VERNEHMLASSUNG: Neues Jagdgesetz sorgt für Kritik

Parteien, Jäger und Waldeigentümer haben sich zur Totalrevision der kantonalen Jagdgesetzgebung geäussert. In drei Punkten driften die Meinungen weit auseinander.

Evelyne Fischer
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Das Luzerner Jagdgesetz wird nach über 25 Jahren revidiert. Bild: Dominik Wunderli (Römerswil, 9.AABB22Oktober 2015)

Das Luzerner Jagdgesetz wird nach über 25 Jahren revidiert. Bild: Dominik Wunderli (Römerswil, 9.AABB22Oktober 2015)

Evelyne Fischer

evelyne.fischer@luzernerzeitung.ch

 

Wie so manche Trophäe an der Wand einer Waidmanns-Stube hat auch das kantonale Jagdgesetz Staub angesetzt: Über 25 Jahre ist es alt. Inzwischen tummeln sich wieder Wildschweine in den Wäldern, auch Luchs und Wolf streifen umher. Daher hat das Bau-, Umwelt- und Wirtschaftsdepartement eine Totalrevision des Gesetzes angeordnet. Am Dienstag endete die Vernehmlassung, zu der sich – mit Ausnahme der GLP – alle Parteien mit Fraktionsstärke geäussert haben.

Ein strittiger Punkt darin ist die Pachtzins-Regelung: Neu sollen zwei Drittel der Erträge an den Kanton und ein Drittel an die Gemeinden fliessen. Bis anhin war es umgekehrt. Die Mindereinnahmen für die Gemeinden belaufen sich auf rund 250 000 Franken. Der Kanton begründet diese Umverteilung mit gestiegenem Aufwand. So bringe insbesondere das Management von Luchs und Wolf sowie von Wildtieren in unbejagten Gebieten viel Arbeit mit sich.

Neuer Verteilschlüssel spaltet die Parteien

FDP und Grüne sind mit diesem Kostenverteiler einverstanden. Beim Verband der Luzerner Gemeinden hingegen kommt der Vorschlag gar nicht gut an. Dies sei eine «einseitige Umverteilung der Jagdpachtzinse», schreibt der VLG in seiner Stellungnahme. Die Aufgaben der Gemeinden seien «weder kleiner geworden noch verschwunden». Laut VLG sollen sich Kanton und Gemeinden je hälftig an den Kosten beteiligen.

Während CVP und SVP diese Meinung teilen, vertritt die SP eine ganz andere Haltung. Sie will dem Kanton «eine übergeordnete Steuerungsrolle» zuweisen. Pachterträge sollen vollumfänglich dem Kanton zukommen und die Mittel zweckgebunden für das «Wildtier- und Wildschadenmanagement» verwendet werden. Revierjagd Luzern, die ihre Stellungnahme nicht veröffentlicht, äussert sich zurückhaltend zur «finanzpolitischen Frage» der Pachterträge. «Wer die Lasten trägt, soll auch die Zinsen einnehmen», so Roman Stocker, Rechtsberater im Kantonalvorstand.

Keine Einigkeit herrscht auch darüber, wer für Wildtierschäden aufkommen muss. Heute haften die Jagdgesellschaften zu 50 Prozent. Ein Maximalbetrag besteht nicht. Der Kanton möchte neu, dass sich Jäger mit bis zur Hälfte des Pachtzinses an Schäden beteiligen – bei einem mittelgrossen Revier, das mit rund 12 000 Franken Zins belegt ist, wären dies bis zu 6000 Franken. Da jedoch bereits ein Zuschlag von 15 Prozent des Jagdpachtzinses in die kantonale Jagdkasse fliesst, verlangen die Jäger, höchstens mit 35 Prozent haftbar gemacht zu werden (Ausgabe vom 6. Februar). Die SVP unterstützt diesen Vorschlag, die FDP schlägt gar eine Begrenzung auf 25 Prozent vor.

Verfehlte Abschussziele sollen Konsequenzen haben

Auch in einem dritten Punkt gehen die Meinungen auseinander. Waldeigentümer kritisieren, Jäger würden zu wenig gegen Wildverbiss unternehmen. «Die Jagd hat eine ihrer Legitimationen in der Regulation der Bestände», sagte Werner Hüsler dazu letzte Woche am Fäälimärt (Ausgabe vom 22. Februar). Hüsler ist Geschäftsführer von Wald Luzern, der Verband vertritt rund 80 Prozent der Luzerner Waldfläche und damit über 6000 Waldeigentümer. Zugleich ist er selbst Jäger im Revier Neudorf. «Wir wünschen uns eine grössere Verbindlichkeit in der Erfüllung der Abschussplanung.» Dies hat zu «einer etwas pointierten Forderung» geführt: Die Waldeigentümer verlangen, dass die Pacht eines Reviers vorzeitig enden kann, sollten «Abschussziele über mehrere Jahre nicht erfüllt» werden. In Gebieten ab 800 Metern über Meer komme etwa die Weisstanne kaum mehr auf, sagt Hüsler. Für eine gute Baumartdurchmischung sei ein «effizienter Eingriff» unabdingbar. «Um hohe Wildbestände nachhaltig zu senken, müsste die Jagd vermehrt in die Jugendklasse und bei weiblichen Tieren eingreifen.» CVP und FDP unterstützen die Forderung der Waldeigentümer. Die FDP schlägt gar vor, einen «Zeitraum von drei Jahren» zu definieren. Werden die Abschussziele dann nicht erreicht, «soll der Kanton Nachjagden anordnen».

Als «überrissen» taxiert Roman Stocker von der Revierjagd die Forderung nach einem vorzeitigen Pachtende. «Eine solche Vorschrift wäre unverhältnismässig und eine Bevormundung. Der Gesetzesvorentwurf bietet genügend Handhabe für Sanktionen.» So könnte etwa die Dienststelle Landwirtschaft und Wald einem Revier entsprechende Weisungen erlassen. Laut Stocker ist keine Jagdgesellschaft nur auf Böcke – und damit schöne Trophäen – aus. Eine Mär sei es auch, dass Jäger Interesse an hohen Beständen hätten. «Dies würde zwar die Jagd vereinfachen, erhöht aber das Risiko von Krankheiten.»

Dass Rehe und Hirsche teils an Ort und Stelle verharren, was zu starkem Verbiss führen kann, liege auch an Joggern, Bikern und Pilzlern, die sich im Wald nicht an die Wege halten. Mit Blick auf die Debatte im Kantonsrat, die voraussichtlich im Herbst erfolgt, sagt Stocker: «Ich hoffe, das nun vorliegende Gesamtpaket wird im Parlament nicht zerzaust.»