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Viele Igel-Kinder sind nicht fit für den Winter

Immer häufiger werfen Igelmütter ihre Kinder erst im Herbst. Den Kleinen bleibt dann zu wenig Zeit, um den für den Winterschlaf erforderlichen Entwicklungsstand zu erreichen. Manchen von ihnen kann Evelyne Noser helfen.

Lucien Rahm
Evelyne Noser betreibt in Ebikon eine Igel-Auffangstation. In den Händen hält sie einen Igel, der bereits wieder recht fit ist. (Bild: Pius Amrein (Ebikon, 22. November 2018))
(Bild: Pius Amrein (Ebikon, 22. November 2018))
Ab auf die Waage: Ein gesunder Igel sollte in unserer Höhenlage mindestens 600 Gramm wiegen. (Bild: Pius Amrein (Ebikon, 22. November 2018))
Links hält Käthy Maurer einen Neuankömmling in den Händen, Evelyne Noser präsentiert ein wieder genesenes Exemplar. (Bild: Pius Amrein (Ebikon, 22. November 2018))
(Bild: Pius Amrein (Ebikon, 22. November 2018))
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In Ebikon werden Igel gesund gepflegt

Vor 20 bis 30 Jahren sei es noch die Norm gewesen, dass eine Igelmutter zwischen Juni und August Junge warf. «Seit einigen Jahren kommt es auch vermehrt zu noch späteren Würfen», stellt Evelyne Noser fest. Die 62-jährige ehemalige Primarlehrerin widmet sich seit fast 40 Jahren gesundheitlich angeschlagenen und schwachen Igeln. In ihrer Auffangstation in Ebikon macht sie die Tiere wieder fit für die Wildnis.

«Wenn die Jungtiere erst im September oder gar noch später zur Welt kommen, haben sie einen schweren Stand, um unbeschadet zu überwintern.» Denn sie benötigen etwa sechs Wochen Zeit, um einen Entwicklungsstand zu erreichen, der ihnen ein selbständiges Leben ermöglicht. Bei den sinkenden Temperaturen nehmen folglich auch ihre Überlebenschancen in freier Natur ab. Hinzu komme: Die Mutter entledige sich ihrer Jungen bisweilen auch, wenn sie merkt, dass die Situation aussichtslos wird. «Wenn es kälter und die Nahrung knapp wird, wirft sie vielleicht ein schwaches Jungtier zum Nest hinaus», sagt Noser. In Stresssituationen verlasse die Igelin ihre Nachkömmlinge gar komplett.

Ist der Klimawandel schuld?

Doch weshalb gebären die Igelinnen ihren Nachwuchs offenbar zunehmend später? Forschungen zu diesem Thema gebe es noch kaum, sagt Simon Steinemann vom Igelzentrum in Zürich. Ob die Entwicklung mit dem Klimawandel zusammenhänge, sei schwer zu sagen. Sagen lässt sich jedoch, dass der Oktober dieses Jahres es den Tieren erlaubt habe, auch im Herbst noch Nahrung zu finden.

Dass die Igel, wie manche vermuten, ein zweites Mal werfen, hält Steinemann für eine «gewagte Theorie». «Eigentlich geht man von einem Wurf pro Jahr aus.» Denkbar sei, dass eine Igelmutter nochmals Junge gebärt, wenn sie jene aus ihrem ersten Wurf verloren hat. Dazu könne es kommen, wenn andere Tiere diese fressen oder das Nest menschliche Einwirkungen zerstört wird.

Eine andere Theorie besagt, dass weibliche Jungtiere, die bereits im Vorjahr spät geboren wurden, im darauffolgenden Jahr später gebärfähig sind und darum selbst wiederum erst in den Herbstmonaten werfen.

Doch spätere Würfe seien nicht das einzige Problem der stacheligen Wildtiere, sagt Noser. Auch der allgemeine Insektenrückgang, der auf den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft sowie zu häufig geschnittene Weideflächen zurückzuführen sei, würden für den Igel ein Problem darstellen, sagt Noser. Insekten stehen auf seiner Speisekarte nämlich weit oben.

