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VIERWALDSTÄTTERSEE: SGV-Direktor Stefan Schulthess über den Unfall des Motorschiffs Diamant

Das neue Motorschiff Diamant, das Donnerstagnacht in Kehrsiten-Bürgenstock auf Grund gelaufen ist, wird jetzt in der Werft in Luzern repariert. Die Unfallursache ist nach wie vor unbekannt.
Das MS Diamant wurde für Reparaturarbeiten nach Luzern in die Werft gebracht. (Bild: Corinne Glanzmann/LZ (Luzern, 8. Dezember 2017))

Das MS Diamant wurde für Reparaturarbeiten nach Luzern in die Werft gebracht. (Bild: Corinne Glanzmann/LZ (Luzern, 8. Dezember 2017))

Flurina Valsecchi

flurina.valsecchi@luzernerzeitung.ch

Gestern Nachmittag auf der Werft in Luzern: «Das ist keine Bagatelle», sagt Stefan Schulthess gegenüber unserer Zeitung. Der Direktor der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees AG (SGV) steht auf dem Fussgängersteg bei der Werft und blickt zum Motorschiff Diamant hinüber. Feuerwehrleute – viele von ihnen waren die ganze Nacht im Einsatz – räumen Schläuche und Pumpen weg. Mitarbeiter der SGV leiten das Schiff ins Schwimmdock.

Kurz nach Mittag ist das neuste Motorschiff der SGV, die «Diamant», in Luzern eingetroffen. «Der Motor und die Steuerung waren zu keinem Zeitpunkt vom Unfall betroffen und haben immer einwandfrei funktioniert», sagt Schulthess. So konnte das Schiff ohne Hilfe «sehr langsam und vorsichtig» von Kehrsiten-Bürgenstock nach Luzern fahren. Begleitet wurde das MS Diamant vom Schiff Winkelried, auch mehrere Polizeiboote gehörten zur Eskorte.

163 Gäste auf dem Schiff – keine Verletzten

Der Unfall ereignete sich am Donnerstag gegen 21 Uhr. Das MS Diamant, dessen Bau 15,5 Millionen Franken gekostet hat, war für eine dreistündige Extrafahrt von einer privaten Gesellschaft gebucht, Abfahrt und Zielort war Kehrsiten-Bürgenstock. Auf der Rückfahrt rund 370 Meter östlich, noch vor der Anlegestelle, ist das Schiff auf Grund gelaufen. Das 400 Tonnen schwere Schiff erreichte das Ziel noch und alle 163 Gäste stiegen auf normalem Weg und unverletzt aus. Die Gruppe fuhr dann plangemäss mit der Bürgenstockbahn wieder Richtung Hotelresort hoch.

Was genau passiert ist, das wird jetzt von der Nidwaldner Kantonspolizei, der Staatsanwaltschaft und der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle, kurz Sust, geprüft. Das Schiff war laut Schulthess auf einer selbstgewählten Route unterwegs und nicht auf dem normalen Kurs, welchen die Schiffe als Kursschiff üblicherweise nehmen. Schulthess betont auch, dass die Anlegestelle Kehrsiten-Bürgenstock nicht besonders schwierig anzusteuern ist.

Die SGV-Mitarbeiter wurden noch vor Ort betreut. «Niemand war verletzt, aber einige waren verständlicherweise sehr aufgewühlt», schildert Schulthess die Situation vor Ort. Der Notfallplan kam zum Einsatz, erste Besprechungen wurden abgehalten. Auch musste für Freitag ein Ersatzschiff aufgeboten werden, denn die «Diamant» wäre für gestern Nachmittag bereits wieder von einer Gesellschaft gebucht gewesen. Auch der fahrplanmässige Schiffsbetrieb musste sichergestellt werden, da das MS Diamant derzeit eigentlich auch als Kursschiff im Einsatz ist.

Zusätzliche Wasserpumpen im Einsatz

Das grösste Problem waren die grossen Massen an eintretendem Wasser. Während der ganzen Nacht wurde das Wasser aus dem Schiff gepumpt, dabei waren zusätzliche Pumpen der Feuerwehr im Einsatz. «Alleine hätten wir es nicht geschafft, es wäre zu viel Wasser ins Schiff eingetreten», so Schulthess. Das Schiff wäre gesunken. «Unsere Mitarbeiter und die Rettungskräfte arbeiteten die ganze Nacht und versuchten, die Lecks provisorisch abzudichten.» Das MS Diamant wurde backbordseitig beschädigt, es gab mehrere handgrosse Lecks sowie einen langen Riss. Diese Löcher wurden einerseits von innen und andererseits auch von aussen mit der Hilfe von Polizeitauchern geflickt. «Erst als das Schiff einigermassen dicht war, wagten wir die Fahrt nach Luzern.»

Das MS Diamant besteht aus 10 sogenannten Schotträumen. Diese Kammern sind dazu da, dass sich bei einem Vorfall nicht gleich das ganze Schiff mit Wasser füllt, so kann man den Schaden eingrenzen. Im aktuellen Fall waren drei dieser Schotträume betroffen, sie waren laut Schulthess brusthoch mit Wasser gefüllt. «Und das ist für das MS Diamant zu viel.» Jetzt wird das Schiff im Schwimmdock aus dem Wasser gehoben, sodass der Rumpf für Reparaturen frei zugänglich ist. Doch Schulthess erklärt: «Das Schlimmste ist nicht unbedingt der Schaden am Rumpf, sondern die vielen elektronischen Geräte etwa in der Küche, die zu lange im Wasser gestanden haben.» Betroffen seien unter anderem auch ein Lift, Teile der Heizung und Kühlräume.

Grosse Schadenssumme: SGV ist gut versichert

Wie schnell das MS Diamant wieder zum Einsatz kommt, kann Schulthess im Moment nicht abschätzen. Geduld ist gefragt. «Eine Schifffahrt zu Silvester ist sicher nicht realistisch.» Die Schadenssumme ist gross, kann noch nicht genau beziffert werden. Die SGV sei für solche Fälle aber gut versichert. Viel mehr bedauert Schulthess, dass man nun so vielen Gästen, welche die «Diamant» für einen Anlass gemietet haben, absagen muss. Die SGV werde ihnen eine Alternative anbieten. Auch als Kursschiff wird die «Diamant» so schnell nicht wieder im Einsatz sein.

Direktor Schulthess erlebte seit dem Vorfall am Donnerstagabend turbulente Stunden. Doch er sieht die Situation auch zuversichtlich: «Wir haben dieses Schiff selber gebaut, also werden wir es auch rasch wieder reparieren können. Und das Wichtigste ist: Es gab keine Verletzten.» Er wendet seinen Blick noch einmal dem MS Diamant zu und meint: «Wir hatten Glück im Unglück.»

«Erst als das Schiff einigermassen dicht war, haben wir die Fahrt nach Luzern gewagt.» Stefan Schulthess, Direktor der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees AG (SGV) vor dem Motorschiff MS Diamant in Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann / LZ (Luzern, 8. Dezember 2017))

«Erst als das Schiff einigermassen dicht war, haben wir die Fahrt nach Luzern gewagt.» Stefan Schulthess, Direktor der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees AG (SGV) vor dem Motorschiff MS Diamant in Luzern. (Bild: Corinne Glanzmann / LZ (Luzern, 8. Dezember 2017))

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