Wärmeverbund in Vitznau nimmt Form an

Trotz angespannter finanzieller Situation macht Vitznau beim Thema erneuerbare Energie vorwärts. Ein anders Projekt hingegen wird nicht weiterverfolgt.

Roseline Troxler
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Die Gemeinde Vitznau will künftig mit Seewasser heizen und kühlen.

Die Gemeinde Vitznau will künftig mit Seewasser heizen und kühlen.

Bild: Roger Grütter

Mit dem Ja zum Eventualantrag haben die Stimmbürger von Vitznau am Montag ein Zeichen gesetzt. Sie drückten die Unzufriedenheit über die Aufgaben- und Finanzreform (AFR 18) aus, die eine Senkung des Steuerfusses mit sich zieht. «Es ist eine paradoxe Situation. Wir haben ein hohes Defizit und müssen dennoch unsere Steuern senken», sagte Finanzvorsteher Stefan Tobler (GLP).

Das Ja zum Eventualantrag bedeutet, dass die Gemeinde die Steuern im kommenden Jahr bei 1,40 Einheiten belässt – vorausgesetzt, das Bundesgericht fällt rechtzeitig einen Entscheid und stellt sich gegen die AFR 18. Ansonsten beträgt der Steuerfuss 2020 1,30 Einheiten (Ausgabe von gestern).

2020 steht die Revision der Ortsplanung an

Trotz schwieriger finanzieller Situation haben die Stimmbürger Nettoinvestitionen von 3,15 Millionen Franken genehmigt – ein grosser Anteil davon soll für den Bereich Bau, Umwelt und Raumordnung aufgewendet werden. 2020 wird die Revision der Ortsplanung die Gemeinde intensiv beschäftigen. Auch beim Thema erneuerbare Energien macht Vitznau vorwärts. Die Stimmbürger haben das Reglement zum Förderprogramm für kommunale Beiträge mit grosser Mehrheit gutgeheissen. Die Förderbeiträge sollen für Energie-Effizienz und Energie-Einsparung eingesetzt werden. Das Reglement tritt im Januar in Kraft. Das Förderprogramm ist auf fünf Jahre beschränkt. Im Budget 2020 ist dafür ein Betrag von 40 000 Franken enthalten.

Weit vorangeschritten sind auch die Pläne für den Bau eines Wärmeverbundes. Ab 2021 sollen Haushalte und Gewerberäume mit Energie aus Seewasser geheizt und gekühlt werden. Für den Wärmeverbund wurde die Energie Rigi Süd AG (Eris) gegründet. Die Stimmbürger haben den Gemeinderat mit deutlicher Mehrheit ermächtigt, Aktien im Wert von 700000 Franken zu zeichnen. «Das ist eine wichtige Chance für Vitznau», sagte Stefan Tobler zu den Anwesenden. Noch diese Woche soll eine weitere Sitzung stattfinden. Die Projekterarbeitung befinde sich in der finalen Phase. Er betont:

«Das Projekt soll im neuen Jahr möglichst rasch aufgelegt werden.»

Erfreulich sei, dass auch die Rigi Bahnen AG ihr Interesse an einem Anschluss für das neue Dienstleistungszentrum und das Bahndepot geäussert hat – und zwar könnte dieser schneller erfolgen, als zunächst geplant war. Stefan Tobler sagt: «Damit erreichen wir zügiger eine höhere Auslastung.»

Nicht weiterverfolgen will die Gemeinde hingegen das Projekt einer Arztpraxis (siehe unten).

Arztpraxis ist in Vitznau vom Tisch

Seit Jahren sucht die Gemeinde Vitznau eine Lösung für eine Hausarztpraxis. Geplant war der Aufbau eines medizinischen Zentrums. Daher mag die Information von Sozialvorsteherin Anita Mehr (parteilos) an der Gemeindeversammlung vom Montag überraschen. «Wir verfolgen das Projekt nicht weiter», sagte sie den Anwesenden. Grund seien zu grosse Risiken. Eine Machbarkeitsstudie habe gezeigt, dass das Projekt in Vitznau keinen Sinn mache, führt sie aus.

Noch vor einem Jahr war geplant gewesen, dass sich die Gemeinde mit 356 000 Franken am Aufbau eines medizinischen Zentrums beteiligt. Dafür war bereits ein Arzt gefunden worden. Das Projekt verzögerte sich dann jedoch. Laut Gemeinderat wurden mehrere Vertragsbedingungen seitens der für das Zentrum gegründeten Managementgesellschaft nicht erfüllt. Diese hätte den Arzt bei Finanzierung und Bau unterstützen sollen. Obwohl die Gemeinde das Projekt nicht weiterverfolgt, sagt Mehr: «Die medizinische Versorgung ist dank der Nachbargemeinden sichergestellt.» (rt)

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