Verwaltungsrat der Rigi Bahnen AG erhält für seine Tourismus-Strategie breite Unterstützung der Aktionäre

Die Generalversammlung der Rigi Bahnen AG hat am Donnerstag ohne physische Präsenz der Aktionäre stattgefunden. Im Zentrum standen drei ausserordentliche Anträge einer Aktionärsgruppe zur Tourismus-Strategie, die allesamt deutlich abgewiesen wurden.

Niels Jost
Drucken
Teilen

Es ist eine äusserst spezielle Generalversammlung der Rigi Bahnen AG gewesen. Nicht nur musste sie am Donnerstag wegen des Coronavirus ohne die Aktionäre durchgeführt werden. Auch drei Anträge waren traktandiert, die es in sich hatten. Gefordert wurde von vier Aktionären, darunter René Stettler, Petitionär von «Rigi: 800 000 sind genug!», folgendes:

  • Erstellung eines neuen Tourismuskonzepts anstelle des «Masterplans Rigi» mit der Forderung nach einer Obergrenze von 800'000 Besuchern pro Jahr.
  • Weg vom «Billig»-Tourismus und der einseitigen Ausrichtung auf asiatische Pauschalreisegruppen, hin zu einem «glaubwürdigen» Marketing.
  • Verzicht auf den Bau der geplanten Gondelbahn zum Schutze der Landschaft.

Knapp 10 Prozent stimmten für Anträge

Die drei Anträge wurden allesamt deutlich abgelehnt. Sie erreichten jeweils lediglich eine Zustimmung von knapp zehn Prozent. Dies bei einer rekordhohen Stimmbeteiligung von rund 70 Prozent. Die rund 5500 Aktionäre konnten ihre Meinung im Voraus schriftlich via eines unabhängigen Stimmrechtsvertreters kund tun, der an der gestrigen GV anwesend war.

Das klare Ergebnis freut Karl Bucher, Verwaltungsratspräsident (VRP) des Bahnunternehmens: «Das zeigt uns, dass wir von unseren Aktionärinnen und Aktionären die Bestätigung, Unterstützung und den Zuspruch für unsere eingeschlagene Strategie erhalten.» Es sei weiter ein Vertrauensbeweis dafür, dass bisher gute Arbeit geleistet wurde, insbesondere was den Ersatz der bestehenden Seilbahn mit einer Gondelbahn betreffe. Das Projekt müsse nun finalisiert werden; zu Verzögerungen wegen der Coronapandemie sei es bisher nicht gekommen.

Zur Forderung nach einer nachhaltigeren touristischen Ausrichtung hält Bucher fest: «Auch wir wollen Sorge tragen zur Rigi. Nachhaltig wollen wir aber auch im betriebswirtschaftlichen und sozialen Sinne sein. Wir tragen eine grosse Verantwortung für unsere Mitarbeiter.»

Antragssteller werden weiterhin kritisch sein

Das Resultat nimmt René Stettler namens der anderen drei Aktionäre «zur Kenntnis». «Das deutliche Resultat hat uns nicht überrascht.» Immerhin habe man knapp zehn Prozent aller Aktien-Stimmen für sich verbuchen können. Stettler weiter: «Dass der Verwaltungsrat die Anträge überhaupt zur Abstimmung zugelassen hat, rechne ich ihm hoch an.»

Trotz des klaren Resultats werde man die Diskussion um die touristische Entwicklung der Rigi weiterhin führen müssen, betont Stettler. Er sei sich durchaus bewusst, dass alle Bergbahnunternehmen derzeit vor einer ungewissen Zukunft und Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. «Aber unsere zukunftsweisende Fragen bleiben aktuell. Es gibt schliesslich keine zweite Rigi.» Auch Karl Bucher erwartet weiterhin eine kritische Debatte um den Berg. «Ich hoffe aber», sagt der VRP, «dass wir diese Diskussionen sachlich führen können.»

Gewinn mit Dividende ausgeschüttet

Neben den drei ausserordentlichen Tourismus-Anträgen wurden alle weiteren Traktanden mit deutlich über 90 Prozent gutgeheissen. So wurde der achtköpfige Verwaltungsrat für drei weitere Jahre wiedergewählt. Auch die Rechnung 2019 wurde gutgeheissen. Sie schliesst bei einem Betriebsaufwand von 21,9 Millionen Franken mit einem Gewinn von 3,4 Millionen Franken. Dieser wird für die Ausschüttung einer Dividende von 12 Rappen pro Aktie verwendet.

Mehr zum Thema