund des Wasserkraftwerks herrsche, wieder abnimmt. «Die Äschen können bei diesem Schwall ihre Eier gar nicht ablegen.»

Zusätzliche Massnahmen geplant

Ein weiteres Problem stellten für ihn die Raubvögel dar, die sich von den Äschen in der Reuss ernähren würden. Vor allem Kormorane und Gänsesäger seien in dieser Hinsicht fleissig. Zur Lösung beitragen könnten für Ensmenger Abschüsse oder Vertreibung.

Ulmann hält fest, dass durch die eingesetzten Raubäume neue Schutzmöglichkeiten für die Fische entstanden seien. «Sie bieten Verstecke für Jung- und Altfische vor den fischfressenden Vögeln und beherbergen auch Nahrungsorganismen.»

Weitere Aufwertungen zugunsten der Fische in der Reuss seien überdies noch dieses Jahr geplant. Zudem: «Der Abfluss- und Geschiebehaushalt in der Reuss muss sehr kritisch überprüft werden», sagte Ulmann im September. Dies könnte etwa im Rahmen einer Reusssanierung geschehen.

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