Kommentar

Vernünftiger Entscheid beim Ladenschluss

Die Grünen verzichten auf's Referendum gegen die moderate Ausweitung der Ladenöffnungszeiten im Kanton Luzern. Sie beweisen damit lobenswerterweise – zusammen mit den anderen Verhandlungspartnern - ihre Konsensbereitschaft.

Jérôme Martinu, Chefredaktor
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Jérôme Martinu, Chefredaktor

Jérôme Martinu, Chefredaktor

Ab Mai soll’s nun also tatsächlich so weit sein. Der Kanton Luzern nähert sich bei den Ladenöffnungszeiten ein Stück weit seinen ungleich liberaleren Nachbarn an: Unter der Woche neu einkaufen bis 19 statt bis 18.30 Uhr und samstags bis 17 statt 16 Uhr. Dafür wird einer von zwei möglichen Abendeinkäufen gestrichen.

Für die Gesetzesänderung ist keine Volksabstimmung nötig. Denn die Grünen verzichten nun auf das Sammeln von Unterschriften für ein Referendum. Unumstritten war das parteiintern aber nicht. Die Angestellten und deren Familien würden darunter leiden. Die längere Abendöffnungszeit würde es Hunderten Detailhandelsangestellten verunmöglichen, am sozialen Leben teilzunehmen, so die bekannten Gegenargumente. Ja, Arbeits- und Erholungszeiten haben sich verändert, nicht nur im Guten. Die halbe Stunde in Bezug auf das soziale Leben derart zu verabsolutieren, das hat aber mehr mit politischer Kampfrhetorik als mit dem heutigen Lebensalltag zu tun.

Mit der Gesetzesanpassung wird die gesellschaftliche Veränderung abgebildet. Sehr vernünftig also, dass die grosse Mehrheit der Grünen den zwischen Detailhandel, Gewerkschaften und Parteien ausgehandelten Kompromiss nicht kippen will. Die Verlängerung der Luzerner Öffnungszeiten ist moderat. Im Idealfall werden dadurch Einkaufswege kürzer, weil man mit dem Auto nicht mehr über die Kantonsgrenze fährt, um länger einkaufen zu können. Auch wenn es ein langer Weg war: Die Konsensbereitschaft in diesem Geschäft ist lobenswert.

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