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Verschmähte Berufsmatura: Luzerner Arbeitgeber schlagen Alarm

Im Kanton Luzern haben heuer weniger Jugendliche die Ausbildung zur Berufsmatura begonnen als im Vorjahr. Das ruft Gewerbe- und Berufsverbände auf den Plan.
Alexander von Däniken
Lehrlinge entscheiden sich im Kanton Luzern seltener für die Berufsmatura. Der Trend wird gemäss Prognosen des Bundes weitergehen. (Symbolbild: Pius Amrein)

Lehrlinge entscheiden sich im Kanton Luzern seltener für die Berufsmatura. Der Trend wird gemäss Prognosen des Bundes weitergehen. (Symbolbild: Pius Amrein)

Sie ist der Königsweg zwischen Lehre und anschliessender Weiterbildung: die Berufsmatura. Allerdings haben dieses Jahr im Kanton Luzern gerade einmal 831 Jugendliche die Berufsmatura-Ausbildung begonnen – 23 weniger als im Vorjahr. Christof Spöring, Leiter der Dienststelle Berufs- und Weiterbildung, vermutet, dass die Lehrbetriebe ihre Schützlinge ungern einen Tag pro Woche mehr in die Schule schicken (wir berichteten). Empirische Daten zu den Gründen liegen zwar nicht vor – dafür zeigen Zahlen, in welchen Branchen die Berufsmatura unbeliebt ist.

Im Bereich Gesundheit und Soziales haben zum Beispiel heuer 17 Personen weniger die Berufsmatura in Angriff genommen als 2018, im Bereich Technik, Architektur und Life Sciences sind es sogar 26 weniger. In anderen Bereichen stiegen die Zahlen etwas an.

Gaudenz Zemp, Direktor des KMU- und Gewerbeverbands Kanton Luzern, nimmt den generellen Rückgang mit Besorgnis zur Kenntnis. Er teilt die Einschätzung von Christof Spöring, wonach Lehrbetriebe nicht noch einen zusätzlichen Wochentag auf ihre Lehrlinge verzichten wollen.

«Ausserdem dürfte die hohe Gymiquote auch eine Rolle spielen. Wenn die besten Jugendlichen an die Kanti gehen, gibt es weniger, die für eine anspruchsvolle Berufsmatura in Frage kommen.»

Die Gymiquote beträgt im Kanton Luzern derzeit 21 Prozent.

Gewerbeverband prüft Lösungsansätze

Abgesehen vom zusätzlichen Schultag vermutet Zemp, dass die Lehrbetriebe zum Teil skeptisch sind, was den Nutzen der Berufsmatura betrifft. Schliesslich würden nach Lehrabschluss viele an die Fachhochschule wechseln. «Es braucht aber auch gut ausgebildete, reguläre Arbeitskräfte.»

Zemp will nun verschiedene Modelle prüfen; etwa Vorkurse für Schüler der dritten Sek oder attraktive Angebote für nach der Lehre. «Wichtig dabei ist, dass das Ausbildungssystem nicht zu komplex wird.» Tatsächlich gibt es schon jetzt die Möglichkeit, bei einer vierjährigen Lehre das erste Lehrjahr «normal» zu absolvieren.

Wie tief die Berufsmaturitätsquoten in gewissen Branchen sind, illustriert das Beispiel des Verbands Luzerner Schreiner mit rund 160 angeschlossenen Betrieben. «Im Schnitt machen gerade einmal drei bis fünf Prozent unserer Lehrlinge die Berufsmatura», sagt Geschäftsleiter Andreas Schädler und fügt darum an:

«Die Berufsmatura hat Entwicklungspotenzial.»

Wie Zemp ortet auch Schädler die Gründe in der Belastung für die Lehrbetriebe und der hohen Beliebtheit der Gymnasien. Letztere hätten in den Sekundarschulen und in der Gesellschaft einen höheren Stellenwert als die Lehre und die Berufsmaturität. Schädler hat schon Aussagen vernommen, wonach «Perlen vor die Säue geworfen» würden, wenn gute Sek-Schüler in die Lehre geschickt werden. Der Verbandsleiter nimmt die Lehrer und Berufsbildungszentren in die Pflicht, die Berufslehren positiver darzustellen.

Unabhängig von Zemp stellt sich auch Schädler vor, die Sek-Schüler schon im letzten Schuljahr abzuholen, ohne die Angebote zu überladen. «Es braucht Berufsmatura-Absolventen, gerade im mittleren Kader.»

Bund geht von weiterem Rückgang aus

Dass es dafür zusätzliche Anstrengungen braucht, zeigen Hochrechnungen des Bundesamts für Statistik, aufgeschlüsselt nach Kantonen, in denen die Berufsmatura absolviert wird. Demnach sinkt im Kanton Luzern die Zahl der Abschlüsse gemäss wahrscheinlichstem Szenario von 737 im Jahr 2017 auf 688 im Jahr 2025, in Zug von 242 auf 229 und in Schwyz von 129 auf 120.

Rückgänge bei den Berufsmaturitätszeugnissen zwischen 2017 und 2025 dürfte es auch in den Kantonen Uri (von 38 auf 34), Obwalden (von 53 auf 45) und Nidwalden (von 14 auf 11) geben. Schweizweit stagniert die Zahl, während bei der gymnasialen Matura mit einem Zuwachs von 17'918 auf 19'278 Abschlüsse gerechnet wird.

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