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VIERWALDSTÄTTERSEE: Chinesische Matrosen stechen in See – und reden Deutsch

Zwei Matrosen aus China stehen jetzt bei der Schifffahrtsgesellschaft im Einsatz – zur Freude ihrer Landsleute.
Yasmin Kunz und Roger Rüegger
Jin Zhiwen verabschiedet Fahrgäste der Panoramajacht «Saphir» gestern Nachmittag beim Landungssteg am Luzerner Schweizerhofquai.

Jin Zhiwen verabschiedet Fahrgäste der Panoramajacht «Saphir» gestern Nachmittag beim Landungssteg am Luzerner Schweizerhofquai.

Die Panoramajacht «Saphir» legt am frühen gestrigen Nachmittag beim Landungssteg am Schweizerhofquai in Luzern an. Zhang Xingyong (23), einer der beiden chinesischen Matrosen, wirft das Seil aus und macht die Jacht am Steg fest. Dann zieht er mit seinem Kollegen Jin Zhiwen (26) die Landungsbrücke heran. Die Matrosen verabschieden die Gäste – viele sind Asiaten – und stehen auch für ein Gruppenbild oder Selfie zur Verfügung.

Nach kurzem Aufenthalt geht die Fahrt zur einstündigen Tour wieder los. Zhang ruft einer Gruppe Chinesen in ihrer Landessprache zu, dass sie sich beeilen sollen. Stets haben er und Jin, der sich als «Seven» vorstellte (das sei einfacher auszusprechen), ein Lächeln parat.

70 000 chinesische Gäste

Die beiden Männer werden seit 4. April ausgebildet. Grund für ihre Anstellung: Von den 125 000 Passagieren, die letztes Jahr auf der «Saphir» befördert wurden, waren 70 000 Personen aus China. Da diese Gäste kein Deutsch verstehen und oft kaum Englisch sprechen, entschied die Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) Ende 2015, zwei Matrosen mit chinesischer Herkunft zu rekrutieren.

Gemäss Martin Wicki, Leiter Schifffahrt SGV, sind innert weniger Wochen 29 Bewerbungen eingegangen. Zwölf davon kamen in die engere Auswahl. Die meisten Bewerber seien wegen mangelnder Deutschkenntnisse gescheitert. Obwohl die Matrosen vorwiegend für die Betreuung von chinesischen Gästen zuständig sind, müssen sie Deutsch beherrschen, um auch Einheimische zu verstehen. Und vor allem, um sich mit ihren Schweizer Arbeitskollegen bei sicherheitsdienstlichen Arbeiten verständigen zu können. Xingyong und Zhiwen haben in der Schweiz als Studenten Deutsch gelernt.

Einige weitere Interessenten seien gescheitert, «weil sie nicht wie Chinesen aussehen», räumt Wicki ein. «Wir wollen, dass die Gäste auf den ersten Blick sehen, dass die zwei Matrosen aus China stammen.»

Seit zwei Jahren in der Schweiz

Bisher arbeiteten auf der «Saphir» ein Schiffsführer und ein Kassier. Bei der gestrigen Fahrt waren die beiden Schiffsführer Patrik Niederberger und Marc Derendinger sowie die chinesischen Matrosen im Einsatz. Sehr zur Freude der Fahrgäste. Denn auch an Bord waren die Matrosen bei ihren Landsleuten begehrt. «Wir müssen ihnen die Kopfhörer erklären, oder aber sie erzählen uns von ihrer Europareise», erzählt Zhang auf Deutsch.

Die beiden leben seit rund zwei Jahren in der Schweiz. «Ich war verblüfft über deren Deutschkenntnisse», sagt Wicki, der sie in den Bewerbungsgesprächen kennen gelernt hat. Beide hatten schon diverse Arbeitsstellen in der Schweiz. Zhang absolviert zudem ein Wirtschaftsstudium in St. Gallen. Er wohnt mit seiner Schweizer Freundin in Alpnach. Kennen gelernt haben sich die beiden in Australien. Sie ist der Grund, weshalb er in der Schweiz wohnt.

Die zwei Chinesen befinden sich noch in der praktischen Ausbildung. Das theoretische Wissen haben sie sich bereits angeeignet. «Sie kennen die SGV und ihre Angebote, haben nautische Grundkenntnisse und können auch bereits Tickets kontrollieren», sagt Martin Wicki. Im Praxiskurs, der drei Wochen dauert, lernen sie die Geografie rund um den See kennen und vertiefen ihr Grundwissen. Nach vier Wochen auf dem Schiff legen sie die erste Prüfung ab. Bestehen sie, dürfen sie sich Leichtmatrose nennen. Nach weiteren drei Monaten werden sie vollwertige Matrosen.

Hemmschwelle tiefer

Sie stehen in einem unbefristeten Arbeitsverhältnis, da die «Saphir» neu auch im Winter fährt. Wie lange sie bleiben, ist offen. Wicki: «Wenn es ihnen gefällt, dürfen sie weitere Ausbildungen besuchen.» Für Jin Zhiwen (26) eine Option: «Ich kann mir vorstellen, länger bei der SGV zu bleiben und später Schiffsführer zu werden», sagt der Mann, der im aargauischen Bremgarten wohnt.Von den aus China stammenden Touristen ist laut Wicki keine offizielle Rückmeldung eingegangen. Schiffsführer Niederberger, der an der Front steht, sieht jedoch, dass die asiatischen Gäste bestens aufgehoben sind. «Man merkt, dass ihre Hemmschwelle tiefer ist, sich bei Fragen an die Matrosen zu wenden.» Die einstündige Rundfahrt mit der «Saphir» ist ein Touristenmagnet für Chinesen. Wicki dazu: «Wir wollen damit einen Beitrag zur guten Qualität des Luzerner Tourismus leisten.»

Yasmin Kunz und Roger Rüegger

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