VERWALTUNGSREFORM: Zusammenarbeit kommt oft zu kurz

Der Luzerner Stadtrat will strategische Aufgaben an eine neue Abteilung delegieren, was für Irritation sorgt. Doch ein Experte sagt: Es braucht eine departementsübergreifende Koordination.

Robert Knobel
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Der Luzerner Stadtrat (im Bild) hat am Donnerstag diverse Reformen verabschiedet. (Bild: Pius Amrein)

Der Luzerner Stadtrat (im Bild) hat am Donnerstag diverse Reformen verabschiedet. (Bild: Pius Amrein)

Robert Knobel

robert.knobel@luzernerzeitung.ch

Die Stadt Luzern krempelt ihre Verwaltung um. Dazu gehören auch neue Zuständigkeiten der fünf Stadträte. Am meisten zu reden gibt allerdings die geplante neue Abteilung «Strategiemanagement». Diese soll mit 150 Stellenprozenten dem Stadtrat bei strategischen Fragen zur Seite stehen (wir berichteten). Die Einsetzung eines Strategiemanagers erstaunt. Denn bisher beklagten sich die Stadträte immer wieder, dass sie sich zu wenig um strategische Fragen der Stadt kümmern können, weil sie zu stark ins operative Tagesgeschäft eingespannt sind. Naheliegend wäre daher eine Stelle, die dem Stadtrat operative Aufgaben abnimmt. In diese Richtung zielt beispielsweise das CEO-Modell, das inzwischen mehrere Gemeinden in der Region Luzern eingeführt haben. Der CEO als Chef der Verwaltung kümmert sich ums Tagesgeschäft und hält dem Gemeinderat den Rücken frei. Dieser kann sich auf politische und strategische Fragen konzentrieren.

Wobei die Unterscheidung zwischen «operativ» und «strategisch» nicht immer einfach ist. Erst recht nicht in einem komplexen Gebilde wie der Stadtverwaltung mit ihren rund 30 Abteilungen und 1000 Mitarbeitern. Ein CEO wäre damit wohl überfordert, sagte Stadtpräsident Beat Züsli kürzlich in unserer Zeitung (Ausgabe vom 21. Januar).

Jeder schaut zuerst fürs eigene Departement

Paul Bürkler vom Institut für Betriebs- und Regionalökonomie der Hochschule Luzern – Wirtschaft stimmt dieser Einschätzung zu. «Das Grundproblem ist, dass jeder Stadtrat zuerst einmal für sein eigenes Departement schaut. Er wird daran gemessen, ob dort alles gut läuft», sagt Bürkler. Was hingegen oft zu kurz komme, sei die Koordination zwischen den Departementen. «Dieses Problem hat übrigens auch der Bundesrat», sagt Bürkler. Auch Stadtpräsident Züsli räumt ein, dass diesbezüglich noch Potenzial gegen oben besteht: «Die Zusammenarbeit ist nicht überall institutionalisiert», sagte er im Interview mit unserer Zeitung. Genau um dieses Manko zu beheben, soll die neue Stelle für Strategiemanagement geschaffen werden.

Doch wäre dies nicht eigentlich die Aufgabe des Stadtschreibers? Die Stadtschreiber-Stelle wird per Sommer 2017 vakant. Im Stelleninserat wurde unter anderem erwähnt, dass der künftige Stelleninhaber mit beratender Stimme an «Sitzungen, Seminaren und Workshops des Luzerner Stadtrates» teilnehmen werde. Der Stadtschreiber hat also den Überblick über alle fünf Stadtratsdirektionen und kennt die Projekte, die dort laufen. Doch für eine aktive Koordinationstätigkeit fehlt oft die Zeit – zumal der Stadtschreiber auch das rechtskonforme Funktionieren der Stadtverwaltung mit ihren 1000 Angestellten sicherstellen muss. Aus diesem Grund beschäftigen insbesondere grössere Gemeinden, die das CEO-Modell eingeführt haben, nicht nur einen Geschäftsführer, sondern auch weiterhin einen Gemeindeschreiber. Einzig Ebikon hatte diese beiden Funktionen anfänglich zusammengelegt. Doch die Geschäftsführerin und Gemeindeschreiberin in Personalunion legte ihr Amt im Frühling 2016 überraschend nieder. Ob die beiden Funktionen künftig getrennt werden oder zusammengelegt bleiben, ist noch nicht entschieden.

Für Paul Bürkler ist derweil klar, dass der Luzerner Stadtrat künftig verstärkt strategisch tätig sein muss. «Eine Stadt dieser Grösse hat durchaus einen strategischen Spielraum, den man nutzen soll.» Als Beispiel für typisch strategische Handlungen nennt er den Entscheid zum Bau des KKL oder die groben Leitlinien zur Verkehrspolitik. Bürkler ist gleichzeitig überzeugt, dass der Stadtrat jemanden braucht, der ihn bei strategischen Fragen unterstützt und diese Fragen departementsübergreifend koordiniert. «Auch in der Privatwirtschaft geht es meist nicht ohne eine solche Person, bei der die strategischen Fäden zusammenlaufen.» Je nach Firmenkonstrukt könne dies beispielsweise ein Stabschef des CEO sein.

Übrigens: Die Stadt Zürich besitzt seit 2011 eine derartige Stelle, den «Projektstab Stadtrat». Dieser dient als Kompetenzzentrum für strategische, über­ departementale Projekte. Der Stadtrat legt die konkreten Aufgaben des fünfköpfigen Projektstabs je nach Projekt fest. Die Zuständigkeiten reichen von der Planung über die Leitung und Koordination bis zur Evaluation der zugewiesenen Projekte.