VIDEOÜBERWACHUNG: Jungsozis zapfen fremde Kameras an

Private Videokameras sind nicht sicher. Dies zeigt eine Aktion der Jungsozialisten. Diese könnte noch ein Nachspiel haben.

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David Roth von der Juso zeigt Jacques Prêtre die Aufnahmen aus Prêtres Bijouterie. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

David Roth von der Juso zeigt Jacques Prêtre die Aufnahmen aus Prêtres Bijouterie. (Bild Boris Bürgisser/Neue LZ)

Eine Aktion der Jungsozialisten Luzern gibt zu reden: Sie liessen private Videokameras via Funksender anzapfen und veröffentlichten die Bilder gestern auf der Videoplattform Youtube. Damit wollen sie im Hinblick auf die städtische Abstimmung über die Videoüberwachung im öffentlichen Raum vom 1. Juni zeigen, wie einfach der Missbrauch von Bildaufnahmen ist.

«Es war ganz einfach. Der Experte, der die Kameras anzapfte, brauchte gerade mal drei Minuten, bis die Bilder auf dem Laptop waren», sagt David Roth von der Juso Luzern. Selbst Bilder von Überwachungskameras der Stadtpolizei wären mit einem geringen technischen Aufwand zu beschaffen gewesen, behauptet der Sprecher der Jungpartei.

Barbesitzer ist nicht erfreut
Auf dem Video sind Ausschnitte von verschiedenen privaten Überwachungskameras in der Stadt Luzern zu sehen, vom Uhren-Bijouterie-Geschäft von Jacques Prêtre an der Pilatusstrasse, von der Druckertankstelle Refill Shop GmbH an der Löwenstrasse, von der Vögtlin Büro AG am Hallwilerweg oder von der Bar Léon an der Burgerstrasse. «Dass nun Bilder meiner Kamera auf Youtube zu sehen sind, ist eine Frechheit», sagt Luis Baillo, Geschäftsführer der Bar Léon. «Niemand hat in meinem Kamerasystem etwas verloren.»

Eliane Schmid, Mitarbeiterin des eidgenössischen Datenschutzbeauftragten, bezeichnet die Aktion als problematisch: «Die Juso zweckentfremdet die gemachten Aufnahmen der privaten Videokameras.» Gegen die Jungsozialisten jedoch Massnahmen zu ergreifen, sei nicht Sache des eidgenössischen Datenschutzbeauftragten.

Andreas Bättig

Das Juso-Video: