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VIERWALDSTÄTTERSEE: MS «Rigi» und sein Schiffsführer legen zum letzten Mal ab

Morgen hat das Motorschiff «Rigi» nach über 60 Jahren ausgedient. Gleichzeitig geht auch Schiffsführer Kurt Hunziker (62) in Pension. Er blickt zurück auf heftige Stürme, Tiertransporte – und Fahrgast Christoph Blocher.
Niels Jost
Schiffsführer Kurt Hunziker gibt das Steuer aus der Hand. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 22. Dezember 2016))

Schiffsführer Kurt Hunziker gibt das Steuer aus der Hand. (Bild: Manuela Jans-Koch (Luzern, 22. Dezember 2016))

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Die Uniform sitzt, der Motor surrt. Kurt Hunziker betätigt routiniert die Schalter im Steuerhaus des Motorschiffs MS «Rigi». Das Horn ertönt. Dann zieht Hunziker einen der beiden Steuerhebel mit viel Gefühl nach unten, das Schiff reagiert sofort. «Die ‹Rigi› folgt gut, sie ist ihrer Spur sehr treu», sagt der Schiffsführer und konzentriert sich weiter aufs Rückwärtsfahren aus dem Hafen in Luzern. Schaut man dem Stadt-Luzerner bei der Arbeit zu, merkt man sofort: Er ist nicht nur mit Erfahrung, sondern auch mit viel Herzblut am Werk. Hunziker ist in seinem Element. Die Schifffahrt – seine Leidenschaft.

Hunzikers Augen glänzen, als er uns über «sein» Schiff erzählt. 20 Jahre fährt er die «Rigi» nun schon sicher von Flüelen nach Luzern und retour, seit 42 Jahren ist er bei der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) angestellt. Mit entsprechend viel Wehmut blickt er deshalb dem morgigen Silvester entgegen. Dann nämlich fährt seine «Rigi» zum letzten Mal nach Kurs – genauso wie er selber. Der 62-Jährige geht dann bereits in Pension. Zufall? «Nicht ganz», gesteht Hunziker. «Ich habe den Zeitpunkt schon etwas gelenkt.»

Schon vor Jahren hat die SGV bekannt gegeben, dass die Tage des MS «Rigi» gezählt sind. Das Schiff ist nun seit 61 Jahren im Dienst, 2,4 Millionen Kilometer hat es seither zurückgelegt – damit hätte es rund 60-mal um die Erde fahren können. Kurz: Es ist in die Jahre gekommen und wird rückgebaut (siehe Kasten). Ab Mai 2017 wird die «Rigi» durch das neue luxuriöse Flagschiff der SGV abgelöst, dessen Namen noch nicht bekannt ist. Zur Namensfindung gab es bekanntlich einen Wettbewerb. Aquamarin, Aquarius, Diamant, Lake Lucerne oder Orion sind die verbliebenen Kandidaten. «Es ist sehr schade, dass der Name ‹Rigi› vom Vierwaldstättersee verschwindet, genauso wie bereits ‹Pilatus›», bedauert Kurt Hunziker. Entsprechend geniesst er die letzten Tage auf dem Schiff, das einen ganz besonderen Charme versprühe – auch wenn die technische und räumliche Ausstattung nicht mehr die modernste ist. Oder eben gerade deshalb: «Ich bin froh, muss ich nicht mit der ganzen Elektronik und dem Luxus des neuen Schiffs zurechtkommen», sagt der gelernte SBB-Betriebsdisponent.

Ein nettes «Grüezi» von Blocher

Charme habe das MS »Rigi» auch deshalb, weil es ein Allrounder sei. So tauge es für jedes Wetter und habe immer wieder dickstem Nebel oder dem heftigen Föhnsturm im Urnersee getrotzt. Einige Male konnten Hunziker und seine eingespielte Mannschaft – dazu gehören der Beimann und der Kassier – ihren Kurs nicht zu Ende fahren und mussten in einem sicheren Hafen vor dem Sturm Zuflucht suchen. Angst hatte der Schiffsführer dabei nie, sagt er, Respekt vor den Naturgewalten schon.

