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Ein Leben für das Dampfschiff: Für die «Stadt Luzern» setzt er alle Hebel in Bewegung

Ende Saison geht das Dampfschiff «Stadt Luzern» in Revision – und bald darauf Chefmaschinist Heimo Haas in Pension. Noch braucht es aber sein Wissen, um den Dampfer in Fahrt zu bringen.
Raphael Zemp
Heimo Haas arbeitet schon seit über 40 Jahren als Maschinist für die SGV. Im Mai geht er in Pension. (Bild: Pius Amrein, Luzern 5. Oktober 2018)

Heimo Haas arbeitet schon seit über 40 Jahren als Maschinist für die SGV. Im Mai geht er in Pension. (Bild: Pius Amrein, Luzern 5. Oktober 2018)

Es pfeift und dampft, die abgetretenen Holzdielen vibrieren und Flammen züngeln aus den Heizkesselluken. Die ersten kamerabehangenen Touristen und Wandervögel in Multifunktionskleidern werden die Säle und Aussendecks der «Stadt Luzern» in einer guten Stunde erstürmen. Doch schon jetzt stöhnt und ächzt der grösste der fünf Vierwaldstättersee-Dampfer.

«Alle Maschinen müssen aufgewärmt und sämtliche Instrumente kontrolliert werden», erklärt Heimo Haas, Chef-Maschinist der Schifffahrtsgesellschaft Vierwaldstättersee (SGV), «das dauert seine Zeit.» Schlaksig, markanter Schnauzer und volle Tolle: Ein ganzes Berufsleben schon hat der 64-jährige Stadtluzerner in und auf den Vierwaldstättersee-Dampfern zugebracht. Wenn am 21. Oktober sich die «Stadt Luzern» zum letzten Mal übers Wasser schaufelt, bevor sie ausgewassert und während der nächsten knapp drei Jahre revidiert wird, dann dauert es noch wenige Monate, bis auch Haas im Mai seinen Dienst quittiert, in den wohlverdienten Ruhestand tritt.

Haas gefällt es, wenn «es lebt»

Und trotzdem wirkt Haas nun ein wenig verloren hier, im Maschinenraum des Flaggschiffdampfers. In seinem Reich, neun steile Eisentritte tief im Schiffsbauch, zwischen Leitungen und Rohren, die sich an Wänden und der Decke entlangschlängeln.

Chefmaschinist Heimo Haas im Maschinenraum der Stadt Luzern. (Bilder. Pius Amrein, Luzern 5. Oktober 2018)
Blick in den Raum mit dem Stromgenerator.
Chefmaschinist Heimo Haas im Kesselraum.
Die vom Deck aus sichtbare Kurbelwelle.
Ein «Handy» von anno dazumal: Mit diesen Messingleitungen können Maschinist und Kapitän miteinander kommunizieren.
Das Dampfschiff Stadt Luzern wurde 1928 erbaut und ist 63,5 Meter lang.
Das Dampfschiff «Stadt Luzern» auf Abschiedstournee. (Leserbild: Xaver Husmann (16. September 2018)
14 Bilder

So sieht die «Stadt Luzern» im Innern aus

Mit jeder Frage aber weicht die Zurückhaltung und die braunen Augen beginnen zu glühen hinter der ausladenden Brille, vor Begeisterung. Denn Heimo Haas und die «Stadt Luzern», ja Dampfmaschinen überhaupt, das ist eine innige Leidenschaft, die ihn sogar dazu veranlasst, extra für dieses Zeitungstreffen einen Ferientag zu opfern.

Eine Liebesbeziehung, die schon sehr lange andauert – und früh begonnen hat. So früh, dass sich Haas nicht einmal selber daran erinnern kann. Schon als Kind habe es ihn immer zum Bahnhof hingezogen, habe man ihm gesagt. Dort, wo es dampft und lärmt, wo «es lebt», dort gefällt es dem Dreikäsehoch-Haas.

Seit 1976 bei der SGV

Und dorthin zieht es ihn auch als Jugendlichen. Obschon sein Vater ihn lieber als Architekten gesehen hätte, beginnt Haas 1972 seine Lehre als Mechaniker bei der SGV («Dampfeisenbahnen waren zu diesem Zeitpunkt bereits keine mehr im Einsatz»).

