«Verrichtungsbox» statt Strassenstrich?

Die Probleme mit der Strassenprostitution in der Stadt Luzern sollen angepackt werden. Der Stadtrat prüft die Einführung von Strichverbotszonen, Laufhäusern und sogenannten «Verrichtungsboxen».

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Strassenstrich in Luzern an der Tribschenstrasse, auf Höhe des Restaurant Unterlachenhof. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Strassenstrich in Luzern an der Tribschenstrasse, auf Höhe des Restaurant Unterlachenhof. (Bild: Pius Amrein/Neue LZ)

Der Luzerner Stadtrat will drei Massnahmen gegen die Strassenprostitution genauer prüfen. Das schreibt er in der Antwort auf zwei politische Vorstösse. Daniel Wettsein wollte in einer Interpellation wissen, was der Stadtrat gegen den Strassenstrich vornehmen will und ein Postulat der CVP-Fraktion forderte Massnahmen gegen den Strassenstrich.

Wie die Stadt Luzern am Montag in einer Medienmitteilung schreibt, habe sie gegenüber der Strassenprostitution grundsätzlich eine liberale Haltung und habe damit in der Vergangenheit mehrheitlich gute Erfahrungen gemacht. Grosse Strichszenen wie in Zürich oder Olten mit gegen hundert Frauen kenne man in Luzern nicht.

Drei Möglichkeiten werden abgeklärt

Trotzdem wolle der Stadtrat die Anliegen der betroffenen Bevölkerung ernst nehmen. Diese leide teils stark unter den Nebenerscheinungen der Strassenprostitution, wie Belästigungen, Nachtruhestörungen oder Verschmutzung. Nach der Prüfung zahlreicher Möglichkeiten, um die Probleme zu bekämpfen, will der Stadtrat die Umsetzbarkeit folgender drei Möglichkeiten prüfen:

Eine Strichverbotszone würde die Strassenprostitution auf dem Stadtgebiet nicht verbieten, aber es liesse sich klar festhalten, dass diese Tätigkeit beispielsweise in Wohnquartieren, bei Schul- oder Grünanlagen oder bei ÖV-Haltestellen nicht mehr erlaubt wäre.

Eine sinnvolle Ergänzung zu einer Strichverbotszone wäre aus Sicht des Stadtrates ein Laufhaus, in dem Prostitution geduldet wird. Statt auf dem Trottoir würden die Prostituierten in einem gemieteten Zimmer bei geöffneter Tür auf Freier warten.

So genannte „Verrichtungsboxen“ wurden erstmals in Utrecht (NL) aufgestellt. Dazu wird eine Zone, ähnlich einem grossen Parkplatz, für die Strassenprostitution ausgeschildert. Dort werden den Prostituierten für ihre Tätigkeit garagenähnliche Boxen zur Verfügung gestellt, in welche die Freier mit dem Auto hineinfahren können.

Gesetzliche Regelung gefordert

Derzeit erarbeite der Kanton Luzern ein Gesetz zur Prostitution. Darin seien bisher keine Massnahmen gegen die Strassenprostitution vorgesehen. Der Stadtrat fordert jedoch vom Kanton, dass das neue Gesetz auch Aussagen zum Umgang mit der Strassenprostitution beinhalten muss.

pd/bep