Ausserdem bietet die «Rigi» laut Kurt Hunziker nicht nur Platz für bis zu 600 Passagiere, sondern diene auch als Schulungsschiff und sogar als Tiertransporter. «Kürzlich ist eine Wandergruppe mit Straussen bei uns eingestiegen», erinnert sich Hunziker und lacht: «Lieber manövriere ich ein 153 Tonnen schweres Schiff, als auf einem solchen Tier zu reiten.»

In all den Jahren war dies nicht die einzige Begegnung, die dem Schiffsführer in Erinnerung geblieben ist. So denkt Kurt Hunziker gerne an die Aufführung des Wilhelm-Tell-Theaters auf dem Rütli im Jahre 2004 zurück. Die «Rigi» diente damals als Pendelschiff nach Brunnen. An Bord befanden sich viele Politiker, darunter der damalige Bundesrat Christoph Blocher. «Er sagte nett ‹Grüezi›, obwohl er mein Abzeichen der Gewerkschaft an meiner Uniform erkannt hatte.» Stolz zeigt Hunziker auf den Pin unter seinem Kragen. Seit 20 Jahren ist er nicht nur Schiffsführer des MS «Rigi», sondern auch Präsident der SGV-Gewerkschaft. In dieser Funktion musste er den einen oder anderen Kollegen darauf hinweisen, die Arbeitszeiten einzuhalten, auch wenn das nicht immer einfach sei. Die Mannschaft arbeite vor allem im Sommer auf Hochtouren, natürlich auch an Wochenenden und Feiertagen. «Wenns dann mal regnet, kommt uns das gelegen. Dann geht es etwas ruhiger zu und her», sagt er.

Der baldige Pensionär freut sich darauf, künftig mehr Zeit in die «Dampferzeitung» investieren und auch einmal im Sommer in die Ferien fahren zu können. «Nach Skandinavien solls gehen, dort gibt es wunderschöne Seen – mit Dampfschiffen.» Vermissen wird er vor allem die Begegnungen mit den Kunden und Stammgästen. Wobei: Auch künftig wird man Kurt Hunziker auf dem See antreffen – ohne die Uniform, aber mit derselben Begeisterung für die Schifffahrt.

Hinweis

Morgen ist die MS «Rigi» letztmals als Kursschiff unterwegs: Luzern ab 11.12 Uhr und 13.12 Uhr.

Der Rückbau kostet rund 17 0000 Franken

Drei Umbauten hat das MS «Rigi» schon hinter sich, nun hat es ausgedient. Das Schiff aus dem Jahre 1955 wird voraussichtlich im Frühling 2017 rückgebaut. Wo genau, ist derzeit unklar, die Offertenanfragen seien noch offen, sagt Martin Wicki, Leiter Schifffahrt der SGV. Fällig wird der Rückbau, weil das Schiff über keine Gastronomieinfrastruktur verfüge; die Salons seien zu klein, die Isolation für den Winter zu schlecht. «Die Kosten für eine kundengerechte Sanierung wären in keinem Verhältnis zum Mehrnutzen», sagt Wicki.

Der Rückbau kostet schätzungsweise 170 000 Franken. Dass die «Rigi» nicht mehr im Einsatz steht, bedauern Fans der Schifffahrt. Auch deshalb, weil das Dampfschiff «Stadt Luzern» ab Ende 2018 für zweieinhalb Jahre in Generalrevision geht. Zudem wird mit der Eröffnung des Bürgenstock-Resorts im Herbst 2017 ein neues Pendelschiff benötigt. Für diesen Service kommt die «Rigi» laut Wicki aber nicht in Frage: «Sie ist wegen der zu geringen Geschwindigkeit für den Ein-Stunden-Takt völlig ungeeignet.»

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