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VERUNTREUUNG: Kassier betrügt wohltätige Vereine

Der Kassier zweier Organisationen hat diesen insgesamt 165 000 Franken entwendet. Die Vereine hoffen ihre Aufgaben dank Spenden weiterführen zu können.
Der Kassier hat rund 165'000 Franken aus den Vereinskassen entwendet. (Symbolbild Keystone)

Der Kassier hat rund 165'000 Franken aus den Vereinskassen entwendet. (Symbolbild Keystone)

Er war Kassier bei zwei Organisationen und hat das grosszügig zu seinen Vorteilen genutzt. Er war seit Oktober 2007 für den Luzerner Verein für die Katholische Kirche auf Kreta als Kassier tätig. Der Verein überweist jährlich 25 000 Franken nach Griechenland und finanziert so den Sakristanendienst und den Un­ter­halt der Pfarrkirche in Rethymnon, Griechenland. In den letzten Monaten hat er dem Verein «fast das ganze Vermögen der Vereinskasse entwendet», wie es in einer Mitteilung heisst. Insgesamt wurden der Organisation rund 65 000 Franken gestohlen.

Seit gut einem Jahr war der Mann zudem Kassier bei der Luzerner Vereinigung zur Begleitung Schwerkranker. Diese vermittelt unentgeltliche Sitzwachen bei schwer kranken Menschen oder Sterbenden in Betagtenzentren und zu Hause in der Stadt Luzern. Bei der Vereinigung hatte sich der Mann in dieser Zeit um einen Betrag von 100 000 Franken bereichert. Letzte Woche hat der Kassier sich selbst bei der Luzerner Polizei gestellt, die Luzerner Staatsanwaltschaft hat die Untersuchung eingeleitet.

Beide betroffenen Vereine zeigen sich ob diesem Vorfall bestürzt. «Wer Spendengelder entwendet, zerstört das Vertrauen, das Geber in ein soziales Projekt investiert haben», sagt Elmar Rotzer, Vorstandspräsident Katholische Kirche auf Kreta Luzern.

Mit einer offenen und transparenten Kommunikation will der Verein das Vertrauen der Spender zurückgewinnen. «Wir müssen sagen, was Sache ist», so Rotzer. Es werden auch sofortige Massnahmen ergriffen. «Wir prüfen die internen Abläufe und führen ab sofort kollektive Unterschriften ein, damit wir mehr Einsicht in die Buchhaltung haben», sagt der Präsident. Auch wird ein Pflichtenheft für den Kassier erstellt.

Spendenaktion soll den Vereinszweck sichern

Mit einer gross angelegten Spendenaktion will die Organisation nun den jährlichen Betrag an Griechenland wieder in die Kasse holen, damit der Vereinszweck ununterbrochen weitergeführt werden kann. «Die Veruntreuung traf uns hart. Auch unsere Reserven, die für unvorhergesehene Zwischenfälle vorgesehen waren, sind weg.

Auch Claudia Jaun, Mitglied des Vorstandes Luzerner Vereinigung zur Begleitung Schwerkranker ist überrascht ob diesem Vorfall. Ihrer Vereinigung hat der Kassier 100 000 Franken entwendet. Laut dem Jahresbericht von 2016 verfügte die Vereinigung zu Jahresbeginn über ein Vereinsvermögen von gut 93 000 Franken. Wie es genau möglich war, dass in nur knapp einem Jahr 100 000 Franken entwendet werden konnten, kann Jaun nicht sagen. «Für uns gab es keinen Grund, misstrauisch zu sein. Wir haben das nicht erwartet.» Ihre Richtlinien entsprächen jenen von Vereinen in dieser Grösse.

Nun werden interne Abläufe überprüft und wenn nötig angepasst. Laut Jaun will sich die Vereinigung dafür einsetzen, dass das Vertrauen der Spender nicht verloren geht. «Glücklicherweise spüren wir, dass die Leute immer noch an unsere Organisation glauben, was uns sehr freut», sagt sie.

Über die Beweggründe des Kassiers sowie auch seine Vorgehensweise ist derzeit nichts bekannt. Laut Rotzer ist der Täter jedoch sehr raffiniert und mit krimineller Energie vorgegangen. «Vermutlich hat er das Geld von verschiedenen Konten hin und her geschoben», sagt Rotzer. Ob allenfalls auch Belege gefälscht worden sind, ist Gegenstand der Untersuchungen.

Bei der Luzerner Polizei heisst es auf Anfrage lediglich, dass sie die Selbstanzeige des Kassiers bestätigen können. Weiteres könne mit Blick auf das laufende Verfahren nicht publik gemacht werden.

Laut Claudia Jaun gilt es nun, nach vorne zu schauen. «Wichtig ist, dass der Betrieb weitergehen kann und weder Freiwillige noch Schwerkranke, die den Dienst beanspruchen möchten, von diesem Vorfall betroffen werden.» Dabei könne sie auf treue Organisationen und Institutionen sowie dem Verein wohlgesinnte Menschen zählen, die sie unterstützten.

Beispielsweise die Spitalschwestern-Gemeinschaft. Sie fordern den Lohn eines Mitglieds nicht ein, das im Teilzeitpensum für die Vereinigung tätig ist. Und das, bis sich diese wieder selbstständig finanzieren kann. Doch Jaun gibt sich zuversichtlich: «Wir gehen mit ganzer Kraft daran und schauen, dass wir den Verein schnellstmöglich wieder auf finanziell stabile Beine bringen.»

Martina Odermatt

martina.odermatt@luzernerzeitung.ch

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