VIERWALDSTÄTTERSEE: Forscher warnen vor schmutzigem See

Weil das Wasser so sauber ist, gibt es immer weniger Fische. Für die Berufsfischer könnte der See deshalb ruhig etwas mehr Phosphor ertragen. Laut Forschern hätte das aber schwerwiegende Folgen.

Christian Hodel
Drucken
Teilen
Ein Fischer frühmorgens in der Luzerner Seebucht. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Ein Fischer frühmorgens in der Luzerner Seebucht. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Die Fangerträge der Fischer nehmen drastisch ab. Der Grund: Es gibt zu wenig Nährstoffe, der See ist zu sauber. Geht es nach einigen Fischern – etwa dem Biologen Roman Ensmenger – soll der See darum wieder schmutziger werden. Ensmenger schlägt als mögliche Massnahme vor, die Phosphat-Filterung in den Kläranlagen zu reduzieren. Damit würde mehr Phosphor in den See gelangen, das zu Planktonbildung beiträgt, welches wiederum den Fischen als Futter dient.

Auch Martin Zimmermann (65), seit 38 Jahren Berufsfischer in Vitznau, sagt: «Damals war der Fischbestand noch deutlich höher. Der Fischbestand kann sich nur erholen, wenn in einem kontrolliertem Mass Phosphat in den See abgegeben wird.»

«Artenvielfalt ist sehr hoch»

Forscher der Eawag – das Wasserforschungs-Institut der ETH mit einem Kompetenzzentrum für Ökologie, Evolution und Biogeochemie mit Sitz in Kastanienbaum – lehnen die Forderung nach mehr Phosphor im Vierwaldstättersee entschieden ab. «Dank des sauberen Trinkwasser ist die Fischarten- und Wasserartenvielfalt im Vierwaldstättersee sehr hoch», sagt Bernhard Wehrli, einer der Eawag-Forscher. Die Interessen der Fischer seien schliesslich nur ein Aspekt. «Der Tourismus zum Beispiel und die Trinkwasserversorgungen freuen sich über einen klaren und sauberen See.» Kommt hinzu: Laut Eawag ist der Vierwaldstättersee auch heute noch weit von einem «ursprünglichen» Zustand entfernt. Auch die aktuelle Phosphorkonzentration sei noch zu 50 Prozent menschgemacht.