Volk entscheidet über Hochhaushöhe im Steghof

In der Stadt Luzern soll das Volk entscheiden, ob im Steghof ein Hochhaus mit 45 oder nur 21 Metern Höhe gebaut wird. Insgesamt will die Stadt vier Hochhausstandorte schaffen.

Merken
Drucken
Teilen
Wie hoch das Hochhaus Steghof wird, entscheidet die Bevölkerung. (Bild: Neue LZ)

Wie hoch das Hochhaus Steghof wird, entscheidet die Bevölkerung. (Bild: Neue LZ)

Der Stadtrat hat laut Medienorientierung vom Dienstag die revidierte Bau- und Zonenordnung (BZO) verabschiedet. Diese legt fest, wo wie hoch und dicht gebaut werden kann und in welchen Quartieren mehrheitlich gewohnt oder gearbeitet werden soll. Das Parlament soll die BZO Anfang 2013 behandeln, die Volksabstimmung ist für Juni 2013 vorgesehen. Die BZO soll 2014 in Kraft treten.

Bauzonen wachsen nur wenig

Obwohl die Bauzonen nur um 1 Prozent oder sieben Hektaren vergrössert werden, soll die BZO Platz für neue Wohnungen für 6200 bis 8800 Personen und für 3000 bis 4800 Arbeitsplätze schaffen. Dies wird damit ermöglicht, dass in gewissen Gebieten höher und dichter gebaut werden darf als bis anhin. In den Mitwirkungsverfahren habe sich gezeigt, dass die Bevölkerung keine Ausdehnung der Wohnzonen wünsche, schreibt der Stadtrat. Die grünen Kuppen, wie zum Beispiel auf dem Dietschiberg, dürften deshalb nicht überbaut werden.

Wie hoch das Hochhaus Steghof wird, entscheidet die Bevölkerung. (Bild: Neue LZ)

Wie hoch das Hochhaus Steghof wird, entscheidet die Bevölkerung. (Bild: Neue LZ)

Steghof sehr umstritten

Doch auch das höher Bauen ist nicht nur willkommen. Insgesamt sieht die BZO vier Hochhausstandorte vor (Pilatusplatz, Bundesplatz , Seeburg und Steghof) mit Höhen von 35 bis 45 Metern vor. (Zum Vergleich: Die beiden neuen Wohntürme auf der Allmend sind 77 und 88 Meter hoch.) Sehr umstritten ist der Standort Steghof. Weil dort keine Annäherung der Standpunkte möglich sei, will der Stadtrat die BZO den Stimmberechtigten in einer Doppelabstimmung mit Stichfrage vorlegen. Somit kann das Volk entscheiden, ob beim Steghof ein Haus mit 45 oder 21 Metern Höhe gebaut werden soll. Zur Abstimmung gelangen auch die 102 Einsprachen, welche der Stadtrat abgewiesen hat. 129 Einsprachen hat der Stadtrat während den beiden öffentlichen Auflagen im Herbst 2011 und im Frühling 2012 ganz oder zumindest teilweise entsprochen.

11 Gebäude in Tourismuszone

Eine Neuheit in der BZO ist die Tourismuszone. Sie umfasst die klassischen Hotelanlagen Hermitage, Seeburg, Gütsch, Europe, Montana, National, Palace und Schweizerhof sowie das Schlösschen Utenberg, das Kursaal-Casino und das Seerestaurant Tivoli. Ziel der Tourismuszone ist es, die Hotelanlagen, die das Image und das Ortsbild von Luzern prägen und für den Tourismus wichtig sind, als Hotels zu erhalten. Auf Druck der Hoteliers musste der Stadtrat die zunächst geplanten Vorgaben für die neue Zone lockern.

Anreize für gemeinnützigen Wohnungsbau

Die neue BZO schafft gemäss Stadtrat Anreize für den gemeinnützigen Wohnungsbau. Geschützt werden ökologische Ausgleichsflächen und Landschaften. Ein weiteres Ziel ist es, den haushälterischen Umgang mit dem Boden und den sparsamen Energieverbrauch zu fördern.

Die Arbeiten an der neuen BZO hatten 2007 begonnen. Die Bevölkerung konnte sich in drei Mitwirkungsverfahren zu den Plänen äussern. Die neue BZO schaffe eine Balance zwischen den Interessen der Wirtschaft, der Gesellschaft und der Umwelt, schreibt der Stadtrat. Sie helfe, dass sich die Stadt qualitätsvoll entwickeln könne.

Die revidierte BZO betrifft nur den Stadtteil Luzern. Im Stadtteil Littau wurde 2009 und somit noch vor der Fusion eine neue BZO rechtskräftig.

sda/rem

Reaktionen

Die CVPbegrüsst den Entwurf der neuen Bau- und Zonenordnung. Der Entwurf wird als «durchdacht» und «zielführend» bewertet. Die CVP würdigt insbesondere die Ausrichtung der BZO auf die Nachhaltigkeit und begrüsst ausdrücklich die öffentliche Diskussion nach den bewusst provokativen Zukunftsszenarien für die Stadt Luzern.

Die SP/Juso-Fraktion kritisiert die BZO in einer Medienmitteilung: Der Entwurf beinhalte «keine wirklich zukunftsgerichtete Stadtentwicklung für Luzern.» Das Bedürfnis der Bevölkerung nach zahlbarem Wohnraum werde nur ungenügend berücksichtigt, schreibt die Fraktion weiter. Sie fordert den Stadtrat auf, das Abstimmungsverfahren bezüglich Hochhausstandorten nochmals zu überdenken.

rem

Das Volk entscheidet, wie hoch das Hochhaus im Gebiet Steghof wird. (Bild: Archiv Neue LZ)

Das Volk entscheidet, wie hoch das Hochhaus im Gebiet Steghof wird. (Bild: Archiv Neue LZ)