VITZNAU: 4900 Franken für eine Nacht

Nach dreieinhalb Jahren öffnet das Park Hotel Vitznau wieder – diesmal im Ganzjahresbetrieb. Einblicke in ein Hotel, in dem Diskretion zuoberst steht.

Luzia Mattmann
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Ein Zimmer im renovierten Park Hotel Vitznau. (Bild: pd)

Ein Zimmer im renovierten Park Hotel Vitznau. (Bild: pd)

Schlossgleich thront das Park Hotel eingangs des Dorfes am See, auf dem höchsten Türmchen flattert eine Schweizer Fahne. Für 270 Millionen Franken hat der österreichische Multimillionär Peter Pühringer das Hotel renovieren lassen – und wohnt nun selbst darin. Am letzten Wochenende wurde es offiziell eröffnet. Hoteldirektor Urs Lange­negger gewährte unserer Zeitung erstmals einen exklusiven Einblick. Fotografiert werden durfte das Haus jedoch nur von aussen.

Am effektvollsten ist wohl der Eingangsbereich des zukünftigen 5-Sterne-Hotels (die Zertifizierung ist noch nicht erfolgt). Wenn der Besucher von der Hauptstrasse her durch den Eingang tritt, hat er nämlich das Gefühl, direkt in den See hineinzugehen: Die Rückwand des Hotels ist verglast und eröffnet einen Blick über den See direkt in die Innerschweizer Berglandschaft, umrahmt von Orchideen. «Die Landschaft ist mitunter das Kapital des Hotels», sagt Urs Langenegger, der seit einem Jahr im Amt ist und vorher während zwölf Jahren «The Hotel» in Luzern leitete.

Hotel wurde total ausgehöhlt

Der Eingangsbereich des Hotels ist versehen mit mächtigen Säulen, die mit Stuckaturen verziert sind, die schon im alten Hotel angebracht waren. «Das Hotel wurde zwar total ausgehöhlt, aber man hat Gipsabdrücke von den alten Stuckaturen genommen und diese eingearbeitet.» Die Gänge des Hotels sind breit und meist einem Thema wie dem Hotel selber oder dem Gotthard gewidmet. Auch die Liftschächte sind bemalt. Neues wie die Glaswand und Altes wie die Stuckaturen sollten zu einem Ganzen verwoben werden, erklärt Langenegger.

Dreieinhalb Jahre dauerte der Umbau des Hotels, das nun zum ersten Mal in seiner Geschichte als Ganzjahresbetrieb geführt wird. Um die Auslastung zu gewährleisten, hat Peter Pühringer, der das Hotel von der deutschen Oetker-Gruppe übernommen hat (siehe Kasten), eine Reha-Klinik mit zwölf Zimmern ins Gebäude eingebaut. Ausserdem sind acht Suiten für Reha-Patienten reserviert. Die Büros der Pühringer-Gruppe nehmen einen Teil des 5. und 6. Stocks ein.

Statt der ursprünglich 100 Zimmer bietet das Hotel nun 47 Suiten von 40 bis 160 Quadratmeter an, die je nach Grösse und Saison pro Nacht zwischen 700 und 4900 Franken kosten. Drei Suiten sind mit einer vollständig ausgerüsteten Küche versehen. Dort kocht nach Wunsch ein Koch des Hauses, der bis zu 16 Personen verköstigt.

Storen sind übers iPad steuerbar

«Jede Suite wurde individuell gestaltet und ist einem Thema gewidmet», sagt Urs Langenegger. So gibt es eine Suite für die Wiener Philharmoniker, auf deren Schlafzimmerwänden Partituren aufgemalt sind und im Wohnbereich Instrumente hängen. Eine Suite, die dem Wein gewidmet ist, ist mit einer Wand aus dem Holz und den Abzeichen von Weinkisten gestaltet. Licht und Storen sind übers iPad steuerbar. Dazu stehen in jedem Zimmer ein Soundsystem und Nespresso-Automaten. Das ganze Hotel wird über die Seetemperatur gewärmt und gekühlt – Ölheizung gibt es keine mehr.

Wer hier Ferien macht, kann sich seine ganze Anreise vom Hotel organisieren lassen und ist selbstredend für die ganze Aufenthaltsdauer umsorgt. Wie viel sich der durchschnittliche Gast seinen Aufenthalt kosten lässt, sagt Langenegger nicht: Das sei verschieden.

