Vitznau

Mini-KKL will Talentschmiede werden und Gastronomie personalisieren

In Vitznau entsteht derzeit «das Morgen», ein Forschungs- und Ausbildungszentrum samt Hotel und Restaurant. Die Pühringer-Gruppe will damit die Gastronomie wieder attraktiver machen.

Roseline Troxler
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Die Gastronomie ist eine arg gebeutelte Branche während dieser Coronapandemie. Doch in Vitznau wird fest an die Zukunft geglaubt. Die Pühringer-Gruppe des österreichischen Investors Peter Pühringer baut im ehemaligen Hotel Flora für rund 20 Millionen Franken einen Campus für Forschung, Aus- und Weiterbildung in den Bereichen Kunst, Kultur und Kulinarik auf. Im «das Morgen» sollen so Spitzenköche und Gastronomie-Talente ausgebildet und für die Zukunft gerüstet werden. Zweites Standbein sind Weiterbildungsangebote für Musiker und Musikpädagogen. Am Donnerstag informierten die Verantwortlichen detaillierter über ihre Pläne im Bereich Kulinarik. Teils muteten diese gar etwas futuristisch an.

Im ehemaligen Hotel Flora in Vitznau entsteht «das Morgen», ein Forschungs- und Ausbildungszentrum samt Hotel und Restaurant. Im Bild zu sehen sind Andreas Fleischlin (Leiter Aus- und Weiterbildung Gastronomie) sowie Elke Hesse (Kulturbeauftragte bei der Pühringer-Gruppe).

Im ehemaligen Hotel Flora in Vitznau entsteht «das Morgen», ein Forschungs- und Ausbildungszentrum samt Hotel und Restaurant. Im Bild zu sehen sind Andreas Fleischlin (Leiter Aus- und Weiterbildung Gastronomie) sowie Elke Hesse (Kulturbeauftragte bei der Pühringer-Gruppe).

Pius Amrein (18. Dezember 2019)

Zwei Lehrgänge, welche Gastronomie-Talente hervorbringen wollen

Im Neuro Culinary Center will «das Morgen» Gastronomie-Talente individuell fördern. «Die Persönlichkeit der Studierenden und das Handwerk stehen für uns im Fokus», sagt Andreas Fleischlin, Leiter Aus- und Weiterbildung. Am 30. August 2021 sollen die zwei Lehrgänge Küche und Genuss starten. Während sich der Lehrgang Küche an gelernte Köche und Köchinnen mit eidgenössischem Fähigkeitszeugnis richtet, handelt es sich beim Lehrgang Kulinarik um eine Weiterbildung für Restaurationsfachleute EFZ. Möglich ist der Zugang auch für Quereinsteiger mit grossem gastronomischen Know-how. Beide Lehrgänge dauern acht Monate. Der Lehrgang Küche bietet Platz für 24 Personen, der Lehrgang Genuss will pro Jahr 12 Personen weiterbilden.

Mario Garcia, Leiter Lehrgang Küche.

Mario Garcia, Leiter Lehrgang Küche.

Bild: PD

Die Lehrgänge enthalten gemeinsame Module wie Betriebswirtschaft, Persönlichkeitsentwicklung und Innovation aber auch spezifische. So geht es beim Lehrgang Küche, der von Mario Garcia konzipiert wurde und geleitet wird, schwerpunktmässig um die Themen «Food» sowie «Kochtechnik und Prozesse». Ersteres legt den Fokus aufs Produkt, Zweiteres auf die Verarbeitung. Garcia sagt: «Besonders wichtig sind uns die Produktenähe, das Handwerk, die Praxis sowie die eigene Handschrift.»

Beim Lehrgang Genuss sind die Hauptthemen «Food & Beverage» sowie «Gast 2.0». Lehrgangleiterin Julia Scussel sieht die Gastronomiefachleute als wichtiges Bindeglied zwischen Gast und Produkt:

«Der Gast will heute einen Mehrwert. Dieser soll durch Emotionen und dem Transportieren einer Geschichte, dem Storytelling, geschaffen werden.»

Das Handwerk soll durch Innovation aus der Wissenschaft unterstützt werden. Ziel ist laut Julia Scussel nichts weniger, «als die Gastronomie in eine attraktivere Zukunft zu führen, um wieder zu den Vorderen auf dem Weltmarkt zu gehören».

