Neues Anforderungsprofil: Das macht einen guten Luzerner Gemeinderat aus

Der Verband der Luzerner Gemeinden hat das Anforderungsprofil für Exekutivmitglieder überarbeitet – nach 14 Jahren.

Lukas Nussbaumer
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Die Leitung von Gemeindeversammlungen ist eine der Aufgaben eines Gemeindepräsidenten. In Adligenswil fand die letzte am 24. November 2015 statt. Seither werden die Geschäfte an der Urne entschieden.

Die Leitung von Gemeindeversammlungen ist eine der Aufgaben eines Gemeindepräsidenten. In Adligenswil fand die letzte am 24. November 2015 statt. Seither werden die Geschäfte an der Urne entschieden.

Bild: Dominik Wunderli

Die Luzerner Gemeindelandschaft hat sich seit 2005 zwar nicht komplett verändert. Doch es ist viel passiert: Von den damals 103 Gemeinden haben sich 20 zusammengeschlossen, und es haben sich neue Gemeindeführungssysteme wie das Geschäftsführer-Modell etabliert, wo Gemeinderäte als Verwaltungsräte und nicht operativ agieren. Wie in Weggis, Adligenswil, Ebikon oder Ruswil.

Grund genug für den Verband der Luzerner Gemeinden (VLG), das seit vierzehn Jahren geltende Anforderungsprofil für Gemeinderäte zu überarbeiten und rechtzeitig vor den im Frühjahr stattfindenden Wahlen (siehe Kasten am Ende des Textes) fertigzustellen. Am Donnerstag wurde es den Medien präsentiert – von VLG-Präsidentin Sibylle Boos-Braun, VLG-Vizepräsident Beat Bucheli und Peter Obi, Bereichsleiter Justiz und Sicherheit. Alle drei sind Gemeindepräsidenten und wissen, wovon sie reden: FDP-Politikerin Boos-Braun seit 2014 von Malters, und die beiden CVP-Vertreter Bucheli und Obi seit 2004 von Werthenstein beziehungsweise seit 2010 von Ettiswil.

Alle Kriterien zu erfüllen, ist nicht zwingend

Doch warum erarbeitet der VLG überhaupt derartige Kataloge? Schliesslich sind in erster Linie die Ortsparteien für die Rekrutierung von neuen Exekutivmitgliedern zuständig. Boos-Braun begründet das Engagement des Verbands so:

«Wir wollen Lust auf dieses Amt machen. Es ist eine Aufgabe, bei der man viel gibt, von der man aber auch viel profitiert.»

Diesem Teil des Amts – dem persönlichen Nutzen – hat der VLG im achtseitigen Katalog denn auch ein neues, eigenes Kapitel gewidmet.

Das Kernstück des Papiers – der Anforderungskatalog – tönt ähnlich anspruchsvoll wie jener für einen Bundesrat. Peter Obi relativiert das Profil. Es handle sich um idealtypische Erwartungen, wie sie auch in Stelleninseraten zu finden seien. «Das Profil soll nicht abschrecken. Nicht erfüllte Kriterien können durch Anpassungen in der Organisation oder durch Weiterbildungen kompensiert werden.»

«Wir konnten noch immer alle Ämter besetzen»

Kein Antrieb für die Überarbeitung gewesen sei der Mangel an Kandidaten, versichert Boos-Braun. «Wir haben keine Krise und konnten noch immer alle Ämter besetzen.» Selten ein Thema sei bei der Kandidatensuche die Entschädigung. «Im Kanton Luzern sind auch kleine Pensen gut entlöhnt», so die im September zur VLG-Präsidentin gewählte Politikerin, die seit Mitte Jahr auch Kantonsrätin ist.

Den Vorteil kleiner Pensen strich auch VLG-Vizepräsident Beat Bucheli heraus. In Werthenstein würden zwei 15-Prozent-Ämter frei, und für beide habe man bereits Kandidaten gefunden. Wer Bucheli zuhört, kann dies nachvollziehen. Der bis vor kurzem eine Dorfschreinerei betreibende überzeugte Milizpolitiker sagt nach 15 Jahren als Gemeindepräsident begeistert:

«Das Amt macht immer noch Spass.»

Zwar könne man es nie allen Recht machen, und es gebe auch mal eins aufs Dach. «Doch daraus geht man in der Regel gestärkt hervor.»

Am 3. Februar ist Eingabeschluss

Gemeindewahlen

Die Gemeindewahlen finden am 29. März 2020 statt, allfällige zweite Wahlgänge am 17. Mai. Eingabeschluss ist am 3. Februar um 12 Uhr, für den zweiten Wahlgang am 2. April. Gegenwärtig amten in den noch 83 Gemeinden 397 Räte. 133 davon sind Frauen, was einem Anteil von 33,5 Prozent entspricht. Mit der Fusion von Altishofen und Ebersecken auf Anfang 2020 werden es noch 82 Gemeinden mit 394 Räten sein. In 74 Gemeinden zählen die Exekutiven fünf Mitglieder, in neun sind es drei. (nus)

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