VERLETZUNGEN: Wo Sportler wieder fit gemacht werden

Die medizinische Betreuung ist für Spitzensportler nach einer Verletzung von existenzieller Bedeutung. Nun ist in Luzern eine neue Anlaufstelle geschaffen worden.

Roger Rüegger
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FCZ-Fussballer zeigte am Dienstag in Luzern, wie er vor Ort unter anderem auf dem Anti-Schwerkraft-Laufband seine Verletzung überwinden konnte. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

FCZ-Fussballer zeigte am Dienstag in Luzern, wie er vor Ort unter anderem auf dem Anti-Schwerkraft-Laufband seine Verletzung überwinden konnte. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Eine einzige Aktion auf dem Spielfeld hätte die Karriere des Fussballprofis Burim Kukeli beenden können. Am 3. Februar 2013 hat sich der Luzerner im Dienste des FC Zürich bei einem Testspiel Schien- und Wadenbein gebrochen. «Der Schmerz war riesig. Man ist nicht nur körperlich, sondern auch im Kopf brutal angeschlagen», wird der 30-jährige Nationalspieler Albaniens auf der Website des FC Zürich zitiert.

Heute ist der Profi wieder topfit. Seine Reha absolvierte er im Gesundheitszentrum Medbase, das im Sportgebäude auf der Allmend in Luzern seit zwei Jahren beheimatet ist. Nun ist in diesem Gebäude das Angebot für verletzte Sportler erweitert worden. Gemeinsam mit dem Luzerner Kantonsspital (LUKS) hat Medbase die «Sportmedizin Zentralschweiz» aufgebaut und diese gestern den Medien präsentiert.

Ein grosser Tag

Beat Villiger, Spitalratspräsident, sprach in seiner Eigenschaft als Sportmediziner von einem grossen Tag. «Sportmedizin setzt sich mit der Bewegung des Menschen, mit dessen Chassis, dem Motor und dem Benzin auseinander», sagt er. Ein umfassendes Angebot an Sportmedizin sei nur möglich, wenn viele Spezialisten integriert seien. Das Public-Partner-Ship des öffentlichen Kantonsspitals und der privaten Medbase könne dies bieten.

Neben dem Leistungssportler betreut die Sportmedizin Zentralschweiz gemäss LUKS-Mediensprecherin Ramona Helfenberger auch Breitensportler und Sporteinsteiger. Sei es als Vorbereitung auf einen Marathon oder als Rehabilitation nach einem Kreuzbandriss. Private können etwa Angebote im Rahmen der Leistungsdiagnostik nutzen, welches vom Laktatstufentest (250 Franken) bis zum umfangreichen Gesundheitscheck (1950 Franken) reicht. Durch die Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Bewegungswissenschaftlern, Physiotherapeuten und Trainern ist eine individuelle und zielorientierte Betreuung garantiert. Somit ermöglicht die Sportmedizin Zentralschweiz, unter Berücksichtigung der individuellen Bedürfnisse und Möglichkeiten des Sportlers, eine nachhaltige Therapie respektive ein effektives, sportartspezifisches Training.

Intensive Begleitung

Villiger betont, dass Spitzensportler und Hobbysportler völlig unterschiedlich begleitet werden müssen auf ihrem Weg in die Genesung. «Berufsfussballer wie Burim Kukeli benötigen eine intensive Begleitung, die ein Freizeitsportler so nicht braucht.» Jedoch stünden sämtliche Geräte und die individuelle Betreuung durch Fachleute natürlich allen Personen zur Verfügung. Unfälle, insbesondere in Ballsportarten wie Fuss-, Volley- oder Handball, sind keine Seltenheit. Für eine erfolgreiche Rehabilitation benötigen Sportler Zeit und Geduld, denn eine zu frühe Rückkehr erhöht das Risiko für eine Wiederverletzung. Arnold Eggerschwiler, Leiter Medizin Medbase, Luzern: «Die Sportmedizin Zentralschweiz verfügt über die notwendigen Therapie- und Trainingsmöglichkeiten sowie über das umfassende Know-how, um den Sportlerinnen und Sportlern gerecht zu werden.»

Comeback in Luzern ermöglicht

Burim Kukeli hat an der gestrigen Medienorientierung anschaulich de- monstriert, wie er es geschafft hat, mit individuellen Trainings in der Sportmedizin Zentralschweiz ein erfolgreiches Comeback sowohl in der albanischen Nationalmannschaft wie auch beim FCZ zu realisieren. «Ich habe schon sehr viel mit Physiotherapeuten gearbeitet. Ich denke, dass ich sehr gut beurteilen kann, ob ich mich von Top-Fachleuten begleiten lasse oder nicht.» In Luzern konnte der Fussballer auf einem neuen Gerät, dem Anti-Schwerkraft-Laufband, sehr bald nach seiner Operation wieder natürlich Bewegungen tätigen, weil dieses mittels Luftzufuhr das eigene Körpergewicht bis auf 20 Prozent reduzieren kann. Auf einem anderen Gerät wurde eine isokinetische Kraftmessung vorgenommen, die stets Informationen über die Leistungsfähigkeit liefert. «Dadurch bin ich motiviert an die Reha herangegangen, gewann Sicherheit und machte Fortschritte. Ich bin sehr dankbar», so Kukeli.

