Verurteilter Pädophiler bleibt im Heim: 16 Jahre Therapie sind nicht genug

Muss ein verurteilter Pädophiler weiterhin stationär therapiert werden? Ja, entschied das Luzerner Kriminalgericht am Donnerstag.

Sandra Monika Ziegler
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Der Mann wurde 2008 vom damaligen Luzerner Obergericht wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern verurteilt und erhielt eine stationäre Massnahme. Diese wurde sieben Jahre später und letztmals im Sommer 2017 jeweils um drei Jahre verlängert. Sein Begehren nach bedingter Entlassung und damit einem selbstbestimmten Leben wurde am Donnerstag abgewiesen: Die Massnahme wird bis April 2023 verlängert.

«Kein einfacher Entscheid», sagte die Richterin am Abend bei der Urteilsverkündung. «Sie haben noch ein gutes Stück Weg Therapie vor sich», meinte sie zum 58-jährigen Verurteilten.

Er hat sich an über 100 Kindern vergriffen

Aufgrund dieses Verdikts bleibt der Mann weiterhin eng überwacht. Bei der Befragung gab er an, seine Pädosexualität unter Kontrolle zu haben. Dies weil er sowohl einer chemischen, wie auch später einer chirurgischen Kastration zugestimmt hatte. Letztere, um die Nebenwirkungen der chemischen Behandlung zu minimieren. «Es ist eine Erleichterung, mein Sextrieb ist weg, ich habe kein Sexualleben mehr, auch nicht im Kopf», sagte er. Er sei seit Teenagerzeiten pädophil, aber nicht rückfallgefährdet. Der Richter entgegnete, der Mann habe sich während der Jahre an über 100 Kindern vergriffen. Nicht alle seien jedoch zur Anzeige gekommen.

Diese Aussage liess der Verurteilte im Raum stehen. Er betonte, durch die zusätzliche Therapie, die er seit 16 Jahren habe, könne er sein Verhalten mit dem Therapeuten diskutieren und so in der Folge richtig handeln, wenn er Kindern begegnen sollte. Solche Situationen habe er bisher gut gemeistert.

Im Wohnheim engmaschig betreut

Der Mann, der sich aktuell in einem Wohnheim mit engmaschiger Kontrolle befindet und bei Übernachtausgängen mit einer Fussfessel unterwegs ist, sieht von sich ausgehend keine Gefahr mehr für Kinder. Er habe eine funktionierende Strategie entwickelt und könne sozialkonform mit seiner Störung umgehen. Er weiche gefährlichen Situationen aus. Komme es dennoch dazu, wende er sich ab, wechsle den Raum oder gehe einfach weiter. Heute sei er gar so weit, dass ihn diese Ausweichmanöver nicht einmal mehr stressen. Zu seinen Töchtern, die ebenfalls Opfer waren, hat der Mann weiterhin Kontakt.

Der Vollzugs- und Bewährungsdienst, die Heimleitung, die Staatsanwaltschaft und der Therapeut plädierten für die Verlängerung. Der Mann stehe noch am gleichen Ort wie vor drei Jahren und sei noch nicht «fit» für das Leben draussen. Ihm fehle das Problembewusstsein und es fehle auch der Lernfortschritt, so die Staatsanwaltschaft.