Versicherer führt die Krienser an der Fasnacht

Auf Thomas Müller warten mehr als 200 Anlässe. Darauf freut sich der frischgebackene Gallivater - und nimmt bald die Geissel hervor.

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Thomas Müller und Helene Bucheli, das Gallipaar 2013. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Thomas Müller und Helene Bucheli, das Gallipaar 2013. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Das Haus des Gallivaters in der Ried-strasse in Kriens ist leicht zu finden. Gleich neben dem Gartentürchen steht eine «Gratulation dem Gallipaar»-Bildtafel. «Meine Neuzünftler haben diese vor wenigen Stunden bei Nacht und Nebel hier aufgestellt», freut sich Thomas Müller (45) während des gestrigen Interviews. Er und seine Partnerin Helene Bucheli (46) sind an der 90. Zunftversammlung am Samstagabend zum 65. Gallipaar gewählt worden.

Volle Agenda

Damit hat für die beiden ein turbulentes Zunftjahr begonnen, das mit einem ausgiebigen Fest gleich im Anschluss an die Zunftversammlung und bis in die frühen Morgenstunden des Sonntags bei ihnen zu Hause eingeläutet wurde. Wer nicht vor Ort gratulieren kann, tut dies telefonisch oder über Facebook - und zwar zahlreich. «Ja, wir freuen uns riesig und hoffen auf viele schöne und gesellige Begegnungen», so Müller und Bucheli fast schon im Kanon. Gelegenheit zu solchen werden die beiden zweifelsohne einige haben. «Es sind sicher über 200 Anlässe aufs ganze Amtsjahr hinaus gesehen», so Müller. Aber deswegen das Arbeitspensum zu reduzieren, habe er nicht vor. «Schon als Neuzünftler ist man sehr intensiv ins Zunftleben eingebunden.»

Die weiteren Hobbys müssen sich für die nächsten Monate neben der Arbeit, der Familie und der Zunft jedoch mit weniger Aufmerksamkeit zufriedengeben. «Klavier, Violine und Gitarre übe ich regelmässig. Momentan jedoch wohl nur einmal im Jahr», scherzt Müller.

Bundesgesetz statt Biografien

Wenn auch Schüpfheim Müllers Heimatort ist, so ist er seit Jahrzehnten in Kriens heimisch. Hier verbrachte er seine Kindheit und schloss seine Ausbildung zum kaufmännischen Angestellten ab. Aktuell arbeitet er als Teamleiter bei der Concordia, Kranken- und Unfallversicherung, in Luzern und führt ein kleines Team im Bereich Versicherungstechnik und Kollektivvertragswesen. In diesem Rahmen besucht er momentan eine Krankenversicherungsausbildung. «Deshalb lese ich zurzeit mehr im Bundesgesetz über die Krankenversicherung und den Versicherungsvertrag anstelle von Biografien von beruflichen Persönlichkeiten, was ansonsten meine bevorzugte Freizeitlektüre ist», so Müller.

Stark mit Kriens verbunden

Doch wohnen Bucheli und Müller nicht nur in Kriens, sondern wirken auch abseits ihrer Aktivitäten im Rahmen der Galli-Zunft vielfältig in der Gemeinde mit. So ist Müller seit über einem Jahrzehnt bei der Feuerwehr Kriens als Korporal tätig. Ebenfalls laufen er und seine Partnerin seit Jahren mit der Trychlergruppe Kriens während der winterlichen Nächte mit lautem Trychlengeläute durch die Strassen von Kriens. Auch schnitzt der frischgebackene Gallivater fast jährlich mit den Schnitzerfreunden eine neue traditionelle Krienser Holzmaske. «Nun will ich wieder mit dem Geisslechlöpfen beginnen», so Müller, womit er die winterlichen Krienser Traditionen gänzlich in seinem Tätigkeitsrepertoire abgedeckt hat. Die Gallimutter: «Mir gefallen diese Traditionen sehr. Diese werden hier in Kriens sehr liebevoll gepflegt.» Da kann Müller seiner Partnerin, die im Bereich der Energiebewirtschaftung arbeitet und im Garten eine Kleinfarm mit sieben Hühnern betreibt, nur beipflichten.

Dann ist das Gespräch zu Ende, denn die Vorbereitungen für die nächsten Anlässe vom gestrigen Sonntag müssen teils noch erledigt werden: Schon bald finden sich Freunde der Familie und Zunftkollegen zu einem Apéro beim Gallipaar ein. Danach folgt der Chilbieinzug beim Gemeindehaus, und am Abend besucht das Gallipaar nach einem Nachtessen das zukünftige Weibelpaar. Dieses weiss noch nichts von dieser vorgesehenen Ehrentätigkeit und entsprechend vom abendlichen Besuch. «Ja, das wird wieder länger dauern. Und wenn sie nicht da sind, warten wir, bis sie heimkommen», so Müller und lacht.

Basil Böhni