Julia Scussel, Leiterin Lehrgang Genuss.

Julia Scussel, Leiterin Lehrgang Genuss.

Bild: PD

Die Kosten für den Lehrgang werden erst im Februar bekanntgegeben, weil man sich noch im Aufbau befinde, so Andreas Fleischlin. Er betont aber: «Die Lehrgangskosten werden über die Pühringer Gruppe mit 50 Prozent Förderungszuschüssen unterstützt.» Darüber hinaus seien weitere leistungsorientierte Förderbeiträge möglich.

Wichtig ist dem Leiter Aus- und Weiterbildung der grosse Praxisbezug. «Die Studenten werden auch Produzenten besuchen. Ausserdem profitieren sie von Vorträgen nationaler und internationaler Koryphäen.» Zentral sei aber auch die Verbindung zur Wissenschaft. Wissenschaftlicher Partner des Neuroculinary Center ist die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

Ein Gastronomieangebot, das auf personalisierte Ernährung setzt

Die Gastronomie im «das Morgen» soll insgesamt Platz für mindestens 145 Personen bieten. «Hier erlebt der Hotelgast oder der Restaurantbesucher unser Ausbildungsziel: die personalisierte Ernährung und die erweiterten Dimensionen guten Handwerks in der Gastronomie», so Fleischlin. Das Restaurant besteht aus vier Bereichen: dem «Gestern», das auf Traditionelles und Regionales setzen will, dem grösseren «Heute» mit 40 Plätzen. Hier kann der Gast auf digitalen Menükarten die Speise individuell variieren. Im «Morgen» geht man dann noch einen Schritt weiter. Ziel ist die personalisierte Ernährung, wobei auch die Kochwissenschaft einen wichtigen Platz einnehmen soll. Geplant ist auf dem ehemaligen Hotel Flora ausserdem eine Rooftop-Bar.

Christian Nickel, Leiter Kulinarik.

Christian Nickel, Leiter Kulinarik.

Bild: PD

In der Gastronomie im neuen Campus soll eine digitaler «Genuss-Pass» zum Zug kommen. Christian Nickel, Leiter Kulinarik, erklärt an der Medienkonferenz:

«Persönliche Vorlieben, Bedürfnisse und Ziele können auf der App hinterlegt werden. Uns Köchen gibt er die Möglichkeit, präzise auf Geschmacksprofile der Gäste einzugehen.»

Dafür werde nun gemeinsam mit Partnern ein selbstlernender Algorhythmus entwickelt. Trotz allen Innovationen versichert Nickel: «Wer einfach nur fein essen möchte, kann das natürlich auch bei uns.» Die Gastronomie vom «das Morgen» soll laut dem Unternehmen zugänglich sein und von einem niedrigen bis mittleren Preissegment reichen.

Ein Hotel mit 53 Zimmern für Kulinarik- und Musikliebhaber

Das Neurocampus-Hotel soll im Sommer 2021 eröffnet werden. Es besteht aus 53 Zimmern - Doppel- und Einzelzimmer - sowie solche mit sechs Betten. Das Hotel richtet sich gemäss dem Unternehmen an «neugierige, gesundheitsbewusste Individualreisende, Musikliebhaber oder an Kulinarik und Genuss interessierte Gruppen». Die Hotelgäste sollen Leistungen wie Roomservice oder Zimmerreinigung per App bestellen können. Die Preise für ein Doppelzimmer reichen je nach Kategorie von 190 bis 310 Franken, wie es auf Anfrage hiesst.

Ein Kammermusiksaal für 300 Zuhörer

Im neuen «Mini-KKL» werden künftig auch Weiterbildungsangebote für Musiker und Pädagoginnen angeboten. So entsteht etwa eine Musik-Akademie für Kammermusik für überdurchschnittlich begabte Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren. Im Frühling 2023 ist ausserdem die Eröffnung eines unterirdischen Kammermusiksaals für 300 Zuhörer geplant. Das Ziel des neuen Betriebs sind Partnerschaften mit Hochschulen und Kulturbetrieben. Auch die seit Januar bestehende Musikkita soll im Sommer 2021 mit 24 Plätzen in «das Morgen» einziehen.