Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

VITZNAU: Eine Bergsteigerin will hoch hinaus

Irene Keller (63) wird am Dienstag zur höchsten Luzernerin gewählt. Für die Bergsteigerin mit Wohnsitz auf 1100 Meter über Meer ist es die Krönung ihrer Karriere.
Luzia Mattmann
Die höchste Luzernerin Irene Keller pendelt mit der Seilbahn von der Arbeit nach Hause auf die Rigi. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Die höchste Luzernerin Irene Keller pendelt mit der Seilbahn von der Arbeit nach Hause auf die Rigi. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Bei Irene Keller (63) gibt es keine halben Sachen. Als wohl einzige Kantonsrätin in Luzern hat die Berufsschullehrerin, Hotelière und Gemeindeamtfrau schon alle 4000er-Gipfel der Schweiz bestiegen. Es sind 48. «Ich war schon immer recht unerschrocken», sagt die FDP-Politikerin, die seit sieben Jahren im Weiler Hinterbergen in Vitznau auf 1100 Meter über Meer wohnt. Ihre Mietwohnung erreicht man nur mit einer Seilbahn ab Vitznau oder auf einem gewundenen, acht Kilometer langen Strässchen von Gersau her.

Rigi als Kraftquelle

An den Wänden ihrer Wohnung hängen die Fotos einiger Berge, die sie bezwungen hat, inklusive Datum der Besteigung und Route. «Ich habe nur die schwierigeren hier aufgehängt», meint Keller schelmisch und schreitet zackig die steile Treppe hinauf in die Stube, wo sich eine Fensterfront mit wunderbarem Ausblick auf das Urner und Nidwaldner Alpenpanorama eröffnet. Die Rigi ist für Irene Keller eine Kraftquelle, mit der sie eine innige Beziehung verbindet: Schon von Kindesbeinen an verbrachte sie jeweils drei Monate auf Kaltbad, als das Hotel Vitznauerhof, das ihre Eltern führten, geschlossen war. Die Familie mit den vier Töchtern verbrachte jeweils die Winterpause am Rigihang. «Wir waren sechs Klassen in einem Zimmer – das war fantastisch», sagt die zweitälteste der Schwestern. Das Bergsteigen hat sie trotzdem erst mit 47 entdeckt. Seither mache sie nur noch Ferien in den Alpen.

«Als ich vom See hier heraufgezogen bin, meinten viele Leute: Jetzt spinnt sie», lacht Irene Keller. «Für mich ist es aber perfekt. Wenn es Schnee hat, schnalle ich die Ski an – und los gehts.» Unter der Woche geht es ins Tal an die Arbeit. Die gebürtige Vitznauerin arbeitet in einem 50-Prozent-Pensum als Gemeindeamtfrau. Mit der Gondelbahn fährt sie zu Tale, im Auto montiert sie die Lederschuhe, im Büro liegt eine frische Garnitur Geschäftskleidung bereit. Ihr Arbeitstag beginnt meist gegen sechs Uhr morgens in der Gemeindekanzlei. Dann herrscht noch Ruhe im Büro der Frau, die sich als sehr ungeduldig bezeichnet. «Mein Sohn sagt: Wenn zwei Autos vor dir stehen, hast du schon das Gefühl, du stehst im Stau», meint die unverheiratete Mutter eines erwachsenen Sohnes.

Eine, die auch aneckt

Dass die energische Anpackerin höchste Luzernerin wird, hat sie wohl selbst am meisten überrascht. Sitzt sie doch erst seit sechs Jahren im Kantonsrat. 65 der 120 Kantonsräte stimmten für sie – kein Glanzresultat, aber Keller rückt nun als Vizepräsidentin des Kantonsrates ins Präsidium nach. «CVP-Ratskollege Erwin Arnold sagte zu mir: Wer Ecken und Kanten hat, muss einstecken können», meint sie nüchtern. Wahrscheinlich habe sie den Linken mit ihrer rechten FDP-Linie nicht gepasst, anderen sei sie wohl durch Voten wie jenes zur Ablehnung des Budgets 2012 negativ aufgefallen. Wieder andere hätten lieber den seit 20 Jahren im Kantonsrat politisierenden FDP-Mann Walter Stucki an der Spitze des Rates gesehen als die ungestüme Frau aus der Seegemeinde. Die Wahl ins hohe Amt sei vielleicht eine späte Ernte: «Ich habe mich schon mit 20 in der Partei engagiert», sagt sie, die aus einer erzliberalen Familie stammt. Ihr Grossvater Robert Keller, der das Hotel Vitznauerhof gekauft hatte, war schon Grossrat und Gemeindeammann von Vitznau.

1981, als ihre Mutter überraschend starb, lag Irene Kellers Politkarriere allerdings zwischenzeitlich auf Eis. 30-jährig übernahm sie das Hotel Vitznauerhof der Eltern und stürzte sich in die Arbeit. Als alleinerziehende Mutter und Geschäftsfrau, die sich nicht scheute, die Meinung zu sagen, stiess sie nicht überall auf Wohlwollen. «Als in Vitznau der Treff junger Mütter gegründet wurde, war ich nicht eingeladen. Ich sei ja nicht verheiratet», erinnert sich Keller. Um versöhnlich anzufügen: «Ich hätte sowieso keine Zeit gehabt.» Zeit für ihren Sohn war ihr allerdings sehr wichtig – und dass sie ihre helle Freude an ihrer 2-jährigen Enkelin hat, davon zeugen die Spielsachen, die in der Wohnung fein säuberlich aufgeräumt stehen.

Dass sie keine Frau ist, die schwere Entscheide scheut, zeigte sich auch 1997, als sie 47-jährig das Hotel Vitznauerhof verkaufte. «Die Zinsen waren hoch, es lohnte sich einfach nicht mehr. Ich wollte nicht, dass die vierte Generation diese Bürde einmal übernehmen sollte», bilanziert sie, die schon als Schülerin und Studentin im Hotel gearbeitet hatte. Die Steuern türmten sich auf, und als der «Vitznauerhof» verkauft wurde, blieb nichts übrig. «Ich fing finanziell wieder bei null an. So ist es halt», meint Irene Keller, die wieder Berufsschullehrerin wurde, und die dann das Bergsteigen entdeckte.

Viele Ämter

Nebst ihrem Pensum als Gemeindeamtfrau und als Kantonsrätin sitzt die quirlige Frau heute in zahlreichen Vorständen, etwa beim Verband Luzerner Gemeinden, der Luzerner Pensionskasse, dem Abfallverband Real oder dem Verkehrsverbund Luzern. «Es gibt Leute, die finden, jetzt reiche es dann mit all meinen Ämtern», sagt Keller. Gesucht habe sie keines davon, angenommen schon: «Sie suchten Leute, die zupacken und womöglich auch Ideen umsetzen.» Nebst dem 50-Prozent-Pensum bei der Gemeinde sei sie zudem auf einen Zuverdienst angewiesen. Mit dem Kantonsratspräsidium will sie die meisten der Ämter aber abgeben.

Als Kantonsratspräsidentin hat sie vor allem zwei Ziele: den Graben zwischen Stadt und Land etwas kleiner zu machen und das Selbstverständnis Luzerns als Teil der Zentralschweiz zu stärken.

Als Sprungbrett für eine weitere Politkarriere sieht Irene Keller das Kantonsratspräsidium nicht. «Ich werde 2015 nochmals für den Kantonsrat antreten, aber dann ist Schluss.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.