VETTEL ANWESEN: Luzerner Gericht bindet fliegenden Paparazzo zurück

Luftaufnahmen von Anwesen prominenter Menschen verletzten deren Privatsphäre. Dies hält das Bezirksgericht Kriens fest. Der Zentralschweizer Journalist Niklaus Wächter hatte von der Luft aus das Anwesen des Rennfahrers Sebastian Vettel fotografiert.

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Der Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel (Bild) war gegen Wächter in Deutschland juristisch vorgegangen. (Bild: Keystone)

Der Formel-1-Fahrer Sebastian Vettel (Bild) war gegen Wächter in Deutschland juristisch vorgegangen. (Bild: Keystone)

Wächter macht von einem Motorsegelflugzeug aus Aufnahmen von Liegenschaften prominenter Menschen und bietet die Fotos auf seiner Website an. Er forderte vom Gericht die Feststellung, dass er die Persönlichkeitsrechte des Formel-1-Piloten nicht verletzt habe, als er dessen Anwesen im Thurgau fotografierte. Der Rennfahrer war gegen Wächter in Deutschland juristisch vorgegangen.

Das am Freitag veröffentlichte Urteil des Bezirksgerichts Kriens ist klar. Die Bilder eines Privatanwesens beträfen das Privatleben und seien nicht vom journalistischen Informationsauftrag gedeckt, schreibt es. Als einzigen Rechtfertigungsgrund für die Aufnahmen sieht das Gericht die persönliche Neugier des Journalisten.

Bilder von umfriedeten Gärten und Höfen, die dem Einblick eines gewöhnlichen Passanten verschlossen blieben, zählten zur Privatsphäre, schreibt das Gericht. Da der Fotograf seine Aufnahmen aus einer Perspektive erstellt habe, die dem normalen Passanten verborgen seien, liege eine Verletzung der Persönlichkeitsrechte vor.

Auf seiner Homepage verknüpft der Fotograf diese Abbildungen zudem mit dem Namen des Beklagten und mit der Ortsbezeichnung. Dies sei ebenfalls eine Persönlichkeitsverletzung, hält das Bezirksgericht fest. Die wirtschaftlichen Interessen des Fotografen überwögen die Interessen des Prominenten an der Privatsphäre nicht.

Das Gericht wies die sogenannte negative Feststellungsklage des Fotografen vollumfänglich ab. Es verpflichte diesen zudem dazu, innerhalb von fünf Tagen, nachdem das Urteil in Kraft getreten ist, die in seinem Machtbereich befindlichen Aufnahmen des Anwesens zu löschen.

Fotograf zieht Urteil nicht weiter

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Er werde auf Anraten seines Anwaltes auf eine Anfechtung verzichten, obwohl er mit dem Urteil nicht einverstanden sei, teilte Wächter mit. Das Urteil sei schlimm für die ganze Medienbranche. Es entspreche aber dem aktuellen Zeitgeist.

Wächter kündigte an, für Redaktionen weiter auf Bestellung Luftaufnahmen von Häusern zu machen. Allfällige Streitigkeiten müssten dann von den Redaktionen ausgetragen werden.

Wächter hatte sich 2014 befremdet gezeigt, dass ein deutsches Gericht sich zu Fotos, die er von einem in der Schweiz befindlichen Anwesen gemacht habe, urteilen solle. Das Bezirksgericht Kriens schreibt dazu, dass es sich nicht zur Frage äussern könne, ob der Formel-1-Fahrer im Ausland Ansprüche gegenüber Wächter habe.

 

sda