Klar ist: Nur schon im Weinkeller, in dem der Durchschnittspreis für eine Flasche über 750 Franken beträgt, lässt sich viel Geld ausgeben. Dazu kommen Beauty- und Wellness-Anwendungen, die ebenfalls extra verrechnet werden. Dafür sind die gut betuchten Gäste unter sich: In den 2500 Quadratmetern Wellnessbereich mit einem Salzwasseraquarium sind nur Hotelgäste zugelassen. Eine besondere Attraktion ist ein Infinity-Pool, also ein Becken, das direkt auf den See hinausgeht.

Das Park Hotel Vitznau ist der Diskretion verpflichtet. Das macht Hoteldirektor Urs Langenegger deutlich. Er möchte weder über gewesene noch gebuchte prominente Gäste sprechen. Am letzten Wochenende waren die 47 Suiten total belegt mit Privatgästen der Pühringer-Gruppe, von Urs Langenegger und Michael Horacek, Verwaltungsrats-Vizepräsident der Park-Hotel Vitznau AG. Derzeit beträgt die Auslastung rund 40 Prozent, in der Lobby sieht man kaum Leute. Generell rechne man mit rund 50 Prozent, sagt Langenegger. Die Hälfte der Gäste kommt aus Europa, die andere Hälfte aus Übersee, davon grösstenteils aus den USA.

Bereits seien diverse Hochzeiten und Seminare gebucht – wie viele, sagt der Hoteldirektor nicht. Derzeit sind 80 Angestellte beschäftigt, die zum grossen Teil in Vitznau und Umgebung wohnen. Allein die Personalhäuser der Pühringer-Gruppe in Vitznau und Weggis bieten Platz für 60 Personen. Im Vollbetrieb wird das Hotel rund 100 Angestellte beschäftigen, sagt Langenegger.

Menüs gibt es ab 150 Franken

Für Gäste, die sich keine Nacht in dem Luxushaus leisten können oder wollen, sind die beiden Restaurants Prisma und Focus mit Michelin-Sterne-Köchen offen. Ein Menü kostet ab 150 Franken. «Wir planen, in Zukunft auch Kochkurse mit den Sterneköchen durchzuführen», sagt Langenegger. Ausserdem möchte man Weinseminare durchführen, junge Kulturschaffende fördern und Anlässe zum Thema Kunst veranstalten. Wie die Anlässe genau konzipiert sind, sei noch nicht klar, sagt Langenegger.

Erklärtes Ziel des Hotels ist es, dass die Köche möglichst viele Produkte aus der Region beziehen. Über das Einkaufsvolumen könne er aber noch nichts sagen, so Langenegger. Dass sich im und ums Hotel vieles ums Geld dreht, zeigt die Skulptur am See, die einen Bullen und einen Bären zeigt: die Symbole für die steigende und sinkende Börse, die für Investor Pühringer schliesslich der Schlüssel war zum Reichtum und auch zum Erwerb des Park Hotels.

Gäste aus ganz Europa angelockt

Das Park Hotel Vitznau wurde nach den Plänen des Schweizer Architekten Karl Koller mit 110 Zimmern erbaut und 1903 eröffnet. Wie die Historikerin Barbara Hennig in ihrem Büchlein «Park Hotel Vitznau» schreibt, war das Park Hotel damals aufgrund seiner innovativen Konstruktion und seines luxuriösen Ausbaustandards eines der fortschrittlichsten Hotels in der Innerschweiz und ein Meilenstein für die Tourismusindustrie. Baumeister war der Hotelier Josef Anton Bon, der mit dem Haus Gäste aus ganz Europa anlockte.

Während des Zweiten Weltkrieges diente das Hotel sporadisch als Unterkunft für amerikanische Soldaten. 1968 übernahm Peter Bally das Haus, 1980 wurde es an August Oetker verkauft, der grosse bauliche Veränderungen in die Wege leitete. Die alte Dépendance wurde zu Gunsten eines Erweiterungsbaus abgebrochen, das Haupthaus wurde renoviert und ein neuer Gebäudetrakt sowie ein neues Personalhaus erstellt. Im Sommer 2009 verkaufte die Oetker-Gruppe das Hotel an die Pühringer-Gruppe.