Vier Jahre später stösst er zum Maschinisten-Team der Dampferflotte, bleibt diesem bis heute treu. Ein Entscheid, den er nie bereut hat. Die stählernen Dampferherzen, die rattern und keuchen, sie faszinieren Haas noch immer. Als ihr Dompteur hat er einige Abenteuer miterlebt, ist im dichten Nebel nur haarscharf an Felswänden vorbeigeschrammt. Oder ist im Rumpf der voll beladenen «Stadt Luzern» auch schon auf Ufer abgetrieben, sodass ein hemdsärmeliger Nauen den Salondampfer aus dem Schlamassel ziehen musste. Haas hat auch hautnah miterlebt, wie sich in den über vier Jahrzehnten so einiges verändert hat.

Denn längst vorbei sind die Zeiten, als WCs direkt in den See mündeten, es ausser Kompass und Uhr keine technischen Hilfsmittel gab, als die Dampfkessel mit Schweröl befeuert wurden und die Büez im Schiffsrumpf noch wortwörtlich eine «Drecksarbeit» war. Heute riecht es wohl noch ein wenig nach Öl, die blau-weiss-gestreiften «Arbeits-Gwändli» bleiben meist aber sauber. Heute spitzt kein Arbeiter mehr während über einen Monat Kalk aus dem Dampfkessel. Dies, weil statt See- vorbehandeltes Wasser verwendet wird. Heute ist viel modernisiert und oft genug automatisiert.

Das Dampfschiff «Stadt Luzern» auf Abschiedsparade. Leserbild: Xaver Husmann (16. September 2018))

Das Dampfschiff «Stadt Luzern» auf Abschiedsparade. Leserbild: Xaver Husmann (16. September 2018))

Nur noch 15 Maschinisten am Werk

Das hat nicht nur die Maschinisten-Belegschaft um die Hälfte schrumpfen lassen, auf nunmehr 15 Leute, sondern auch weitere offenkundige Veränderungen mit sich gezogen. Etwa im Fahrerstand. Dort fransen nicht nur drei Messingleitungen zu Trompetenbechern aus und fungieren so als «Handy erster Generation», über das Haas Kommandos der Kapitäne entgegennimmt; von «volle Kraft voraus» bis «volle Kraft zurück». Dort steht auch ein modernes GPS, das den Standort in Echtzeit wiedergibt, sowie eine digitale Maschinen-Drehzahlanzeige. Allenthalben trifft Alt auf Neu, ganz nach dem Gusto Haas’, der findet: «Wo immer sinnvoll, soll die alte Technik ergänzt werden. Damit sie weiterhin genutzt werden kann – und nicht in Museen landet.»

Oder als Restaurant enden, wie der Raddampfer «Tell», der 1971 ausgemustert wurde und heute vor dem Schweizerhofquai ankert. Dieser Vorfall war nicht nur Initialzündung für den Zusammenschluss der Dampferfreunde, die sich seither für den Erhalt und Betrieb der übrigen Vierwaldstättersee-Dampfer starkmachen. Er hat generell die Faszination für die alte Dampftechnik wiederaufleben lassen, die seither angehalten habe.

Faszination Dampf fesselt bis heute

Auch heute beugen sich Dampferfreunde und Pauschaltouristen gleichermassen über die Geländer, um ins vermeintliche Herz der «Stadt Luzern» zu schauen. Wo sich unter der blank polierten Plexiglaskuppel eine mannshohe Kurbelwelle unablässig windet und benzinfassgrosse Kolben auf und ab tanzen lässt. Wo die 1928 gefertigte, auf 1300 gedrosselte Sulzer Drillings-Gleichstrom-Dampfmaschine Kräfte freisetzt, die selbst den massiven Eisen-Maschinenstuhl langsam aufreissen lassen. Auch das ist ein Grund, warum die «Stadt Luzern» für fast 13 Millionen instand gesetzt wird – als letzter der fünf SGV-Dampfer.

Wie die jüngste und zugleich grösste Schiffs-Dame auf Vordermann gebracht wird, das wird sich Haas auch nach seiner Pensionierung nicht entgehen lassen – und immer mal wieder in der Werft vorbeischauen, wo man sein riesiges Fachwissen schätzen wird. Die Passion Dampf wird Haas künftig aber auch vermehrt im Ausland ausleben, um auf «Eric Nordewall II», dem einzigen Raddampfer Schwedens, den Götakanal zu durchqueren. Oder mit der «Waverley» in den schottischen Hebriden herumzutuckern. Daneben gibt es auch noch Pferde, um die sich Haas mit seiner Partnerin kümmert. Den Dampfmaschinen seien sie gar nicht so unähnlich. Auch sie müssten gehegt und gepflegt werden, weiss Haas. «Befehle aber setzten sie weniger gut um als eine ‹Stadt Luzern›.»

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