VITZNAU: Villa schon wieder verkauft

Im Herbst verkaufte die Gewerkschaft Unia eine Villa mit Seeanstoss an einen Manager. Jetzt ist das Anwesen schon wieder in neuen Händen – zum Ärger der Unia.

Emanuel Thaler
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Die Villa Margaritha in Vitznau hat schon wieder den Besitzer gewechselt. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Die Villa Margaritha in Vitznau hat schon wieder den Besitzer gewechselt. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Die Villa Margaritha liegt an wunderschöner Seelage in Vitznau, verfügt über einen Privatstrand, ein Bootshaus und eine grosszügige Parkanlage. 71 Jahre lang gehörte das Anwesen der Gewerkschaft Unia und diente als Feriendomizil für Mitglieder. Weil diese zuletzt ­jedoch immer seltener am Vierwaldstättersee Erholung suchten, verkaufte die Unia die Liegenschaft samt 18 000 Quadratmetern Umschwung an den Manager Dany Bahar. Der Bündner lancierte seine Karriere 2003 beim Energydrink-Hersteller Red Bull als Assistent des Besitzers Dietrich Mateschitz. 2006 wechselte er für knapp zwei Jahre als Markenmanager zum italienischen Autohersteller Ferrari. Ab 2009 führte der gelernte Kaufmann knapp drei Jahre lang den britischen Sportwagenhersteller Lotus, bis er im Sommer 2012 entlassen worden ist – offiziell, weil er eine 480 000 Franken teure Hausrenovation aus der Firmenkasse bezahlt und für 1,5 Millionen Franken mit Privatjets und Helikoptern herumgeflogen sein soll. Bahar bestritt dies und pochte auf seinen bis 2016 laufenden, mit umgerechnet jährlich 1,8 Millionen Franken dotierten Vertrag.

Internetmillionär hat Villa gekauft

Der Vitznauer Villenkauf wurde per 28. November 2012 abgewickelt. Gemäss einem Insider floss ein zweistelliger Millionenbetrag. Zum Kaufpreis äusserte sich Unia nicht. Nun ist die Villa schon wieder in neuen Händen: Laut Grundbuch gehört die Liegenschaft Christian Alexander Schmid (32). Der in Küssnacht wohnhafte deutsche Internetmillionär hat das Anwesen erst kürzlich von Bahar gekauft – zur grossen Überraschung der Unia. Denn Unia-Mediensprecher Nico Lutz sagte kurz vor Weihnachten beim Verkauf an Bahar gegenüber unserer Zeitung noch: «Uns war es wichtig, das Gebäude an jemanden zu verkaufen, der hierhin ziehen will und bereit ist, ordentlich seine Steuern zu bezahlen – also nicht pauschal besteuert wird.» Doch Dany Bahar zog nie ein und hielt die Liegenschaft keine drei Monate. Bahar erschien der Gewerkschaft laut Hartmann als seriöser Geschäftspartner: «Sein Gesamtbild, das sich aus den Informationen des Maklers ergab, erschien uns damals glaubwürdig», sagt Unia-Mediensprecher Hans Hartmann heute. «Entsprechend sonderbar finden wir, dass er die Liegenschaft nun so schnell weiterveräussert hat.» Allerdings habe Bahar durch den Weiterverkauf keine Vertragspflicht verletzt und den Kaufpreis zuverlässig bezahlt. Die Gewerkschaft hat Bahar beim Vertragsabschluss vertraut und keine Vorkehren gegen einen schnellen Weiterverkauf getroffen.

Weniger überrascht ist man bei Unia hingegen über den neuen Besitzer: «Als wir einen Käufer suchten, war Christian Schmid ebenfalls unter den Interessenten. Allerdings haben wir ihn als Käufer abgelehnt, weil er mit fragwürdigen Internetgeschäften in Verbindung gebracht wird», so Hartmann. Hat sich Dany Bahar von Christian Schmid als Strohmann einspannen lassen? Dazu will sich der Gewerkschaftssprecher nicht äussern. Allerdings will die Unia nun von der Maklerin nähere Auskünfte zum Weiterverkauf einfordern. Christian Schmid war für unsere Zeitung nicht zu erreichen. Dany Bahar liess eine Anfrage tagelang unbeantwortet.

Steuern sprudeln nun doppelt

Einen Profiteur gibt es trotzdem: Die erneute Handänderung lässt bei der Gemeinde Vitznau die Kasse klingeln. Denn mit dem Weiterverkauf fallen nun gleich zweimal innerhalb von drei Monaten Handänderungssteuern an.

Gemeindepräsident Noldi Küttel freut sich: «Mit diesem erneuten Verkauf haben wir unsere fürs 2013 budgetierten Handänderungssteuern bereits im März erreicht.» Zum Kaufpreis will sich Küttel mit Verweis auf das Steuergeheimnis nicht äussern. Die Handänderungssteuer beträgt im Kanton Luzern eineinhalb Prozent des Handänderungswertes. Die Einnahmen fliessen je zur Hälfte in die Kassen der Gemeinde Vitznau und des Kantons.

Küttel geht davon aus, dass der neue Eigentümer der Villa Margaritha auch in Vitznau einziehen wird. Dass der neue Käufer schon bald einziehen wird, ist jedoch eher unwahrscheinlich. Küttel: «Die Villa wurde bisher nur im Sommer bewohnt, und somit denke ich, dass bauliche Veränderungen anstehen werden.» Ein Baugesuch ist bei der Gemeinde noch nicht eingetroffen.