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VERORDNUNG: Kitesurfer erhalten Aufwind

Kitesurfen soll auf dem Sempachersee verboten sein, sagt die Regierung. Drei Parteien und die Seegemeinden sehen das anders.
Claudio Zanini
Geht es nach der Luzerner Regierung soll Kitesurfen im Kanton Luzern nur eingeschränkt möglich sein. (Bild: Keystone/Mani Mürner)

Geht es nach der Luzerner Regierung soll Kitesurfen im Kanton Luzern nur eingeschränkt möglich sein. (Bild: Keystone/Mani Mürner)

Claudio Zanini

Der Bund gibt den Kitesurfern ab 2016 grünes Licht. Auf allen Schweizer Seen ist das Surfen mit einem Lenkdrachen grundsätzlich erlaubt, sofern die Kantone keine Verbote erlassen (Ausgabe vom 11. Oktober). So teilten in der letzten Woche etwa Obwalden und Schwyz die Erlaubnis auf ihren Seeflächen mit.

Der Kanton Luzern will den Kitesurfern nur bedingt freie Hand lassen: Auf dem Sempachersee und dem Hallwilersee soll Drachensegeln verboten werden. Die Regierung argumentiert vor allem mit Vogel- und Naturschutz sowie potenziellen Gefahren für andere Seenutzer, die von den Starts und Landungen der Kitesurfer ausgehen. Auf dem Vierwaldstättersee sollen die Drachensegelbretter lediglich im Luzerner Seebecken und in der Horwer Seebucht verboten werden.

Die Änderung in der Schifffahrtsverordnung – unter welche die Handhabung mit dem Kitesurfen fällt – ging in die Vernehmlassung. Deren Frist lief kürzlich ab. Bezüglich Vierwaldstättersee und Hallwilersee sowie der Erlaubnis auf dem kleinen luzernischen Teil des Zugersees sind die Parteien mehrheitlich auf der Linie der Regierung. Beim Sempachersee hingegen gar nicht.

Gegen Verbot: SP, SVP und FDP

Drei Parteien halten nichts vom Verbot auf dem Sempachersee. Die FDP argumentiert, dass das Kitesurfen dort bis 2011 während zehn Jahren erlaubt war und es zu «keinen dokumentierten Zwischenfällen» kam. Zudem sei es «praktisch der einzige See im Kanton», der aufgrund seiner topografischen Lage und der vorherrschenden Windverhältnisse für das Kitesurfen geeignet sei, heisst es in der Mitteilung.

So sieht es auch die SVP. Der Erholungsraum werde bei windigen Verhältnissen ohnehin «kaum genutzt». Eine allfällige Störung der Lebensräume von Pflanzen und Tieren nehme man zwar ernst, aber die Fläche für den Ein- und Ausstieg der Kitesurfer habe für den Naturschutz am Sempachersee «keine explizite Bedeutung». Auch die SP spricht sich gegen ein generelles Verbot aus und will das Kitesurfen in «klar definierten Zonen» zulassen. «Entlang des westwindexponierten Ufers bei Sempach und Eich soll das Kiten erlaubt sein.» So können Rückzugszonen für Vögel und andere Nutzungskonflikte umgangen werden, teilt die SP mit.

Für Verbot: CVP, GLP und Grüne

Die CVP will die bisherigen Verbote auf kantonaler Ebene beibehalten. Von rund 58 Quadratkilometern Gewässerfläche des Kantons können deren 40 für das Kitesurfen benutzt werden. Diese Regelung habe sich «grundsätzlich bewährt», teilt die CVP mit. Auch die Grünliberalen haben am Entwurf der Regierung nichts auszusetzen, da der Sempachersee sich «nur an wenigen Tagen im Jahr» zum Kitesurfen eignet.

Die Zulassung von Drachensegelbrettern auf dem Sempachersee ist auch für die Grünen ein Tabu, da der See für den Vogelzug von «internationaler Bedeutung» sei. Weiter sei der mindestens 100 Meter lange und hindernisfreie Start in der Uferzone eine Gefahr für die Umwelt. Eine partielle Nutzung lehnen die Grünen aus folgendem Grund ab: «Damit würde eine Regelung getroffen, bei der schon im Voraus klar ist, dass sie nicht vollzogen werden könnte.»

Seegemeinden für Zulassung

Wichtige Vernehmlassungspartner dürften nebst den Parteien auch die Seegemeinden sein. Und sämtliche sieben Gemeinden um den Sempachersee sprachen sich gegen ein Verbot des Kitesurfens aus. In der Gemeinde Eich – wo ein möglicher Startplatz wäre – sei das Thema kontrovers diskutiert worden, sagt Gemeinderat Robi Jost. «Das Kitesurfen unterscheidet sich aus unserer Sicht nicht gross von anderen Wassersportarten, die bereits zugelassen sind. Wir sind gegen ein Verbot, verlangen aber geordnete Zugänge über entsprechende Steg-Anlagen zum Schutz der Natur.» Weiter haben die Kitesurfer Unterstützung erhalten von zwei Ruderklubs (Sempach, Sursee) sowie unter anderem vom Verband Schweizerischer Motorboot- und Segelschulen.

Allenfalls politisch anfechten

Das Justiz- und Sicherheitsdepartement des Kantons lässt ausrichten, dass die Stellungnahmen der verschiedenen Vernehmlassungspartner nun ausgewertet werden. Die Änderung der Verordnung soll Mitte Februar 2016 in Kraft treten. Ivo Kneubühler vom Kitesurf-Club Schweiz (Sektion Luzern) ist guter Dinge, dass der Regierungsrat nun einlenken wird und der Entscheid zu Gunsten der Kitesurfer ausfallen könnte. «Die Position der Seegemeinden dürfte einen wichtigen Einfluss haben.» Falls es dennoch zu einem Verbot auf dem Sempachersee käme, würde man das «nicht hinnehmen und weiter dagegen ankämpfen».

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