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Vier Recyclingstationen statt 55 Eimer – Stadt Luzern testet neues Abfallregime auf der Ufschötti

Anstelle der 55 Abfalleimer stehen auf der Ufschötti neu vier zentrale Recyclingstationen. Die Stadt Luzern will mit dem Pilotversuch die Entsorgung erleichtern und die Umwelt schonen.

Stefan Dähler
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Eine der vier gestern errichteten Recyclingstellen auf der Ufschötti.

Eine der vier gestern errichteten Recyclingstellen auf der Ufschötti. 

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 18. Mai 2020)

Wenn es warm wird, steigen auch die Abfallmengen im öffentlichen Raum. Ein Brennpunkt in Luzern ist diesbezüglich die Ufschötti am linken Seeufer. Täglich fallen dort in der warmen Jahreszeit eine bis drei Tonnen Abfall an, wie die Stadt Luzern mitteilt. Grosse Mengen landen ausserdem nicht in den Güselkübeln, sondern auf der Wiese. 

Nun führt die Stadt dort einen Pilotversuch mit einem neuen Entsorgungssystem durch. Am Montag wurden die insgesamt 55 Abfalleimer durch vier grosse Recyclingstationen ersetzt. Diese bestehen aus einfachen Kunststoffwänden, durch die man den Abfall in den jeweiligen Behälter befördern kann. So sieht es innerhalb der Stationen aus:

Bild: PD/Stadt Luzern (18. Mai 2020)

Das Ziel ist, dank der Abfalltrennung die Umwelt zu schonen, heisst es in der Mitteilung. Denn bisher wurde der gesamte Ufschötti-Abfall nicht getrennt, was nicht mehr zeitgemäss sei. Ausserdem können die Mitarbeiter des Strasseninspektorats die Anlagen leichter leeren, weil sie mit dem Sammeltraktor zugänglich sind. Bisher mussten die bis zu 50 Kilogramm schweren Kübel von Hand geleert werden.

Damit das System funktioniert, müssen die Leute aber mitmachen. Der städtische präventive Ordnungsdienst SIP werde die Ufschötti-Besucher mit Gesprächen und Flyern informieren, so die Stadt. Weiter gebe es kleine Plakate bei den Recyclingstellen.

Leute können zudem Kritik, Verbesserungsvorschläge und Lob per Whatsapp, MMS oder SMS an 079 886 18 66 senden.

Zusätzliche Standorte sind möglich

Der Pilotversuch kostet rund 50'000 Franken und dauert bis im Herbst. Nach der Auswertung entscheidet die Stadt über das weitere Vorgehen. Verläuft der Pilotversuch positiv, soll das Konzept ausgeweitet werden, etwa aufs Inseli oder die Lidowiese, wie Thomas Schmid, Leiter des Strasseninspektorats, sagt.

Funktioniert dieses nicht, wäre allenfalls ein anderer Versuch denkbar – beispielsweise Recyclingstationen an stark frequentierten Stellen der Innenstadt, wie sie Zürich bereits kennt. «Das müssten dann aber kleinere Stationen sein, vergleichbar mit jenen der SBB in den Bahnhöfen. Die Stationen auf der Ufschötti benötigen ziemlich viel Platz, den man in der Innenstadt nicht hat», sagt Schmid.

Durchzogene Bilanz in anderen Städten

Ob der Versuch auf der Ufschötti gelingt, ist ungewiss, wie Erfahrungen aus anderen Städten zeigen. In Lugano, Biel oder Basel wurden bereits ähnliche Pilotprojekte durchgeführt, die kaum Wirkung zeigten, wie der Luzerner Stadtrat in seiner ebenfalls am Montag veröffentlichten Stellungnahme zu einem SP-Postulat für eine bessere Abfalltrennung schreibt. 

Mehr Erfolg hatten Aarau oder Bern. In den Stadtberner Badis, die wie die Ufschötti gratis zugänglich sind, betrage die Separierungsquote erfreuliche 95 Prozent. Allerdings sind diese Anlagen, dies im Gegensatz zur Ufschötti, über Nacht geschlossen. In Aarau habe sich gezeigt, dass die herkömmlichen Güselkübel entfernt werden müssen, damit der Abfall getrennt wird. Doch besteht nicht das Risiko, dass noch mehr Abfall auf der Wiese liegenbleibt, wenn die Leute etwas weitere Wege gehen müssen? Thomas Schmid sagt dazu:

«Ja, dieses Risiko besteht. Wir müssen daher die Entwicklung während der Testphase sehr genau beobachten.»

Denkbare Massnahmen wären eine intensivere Kommunikation oder eine Anpassung des Konzepts. «Doch es gilt nun zuerst, Erfahrungen zu sammeln.»

Bild: Nadia Schärli (Luzern, 18. Mai 2020)

Härtetest am Standort Ufschötti 

Für den Standort Ufschötti haben man sich entschieden, weil es sich einerseits um einen stark frequentierten Ort handelt, der andererseits begrenzt ist und wenig Zugänge aufweist. Wer die Ufschötti verlässt, kommt also stets an einer Recyclingstation vorbei – anders als etwa am Quai, der sehr viele Zugänge aufweist. «Ausserdem handelt es sich um einen Brennpunkt, was die Abfallmengen angeht», sagt Schmid:

«Wenn es hier funktioniert, dann klappt es auch an anderen Orten.»

Doch ist auf der Ufschötti nicht auch die Gefahr eines Misserfolgs grösser? Man werde den Versuch differenziert beobachten, sagt Schmid. «In der Auswertung geht es nicht nur darum, ob mehr oder weniger Abfall auf der Wiese liegenbleibt.» Man schaue auch, wie hoch der Fremdstoffanteil bei den Recyclingstationen ist – also beispielsweise, wie viel anderer Güsel in der Gläsersammlung landet. «Der Zielwert liegt bei rund 10 Prozent.» Ansonsten werde der Aufwand zu gross, denn Fremdstoffe müssen von Hand aussortiert werden.

Generell soll der Arbeitsaufwand für das Strasseninspektorat nicht steigen. Schmid geht davon aus, dass dieser etwa gleich bleibt. Die Leerung der vier zentralen Stationen ist wie erwähnt einfacher. «Dafür können wir nicht den ganzen Güsel in die Kehrichtverbrennungsanlage Renergia nach Perlen bringen, sondern müssen das Material in die richtigen Verwertungskanäle weiterleiten.»

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