VITZNAU: 12-Meter-Plakat verärgert Dorf

Eine Luzerner Firma will mit einem unbewilligten, viel zu grossen Plakat ihre Luxuswohnungen verkaufen. Das will der Gemeinderat nicht akzeptieren.

Lukas Nussbaumer
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Dieses Plakat oberhalb des Restaurants Schiff in Vitznau ist laut dem Gemeinderat zu auffällig. (Bild Nadia Schärli)

Dieses Plakat oberhalb des Restaurants Schiff in Vitznau ist laut dem Gemeinderat zu auffällig. (Bild Nadia Schärli)

Am Hang hinter dem Hotel Schiff in Vitznau entstehen 25 exklusive Wohnungen. Die Lage mit der unverbaubaren Aussicht auf den Vierwaldstättersee und die Berge ist traumhaft. Entsprechend gross ist das Interesse an den zwischen 1,4 und 2,25 Millionen Franken teuren und bis zu 204 Quadratmeter Wohnfläche grossen Terrassen-Wohnungen, sagt Sandra Stalder, Sprecherin des Luzerner Architekturbüros Romano & Christen, das die Überbauung realisiert.

Dennoch bewirbt die Firma die Wohnungen auffallend aggressiv – und dies erst noch illegal. Das 12 Meter hohe, weit herum sichtbare Plakat entspricht den gesetzlichen Vorschriften nämlich nicht, sagt der Vitznauer Bauverwalter Alex Waldis. Romano & Christen habe das als temporäre Verkaufswerbung eingestufte Plakat angebracht, ohne vorher das dafür nötige Gesuch eingereicht zu haben.

Inzwischen wurde das nachträgliche Baubewilligungsverfahren zwar ordnungsgemäss durchgeführt. Doch das bekannte Architekturbüro hat vom Gemeinderat gleichzeitig eine Auflage erhalten: Das Plakat darf maximal 9 Meter hoch sein, also genau gleich hoch wie die Brüstungsmauer der Beton-Stützmauer, an der es nun so prominent platziert hängt.

Gemeinderat ist «befremdet»

Kommt die Bauherrin der Aufforderung, das Plakat zu verkleinern, innerhalb der gesetzten Frist von 14 Tagen nicht nach, muss es ganz entfernt werden, sagt Waldis. Der Gemeinderat habe Romano & Christen sein Befremden über die ohne Gesuch angebrachte Werbung denn auch schriftlich mitgeteilt. Waldis: «Einem derartigen Vorgehen müssen wir den Riegel schieben.» Auf das Riesenplakat aufmerksam wurden die Behörden, weil sich Dorfbewohner auf der Gemeindekanzlei gemeldet hatten.

Laut Waldis hat die Bauherrin gewusst, dass die Anbringung des Plakats bewilligungspflichtig ist. «Wir haben mit der Firma bereits zu einem anderen Werbevorhaben Gespräche geführt und auf unser Konzept, das die Aussenwerbung regelt, hingewiesen.» Exakte Vorschriften über die Grösse von Werbeplakaten regelt das Konzept allerdings nicht.

Bleibt das Plakat hängen?

Bei Romano & Christen sieht man die Angelegenheit mit der Bewilligung nicht so eng. Sprecherin Sandra Stalder sagt, Eigenwerbung sei «nicht bewilligungspflichtig». Ob das Architekturbüro das Plakat verkleinert oder ein anderes anbringt, werde «mit der Gemeinde besprochen». Das Plakat sei ausserdem gar nicht 12, sondern bloss 9 Meter hoch, sagt Stalder.

Die Überbauung am Hang oberhalb des Hotels Schiff, das wie das sich in der Nähe befindende Park Hotel dem österreichischen Multimillionär Peter Pühringer gehört, hat eine lange und bewegte Geschichte hinter sich. Der Gestaltungsplan wurde nämlich bereits 2006 genehmigt. Auf Befehl des Regierungsstatthalters musste der bereits getätigte Verkauf zwischen den Grundeigentümern und einer sich inzwischen in Liquidation befindlichen Firma jedoch rückgängig gemacht werden. Grund: Die ehemalige Käuferin erfüllte gesetzliche Vorgaben nicht. Romano & Christen realisiert nun ein modifiziertes Projekt.

Laut Sandra Stalder von Romano & Christen sind bereits 8 der 25 Wohnungen verkauft. Die ersten Terrassen-Häuser sollen im Sommer 2014 bezugsbereit sein.