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VITZNAU: Vitznau wirkt mit medizinischem Zentrum dem Ärztemangel entgegen

Die Gemeinde Vitznau plant, ein medizinisches Zentrum aufzubauen, um dem zunehmenden Mangel an Hausärzten entgegenzuwirken. Drei Tage die Woche wird ein Hausarzt Patienten behandeln, an einem Tag wird auch ein Zahnarzt vor Ort sein.
Hausarzt Dr. Sebastian Kreis wird in Vitznau eine neues medizinisches Zentrum eröffnen. Fotografiert am 27. März 2018 in der Praxis Dr. Künzle in Luzern. LZ Boris Bürgisser (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 27. März 2018))

Hausarzt Dr. Sebastian Kreis wird in Vitznau eine neues medizinisches Zentrum eröffnen. Fotografiert am 27. März 2018 in der Praxis Dr. Künzle in Luzern. LZ Boris Bürgisser (Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 27. März 2018))

Im Kanton Luzern herrscht ein Mangel an Hausärzten. Viele sind bereits über 50 Jahre alt oder erreichen bald das Pensionsalter. So auch in den Seegemeinden. In Weggis beispielsweise sind drei der vier Ärzte in diesem Lebensabschnitt, in Greppen und Vitznau gibt es überhaupt keinen Arzt.

Das wird sich bald ändern. Denn die Gemeinde Vitznau plant, ein medizinisches Zentrum aufzubauen. Drei Tage die Woche wird im Haus Surley an der Altdorfstrasse Hausarzt Sebastian Kreis Patienten behandeln, an einem Tag wird auch Zahnarzt Miomir Gavrilovic aus Weggis zugegen sein. Bei Bedarf werde man zudem Fachärzte, beispielsweise Kinderärzte oder Gynäkologen, hinzuziehen, sagte Gemeindepräsident Noldi Küttel (CVP) am Montagabend an einer Orientierungsversammlung. Vor den gut 70 Anwesenden sprach er von einem «Glücksfall» und einer «Win-Win-Situation» für alle Beteiligten. «Weil die Weggiser Ärzte bald das Pensionsalter erreichen, bietet sich nun die Chance, hier in Vitznau die medizinische Grundversorgung wiederherzustellen.»

Hausarzt bereits nach Vitznau gezogen

Mit Allgemeinmediziner Sebastian Kreis habe man den perfekten Hausarzt gefunden. «Er möchte nicht bloss in Vitznau arbeiten, sondern auch hier leben und am gesellschaftlichen Leben teilhaben», sagte Noldi Küttel. So ist Kreis bereits nach Vitznau gezogen. Diesen Entscheid habe der 42-Jährige, der ursprünglich aus Freiburg im Breisgau kommt, unabhängig vom Projekt gefällt, wie er erzählte. «Ich habe mich in dieses Dorf verliebt. Zudem freue ich mich, noch mehr Zeit für meine Patienten zu haben.» Dies habe ihm zuletzt im Spital im Bündner Münstertal gefehlt, wo er fünf Jahre gearbeitet hat, zuletzt als Oberarzt. Derzeit arbeitet Kreis in einer Praxis in der Stadt Luzern.

Es ist nicht der erste Versuch in Vitznau eine neue Hausarztpraxis aufzubauen. Schon 2013 finanzierte der österreichische Millionär Peter Pühringer eine Praxis. Das Anstellungsverhältnis mit dem Arzt wurde jedoch aufgelöst und der designierte Nachfolger trat seine Stelle urplötzlich nicht an. Seit 2015 ist die medizinische Grundversorgung im Dorf nicht mehr gewährleistet.

Dass sich nun Sebastian Kreis im 1400-Seelen-Dorf niederlassen möchte, sei ihm deshalb hoch anzurechnen, sagte Venanzio Rossi von der Assurfinanz Swiss AG. Er hat die Gemeinde bei der Planung des Zentrums und bei der Vermittlung von Sebastian Kreis unterstützt. «Es ist sehr schwer, einen Arzt zu finden, der diesen Schritt machen möchte», betonte Rossi und gab zu bedenken, dass es durchaus lukrativere Stellen für einen Arzt gebe, die auch noch zentraler gelegen seien. Zudem trage Sebastian Kreis ein unternehmerisches Risiko. So sei die Auslastung nicht gewährleistet und er habe hohe Grundkosten zu stemmen, beispielsweise für die Miete, Löhne oder die nötigen Lizenzen.

Deshalb beteiligt sich die Gemeinde finanziell am Aufbau des medizinischen Zentrums. Sie wird rund 356'000 Franken für den Umbau der Räumlichkeiten, die Praxismiete und diverse Bewilligungen aufwenden. Das Geld kann der Gemeinderat in eigener Kompetenz sprechen, da es sich um weniger als zehn Prozent des steuerbaren Einkommens handelt. Dennoch wollte der Gemeinderat den Segen der Bevölkerung bei einer ersten Ankündigung an der letzten Gemeindeversammlung im Dezember sowie nun an der Orientierungsversammlung einholen und allfällige kritische Stimmen zu Wort kommen lassen. Die Resonanz war jedoch ausschliesslich positiv.

Eröffnung bereits in zwei Monaten

Erfreut über das neue Zentrum in Vitznau ist auch Michael Gärtner, Co-Präsident der Vereinigung Luzerner Hausärzte. Ein Hausarzt im Dorf sei nicht nur für jene Patienten ein Gewinn, welche zu ihm in die Praxis kommen, sondern auch für jene, welche zu Hause besucht werden müssen. «Diese Patienten können nicht einfach so ins Nachbardorf zu einem Arzt», so Gärtner und nennt einen weiteren Vorteil: «Ein Hausarzt hat immer noch die beste Übersicht über die medizinische Geschichte seiner Patienten und kann somit am ganzheitlichsten beraten.»

Mit der neuen Praxis geht es nun Schlag auf Schlag. «Wir wollen den grünen Knopf für den Kredit schnellstmöglich drücken», sagte Gemeindepräsident Noldi Küttel. Je nachdem, wie schnell es mit den Bewilligungen und Umbauarbeiten vorwärtsgeht, könnte das Zentrum bereits im Juni eröffnet werden – und Vitznau damit dem Ärztemangel entgegenwirken.

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

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