Versicherungsbetrug: Mit falschen Angaben 335'000 Franken ergaunert

Vor dem Luzerner Kriminalgericht stand ein Mann der über Jahre mit fingierten Anträgen Provisionen kassierte. Verteidigung und Staatsanwaltschaft waren sich im Strafmass einig, fürs Kriminalgericht muss sie höher sein.

Sandra Monika Ziegler
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Während der Delikt-Zeit war er von Beruf Betrüger, könnte man sagen. Der heute 33-Jährige hat über Jahre mit gefälschten Angaben bei Versicherungen Provisionen von mehreren hunderttausend Franken kassiert. Mit dem Geld hat er seinen Lebensunterhalt, Bordellbesuche, Familienferien im Fünfsternehotel sowie teure Autos finanziert. Die Deliktsumme beträgt knapp 335'000 Franken. Geschädigt wurden vor allem drei grosse Schweizer Versicherungsgesellschaften.

Gestern stand der Beklagte vor dem Luzerner Kriminalgericht. Der Mann, der aus Kroatien stammt, ist unter anderem des gewerbsmässigen Betruges angeklagt. Die Staatsanwaltschaft beantragt eine Strafe von 2 Jahren bedingt und 193 Tage unbedingt sowie eine Probezeit von fünf Jahren. Zur Haftstrafe wird eine Geldstrafe von 10'800 Franken gefordert. Dem stimmte auch die Verteidigung zu.Der Beklagte sass ab Dezember 2016 bereits während 193 Tagen in Untersuchungshaft.

Junge, gesunde Versicherungsnehmer

Da es sich um ein abgekürztes Verfahren handelt, wurde kein Beweisverfahren durchgeführt. Aus den Akten ist zu entnehmen, wie der Mann vorgegangen ist. So gründete er eine GmbH, reichte in deren Namen für fiktive Kunden gefälschte Versicherungsanträge ein und kassierte Provisionen. Für sein Geschäftsmodell setzte er Strohmänner ein und Personen, die es gar nicht gab und in dessen Namen er unterschrieb, so konnte er über längere Zeit unauffällig im Hintergrund bleiben. Seiner fiktiven Klientel gab er bewusst ein Alter unter 40 Jahren, da diese Personengruppe von den Versicherungen weniger geprüft werden, als ältere Personen.

Die Gesundheitsfragen seiner Klientel beantwortet der Angeklagte gleich selber und liess so die Antragsteller gesund erscheinen. Für seine Versicherungsnehmer erfand er einen Namen, gab dieser Person aber eine existierende Adresse. So konnte er die Post mit den Anträgen auf eine ihm zugängliche Adresse umleiten. Das Betrugssystem funktionierte über mehrere Jahre. Bei den Versicherern wurden nach oben genannten Vorgehen mindestens 331 Anträge gestellt. Sie wurden grossmehrheitlich angenommen und es flossen Provisionen.

Harsche Kritik an den Versicherungen

Auf die Frage der Richterin nach dem Tatmotiv sagte der Beklagte: «Aus Naivität und Dummheit bin ich da reingerutscht. Heute schäme ich mich dafür.» Die U-Haft habe aus ihm einen anderen Menschen gemacht. Der gelernte Automechaniker arbeitet heute fern von Versicherungen und Banken als Handwerker in einer Festanstellung. Er lebt laut Verteidigung und Staatsanwaltschaft ein geordnetes Familien- und Berufsleben.

Kritisiert wurde aber das Verhalten der Versicherungsgesellschaften. So hätten sie es dem Angeklagten «zu einfach gemacht» und «die Akquise von jungen Versicherungsnehmern höher gewichtet als die Kontrolle der fingierten Angaben und blauäugig hohe Provisionen ausbezahlt». Verteidigung und Staatsanwaltschaft hielten an den Strafanträgen fest und attestierten dem Mann eine gute Prognose.

Vom geläuterten Angeklagten war das Luzerner Kriminalgericht aber nicht ganz überzeugt. Deshalb will es anstelle der 193 Tage bedingten Haft eine von 12 Monaten. Diese könnte der Angeklagte in Halbgefangenschaft absitzen. Die Staatsanwaltschaft akzeptiert die verschärfte Strafe, die Verteidigung will sich mit dem Beschuldigten noch absprechen. Das Urteil wird später mitgeteilt.