Igel werden von Rasenmähern «zertrümmert»

Der zunehmende Mangel an Insekten dränge den Igel dazu, sich stattdessen vermehrt von Schnecken und Würmern zu ernähren. «Schnecken sind aber oft Zwischenwirte von Innenparasiten, die den Igel schwächen und ihn beim Gewichtzulegen hindern», erklärt Noser. Ein weiteres Problem für die Igel ortet die Ebikonerin in Mährobotern und Fadenmähern. Die Tiere würden davon immer wieder Schnittverletzungen tragen. Evelyne Noser wünscht sich daher von Gartenbesitzern etwas mehr «Mut zur Unordnung» .

Ein weiteres Problem für die Igel ortet die Ebikonerin in Mährobotern und Fadenmähern. Die Tiere würden davon immer wieder Schnittverletzungen tragen. Evelyne Noser wünscht sich daher von Gartenbesitzern etwas mehr «Mut zur Unordnung» .

Welche Ausmasse die Mähverletzungen annehmen können, bekommt Kleintierarzt Stefan Lüdi zu sehen. In seiner Praxis in Ebikon kümmert er sich um jene Igel, welche Evelyne Noser in ihrer Auffangstation nicht behandeln kann. «Einfache Frakturen können wir stabilisieren», sagt Lüdi. Häufig sei bei den Tieren aber auch «alles zertrümmert», oder es wurden ihnen ganze Gliedmassen abgetrennt. In den letzten zwei Jahren hätte solche Verletzungen zugenommen, hat Lüdi den Eindruck. Rund 70 Prozent der Igel, die ihn via Noser erreichen, muss er einschläfern, weil sich nichts mehr retten lässt.

Igel gefunden: So reagieren Sie richtig

Tipps von der Expertin

Evelyne Noser von der Igel-Auffangstation in Ebikon rät, insbesondere Igel, die sehr aktiv wirken, näher zu überprüfen. «Hyperaktive Igel sind meist von Innenparasiten befallen.» In diesem Fall sollte das Tier in eine Auffangstation gebracht werden. Wichtig seien das Verhalten und die Form des Igels. Bei Unsicherheit empfiehlt Noser, die Beobachtungen einer Fachperson mitzuteilen und die Tiere allenfalls zu wägen. «Im Raum Luzern sollten diesjährige Jungtiere ein Gewicht von 600 Gramm nicht unterschreiten.» In höheren Lagen, wo es zu mehr Frostnächten komme, seien hingegen 700 bis 800 Gramm gefordert. Ältere Igel müssten dementsprechend mehr wiegen.

Sollte sich ein Igel nicht mehr aus seiner Kugelform herausbewegen, könne dies ein Hinweis auf Verletzungen sein, sagt der Ebikoner Tierarzt Stefan Lüdi. Dann sei es sinnvoll, das Tier ins Igelzentrum zu bringen.

Wenn man derzeit noch Igel antreffe, sei es meist so, dass diese noch nicht ihr Idealgewicht für den Winterschlaf erreicht hätten, sagt Simon Steinemann vom Igelzentrum Zürich. Sie bleiben dann noch so lange wach, bis sie sich genug Fettreserven angefressen haben beziehungsweise noch Nahrung finden.

Wer einen kleineren Igel in seinem Hausumfeld finde, könne diesen auch selber füttern, bis er ein Gewicht von 500 bis 600 Gramm erreicht und damit genug wiegt für den Winterschlaf. Geeignet sei hierfür feuchtes Katzenfutter. Wichtig sei, das Füttern dann auch konsequent einzustellen, da manche Igel sonst nicht mit dem Winterschlaf beginnen würden.

Treffe man beim Spazieren auf einen Igel, solle man diesen hingegen besser dort lassen, wo man ihn angetroffen hat. «Igel sind ortstreue Tiere», so Steinemann. Würde man sie aus ihrer Umgebung entfernen, würde dies die Igel verwirren. (lur)

Hinweis: Die Igelauffangstation von Evelyne Noser finden Sie am Schachenweg 13 in Ebikon. Telefon: 041 420 52 67.

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