Veruntreuung: Pfarrer drohen 15 Monate Haft

Während sieben Jahren hat ein Pfarrer der Kirchgemeinde Luthern eine halbe Million Franken veruntreut. Heute stand er vor dem Luzerner Kriminalgericht. Er gestand seine Schuld ein. Das Urteil folgt später.

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Der ehemalige Pfarrer der Kirchgemeinde Luthern gab heute vor dem Luzerner Kriminalgericht zu, sich während seiner ganzen Amtszeit bei der pfarramtlichen Konten bedient zu haben. Er war von 1997 bis 2003 Pfarrer in der Luzerner Gemeinde. Der Pfarrer aus Deutschland gab Geld aus Kollekten und Spenden sowie andere Gaben für seine Wohnungseinrichtung, sein Auto und andere persönliche Dinge aus. Die Deliktsumme beläuft sich laut Staatsanwalt auf über 500'000 Franken.

Der Staatsanwalt sprach von mehrfacher Veruntreuung und ungetreuer Geschäftsführung. Er beantragte 15 Monate Freiheitsentzug bedingt. Zudem soll sich der Angeklagte einer ambulanten Therapie unterziehen.

Verteidigung wollte mildere Strafe

«Der Angeklagte konnte nicht zwischen Mein und Dein unterscheiden», sagte der Staatsanwalt. Der Verteidiger plädierte auf eine Geldstrafe von 270 Tagesansätzen zu je 50 Franken. Grund: Die Deliktsumme betrage 150 000 bis 200 000. Nicht alle Gelder seien zweckentfremdet worden. Ausserdem sei ein Teil der Veruntreuung verjährt. Auch habe das Pfarramt die Finanzen nicht kontrolliert. Ausserdem sehe der Angeklagte die Schuld ein und bezahle monatlich Schulden ab.

«Die Vorwürfe sind richtig, auch wenn ich mich nicht im Einzelnen erinnern kann», sagte der Angeklagte. Es sei zum Teil Unvermögen gewesen, zum Teil sei er mit der Buchhaltung überfordert gewesen.

Unter Alkoholeinfluss

«Viele Dinge habe ich unter Alkoholeinfluss getan», sagte der Angeklagte. Er sei ein Pegeltrinker gewesen. Seit einem Entzug vor fünf Jahren sei er jedoch trocken. Die Befürchtung, dass es auffliegt habe er weggetrunken oder verdrängt. Er sei in psychiatrischer Behandlung und beziehe wegen seiner Depression und einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung eine IV- Rente.

Die Verfehlungen kamen erst dann ans Tageslicht, als er seine Arbeit kündigte. In den Pfarreien gab es bis 2004 noch keine Buchführungspflicht über die Pfarreigelder. Eine Weisung zur Revisionspflicht - und damit zur finanziellen Transparenz - erliess das Bistum Basel erst 2004. Das Bistum fordert das Geld auch nicht zurück. Der Angeklagte bezahlt freiwillig monatlich 1400 Franken an die Bischöflichen Ordinariatsstiftung.

Das Urteil des Luzerner Kriminalgerichts wird nächste Woche erwartet.

sda