Angebot: Die Preisliste der Medbase »

Das bietet Luzern in Sachen Sportmedizin

Das Angebot für Sportmedizin in Luzern mit der neuen Anlaufstelle «Sportmedizin Zentralschweiz» des Luzerner Kantonsspitals (LUKS) ist zusammen mit der Medbase auf der Luzerner Allmend vielfältiger geworden. Es ist eine Ergänzung zu den Institutionen der Hirslanden-Klinik St. Anna (Sportmedizin St. Anna im Bahnhof) und dem Swiss Olympic Medical Center (SOMC) in Nottwil. Wobei der Fokus nicht bei allen Zentren derselbe ist.

Auf Elite ausgerichtet

Das SOMC in Nottwil ist in erster Linie auf Elite-Sportler ausgerichtet, wie Matthias Strupler, Chefarzt Sportmedizin, auf Anfrage sagt: «Unsere Haupttätigkeit ist die Betreuung von Spitzensportlern und Nachwuchsathleten sowie Sportlern mit einer Behinderung.» Aber auch Freizeitsportler können das Angebot nutzen.

Allerdings bietet das SMOC alle Facetten der Sportmedizin, die weit über das Angebot der neuen Anlaufstelle Sportmedizin Zentralschweiz hinausgehen. So ist Nottwil seit sieben Jahren mit dem Label Swiss Medical Center ausgezeichnet. Dieses ist verknüpft mit zahlreichen Bedingungen. Das beginnt mit Ausdauertraining und Atemmuskulatur, führt über Sporternährungsberatung bis hin zu Sportpsychologie.

Veränderte Verletzungsbilder

Mit dem Luzerner Kantonsspital hatte Nottwil früher einen Zusammenarbeitsvertrag. Unter dem Namen Sportmedizin Nottwil-Luzern wurde bis vor wenigen Jahren intensiv zusammengearbeitet. Der Vertrag gilt zwar heute nicht mehr, doch wird die Zusammenarbeit nach wie vor in verschiedenen Bereichen aufrechterhalten. Auch die Hirslanden-Klinik St. Anna im Zentrum St. Anna im Bahnhof bietet im Bereich Sportmedizin ein umfassendes Dienstleistungsangebot. Gerichtet ist dieses an Breiten- und Leistungssportler. Patric Bürge, Leiter Kommunikation und Marketing, erklärt auf Anfrage: «Das interdisziplinäre Team diagnostiziert und behandelt Verletzungen und Überbelastungsbeschwerden am Bewegungsapparat oder andere sportmedizinische Probleme.» Zudem engagiere sich die Sportmedizin mit Leistungsdiagnostik im Freizeit- und Leistungssport auch in der Prävention, zur Vorbeugung von Sportverletzungen. Das Freizeitverhalten von Jung und Alt habe sich in den letzten Jahren verändert. Die körperliche Aktivität sei zum Beispiel auch im fortgeschrittenen Alter zum grossgeschriebenen Thema geworden. «Wir erfahren vermehrte sowie vielseitigere Freizeitaktivitäten. Daraus resultieren wiederum veränderte Verletzungsbilder und Behandlungswege.»

Wie in anderen medizinischen Disziplinen gelte auch für die Sportmedizin, dass die Angebotsvielfalt den Markt belebe. «Deshalb betrachten wir die Eröffnung der Abteilung im LUKS als eine Ergänzung für das Gesundheitsangebot der Zentralschweiz», sagt Bürge.

Kosten von 1,8 Milliarden Franken

Jedes Jahr verunfallen in der Schweiz gegen 180 Personen beim Sport tödlich. Rund 300 000 hier wohnhafte Sportler verletzen sich bei Unfällen im In- und Ausland so stark, dass sie ärztliche Hilfe benötigen. Die Kosten, welche diese Sportunfälle zur Folge haben, werden auf 1,8 Milliarden Franken geschätzt. Die Zahlen gehen aus der «Unfallforschung Sport» der Beratungsstelle für Unfallverhütung des Bundes (BfU) hervor.

Am meisten Unfälle passieren im  Schneesport: Rund 70 000 in der Schweiz Wohnhafte verletzen sich jährlich auf Schweizer Pisten. Hinzu kommen gegen 30 000 Gäste aus dem Ausland. Weitere Sportarten mit vielen Verletzten sind: Fussball (55 000), Radfahren (33 000, ohne Strassenverkehr) sowie Schwimmen (9100) und Wandern (8700). Die Mehrzahl der tödlichen Unfälle betreffen Berg- und Wassersport.