VIERWALDSTÄTTERSEE: Tsunami-Gefahr: Nidwalden handelt, Luzern nicht

Als erster Kanton der Schweiz prüft Nidwalden die Gefahr von Tsunamis. Diese bestehe durchaus, sagt ein Experte.

Raphael Gutzwiller
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Ein Tsunami in Luzern, dargestellt in einer Bildmontage. Die Kapellbrücke ist unter Wasser, heraus schaut nur noch der Wasserturm. (Bild: Bildmontage Schweizer Radio und Fernsehen)

Ein Tsunami in Luzern, dargestellt in einer Bildmontage. Die Kapellbrücke ist unter Wasser, heraus schaut nur noch der Wasserturm. (Bild: Bildmontage Schweizer Radio und Fernsehen)

Die Wahrscheinlichkeit eines Tsunamis – also einer Flutwelle – in der Alpenregion sei viel höher als bisher angenommen. Über 13 Millionen Menschen seien gefährdet. Dies hat am 3. September die britische Fachzeitschrift für Naturwissenschaft «Nature» berichtet. In dem Artikel schreibt die Autorin Laura Spinney weiter, dass Nidwalden als erster Kanton der Schweiz die Gefahr von Tsunamis prüfe. Diese Risikobewertung fliesse dann in die Notfallplanung des Kantons ein.

Dies bestätigt auf Anfrage unserer Zeitung Christoph Baumgartner, Direktor der Nidwaldner Sachversicherung, die das Projekt für die Erarbeitung der Notfallplanung «Erdbeben» des Kantons Nidwalden leitet.

Eigens für diese Arbeiten hat Baumgartner Flavio Anselmetti beigezogen. Dieser ist Professor für Quartärgeologie und Paläoklimatologie an der Universität Bern und befasst sich seit Jahren mit der Tsunami-Forschung. Anselmetti warnt: «Man sollte sich der Gefahr eines Tsunamis im Vierwaldstättersee durchaus bewusst sein.»

Dass es in der Zentralschweiz durchaus zu Tsunamis kommen kann, beweist ein Blick in die Geschichtsbücher. So ereigneten sich hier zwei grosse Tsunamis in den Jahren 1601 und 1687 (siehe Kasten).

Notfallplan frühestens Ende 2015

Als Basis für die Notfallplanung prüfe der Kanton Nidwalden neben wahrscheinlicheren Szenarien wie Steinschlag, Felssturz oder Rutschungen auch mögliche Tsunamis, erklärt Baumgartner. Eine akute Gefahr bestehe aber nicht. «Die Darstellung der Flutwelle ist lediglich Bestandteil einer umfassenden Auslegeordnung für die Notfallplanung.»

Das Projekt zur Erarbeitung der Notfallplanung ist im vergangenen Jahr gestartet worden. Neben der Erdbebengefährdung werde auch die kritische Infrastruktur ermittelt, führt Baumgartner aus. «Der neue Notfallplan tritt frühestens Ende 2015 in Kraft.»

Im Gegensatz zu Nidwalden berücksichtigt der Kanton Luzern die Gefahr eines See-Tsunamis nicht. Daher verzichtet er darauf, diese in einen Notfallplan oder eine Gefahrenkarte zu integrieren. Albin Schmidhauser, Abteilungsleiter Naturgefahren bei der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur des Kantons Luzern, erklärt: «In unsere Gefahrenkarten nehmen wir nur Ereignisse auf, die ungefähr bis alle 300 Jahre vorkommen. Tsunamis sind noch seltener.» Dazu käme, dass in einem Ernstfall keine Vorwarnzeit bestünde.

Auch der Kanton Nidwalden ist sich bewusst, dass ein Tsunami im Vierwaldstättersee in den nächsten Jahren eher unwahrscheinlich ist. In die Bauvorschriften fliessen die Ergebnisse der Risikoanalyse daher nicht ein, erklärt Baumgartner.