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VERNETZUNG: Mit einem Strickprojekt werden Kontakte geknüpft

Die Pfarrei St. Karl will mit einem simplen Projekt Leute aus verschie­denen Quartieren einander ­näherbringen. Erfolge gabs schon am ersten Tag.
Dagmar Wegge bestrickt das Geländer der St.-Karli-Brücke. Das Projekt der Pfarrei St. Karl soll Menschen verbinden. (Bild Nadia Schärli)

Dagmar Wegge bestrickt das Geländer der St.-Karli-Brücke. Das Projekt der Pfarrei St. Karl soll Menschen verbinden. (Bild Nadia Schärli)

Roger Rüegger

Eine auffällige Person ist die Frau, die in unregelmässigen Abständen auf ihrem hölzernen Klappstuhl auf der St.-Karli-Brücke sitzt. Genauso ungewöhnlich wie ihr Outfit – die Luzernerin Dagmar Wegge mag es bunt – ist ihre Tätigkeit. Die 70-Jährige verkleidet das Brückengeländer mit Wolle. Präziser ausgedrückt: Sie strickt kleine Decken und näht diese an die Stelen und den Handlauf des Geländers.

Wenn sie das tut, weckt sie mit grosser Wahrscheinlichkeit die Neugier der Passanten. «Als ich das erste Mal hier war, sprach mich ein alter Kurde an und wollte wissen, was ich mache», erzählt Wegge. Der Mann habe ihr an diesem Tag längere Zeit Gesellschaft geleistet und sie nebenbei einige Worte Kurdisch gelehrt. Dann habe er sie gefragt, ob die Arbeit durstig mache. «Und wie ich Durst hatte», erinnert sich Wegge, die im Brambergquartier wohnt. Der Kurde sei daraufhin verschwunden und wenig später mit einer Tasche voller Getränke und Früchten wieder aufgetaucht.

Öffentliche Strickanlässe

Damit war die Aktion bereits erfolgreich. Das Verkleiden der Brücke ist nämlich nicht bloss ein Zeitvertreib einer extravaganten Künstlerin, sondern Bestandteil eines Vernetzungsprojekts der Pfarrei St. Karl. «Der Sinn hinter dem Projekt ist, die beiden verschiedenen Quartiere Bramberg und BabeL (Basel-/Bernstrasse Luzern) miteinander zu verbinden», sagt Isabelle Bally, soziokulturelle Animatorin der Pfarrei St. Karl. Daher stehe das Projekt unter dem Motto «St. Karl verbindet». Die Idee sei, dass die Bewohner der Quartiere etwas gemeinsam machen und sich begegnen. So hat die Pfarrei verschiedene Institutionen angefragt, um sie für das Projekt zu engagieren. Möglichst viele Leute sollen sich daran beteiligen. Deshalb finden bis 17. Oktober diverse öffentliche Anlässe zum Strickprojekt statt. So etwa am 8. Juli auf dem Pausenplatz des Schulhauses St. Karl und beim Schulhaus Grenzhof am 12. und am 26. August. An diesen Anlässen, die meistens um 14 Uhr beginnen, sind Wolle und Nadeln vorhanden. Ausserdem betreuen und instruieren Fachfrauen interessierte Leute, die zwar gerne stricken würden, aber keine Ahnung von diesem Handwerk haben. «Im Café international im Sentitreff haben sich drei Männer aus Eritrea beim Stricken versucht. Mit der Arbeit waren sie etwas überfordert, aber sie sind in Kontakt mit neuen Leuten gekommen», erklärt Isabelle Bally.

Alle sollen mithelfen

Der Kurde war nicht der Einzige, der sich für die Arbeit von Dagmar Wegge interessierte. Eine Tibeterin habe ihr an einem trüben Tag geholfen, einige Wollstücke an das Geländer zu nähen. Dagmar Wegge will nun aber etwas kürzertreten. «Ich muss mich zusammenreissen, ich bin schon fast süchtig nach dem Stricken. Sonst bearbeite ich das ganze Geländer allein», sagt sie. Das würde ihr von heute auf morgen zwar nicht gelingen. Aber es wäre auch nicht Zweck der Übung.

Die Brücke ist bis jetzt an einigen wenigen Abschnitten mit Wolle eingekleidet. Ziel ist, dass bis zur St.-Karli-Kilbi am 17. Oktober das gesamte Geländer eingestrickt ist. «Und je nach Begeisterung der Leute können wir vielleicht auch Teile entlang der Sentimattstrasse einkleiden», hofft Bally.

Für diese Aktion hat die Pfarrei St. Karl eine Bewilligung von der Stadt Luzern beantragt – und erhalten. Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen, erklärt: «Weil mit dem Verkleiden des Geländers öffentlicher Grund genutzt wird, ist eine Bewilligung nötig.»

Hinweis

Informationen zum Strickprojekt der Pfarrei St. Karl finden Sie auch auf www.kathluzern.ch

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