VOLKSMUSIK: Eine Jodel-Koryphäe unterrichtet bald in Luzern

An der Hochschule Luzern können Studenten ab diesem Herbst Jodel studieren. Hauptdozentin wird Nadja Räss, die derzeit beste Jodlerin der Schweiz. Der Ausbau des Studienbereichs «Volksmusik» geht aber nicht ohne Nebengeräusche über die Bühne.
Matthias Stadler
Nadja Räss unterrichtet an der Hochschule Luzern Jodel. (Bild: PD / Andi Brunner)

Nadja Räss unterrichtet an der Hochschule Luzern Jodel. (Bild: PD / Andi Brunner)

Matthias Stadler

matthias.stadler@luzernerzeitung.ch

Der Schluss liegt nahe, dass Michael Kaufmann, Direktor des Departements Musik der Hochschule Luzern, einen lauten Juuz von sich gegeben hat, als er die Zusage von Nadja Räss erhielt. Sie ist die unbestrittene Koryphäe wenn es ums Jodeln geht. Die Einsiedlerin Räss hat bereits diverse Preise gewonnen, etwa den Prix Walo in der Kategorie «Jodel», und singt und komponiert selber Jodellieder. Sie wird künftig an der Hochschule Luzern (HSLU) ebendieses Fach unterrichten, wie das Bildungsinstitut am Donnerstag mitteilte.

Bis anhin war es an der HSLU nicht möglich, die Künste des Jodelns zu erlernen. Und dies, obwohl es den Studienbereich Volksmusik seit 2010 gibt. Departementsdirektor Michael Kaufmann sagt denn auch: «Wir haben schon lange davon geträumt, Jodeln an der Hochschule anzubieten. Und mit Nadja Räss haben wir die Nummer eins erhalten. Sie ist für uns ein absoluter Glücksfall.» Von ihrem musikalischen Wissen würden die Studenten und letztlich auch die gesamte Szene und das Publikum profitieren, erklärt Michael Kaufmann.

Richard Huwiler, der im Vorstand des Eidgenössischen Jodlerverbands sitzt und den Zentralschweizerischen Jodlerverband präsidiert, kritisiert das Angebot allerdings (siehe «Nachgefragt»). So befürchtet er, dass das Jodeln durch den Hochschulunterricht verakademisiert wird. Zudem findet er das Angebot unnötig, da die Jodlerverbände den Nachwuchs seit Jahrzehnten gut ausbilden würden. Michael Kaufmann entgegnet, es gehe nicht darum, sich gegeneinander auszuspielen, man solle einander vielmehr ergänzen: «Dies ist doch auch eine Chance für die Jodlerszene. Es geht darum, dass wir uns die Hand geben und dass wir gute Leute für den Markt ausbilden möchten.» So sei etwa Daniel Häusler ein Paradebeispiel für die Ausbildung an der HSLU. Der bekannte Klarinettist aus Zug absolvierte seine Ausbildung an der Hochschule und ist nun dort auch Dozent.

Einziges Angebot in der Schweiz

Ab kommendem Herbst soll das Hauptfach «Jodel» unterrichtet werden. Dies als einziges solches Angebot hierzulande. Die neue Dozentin Nadja Räss zeigt Vorfreude: «Ich freue mich unglaublich darauf. Aber es ist auch eine Herausforderung, da ich noch nicht genau weiss, was auf mich zukommt.» Sie kenne bereits einige Personen, die sich für das Studium interessierten. «Jodeln ist eine Gesangstechnik, die sich beispielsweise vom klassischen Gesang unterscheidet. Es ist sicherlich gut, wenn auf diesem Weg Gesangspädagogen ausgebildet werden, welche sich auf das Instrument Jodel spezialisieren.» Mit ein Ziel sei auch, dass die Absolventinnen und Absolventen ihr Wissen dann etwa als Gesangslehrer wiederum dem Nachwuchs weitergeben. «Deswegen ist es sicher gut, dass es die Möglichkeit gibt, eine fundierte, jodelspezifische Ausbildung anzubieten.»

Die Einsiedlerin erklärt, dass es in der Volksmusik schon seit längerem eine Ausbildung im instrumentalen Bereich an der HSLU gebe. «Doch im vokalen Bereich war das bis anhin nicht der Fall.» Ob das Angebot dereinst auch erfolgreich sein wird und sich genügend Studenten dafür einschreiben, sei schwierig abzuschätzen: «Ich bin gespannt auf die Anzahl Anmeldungen, denke aber nicht, dass es die grosse Masse sein wird.»

Zusätzlich zu ihrer neuen Stelle wird Nadja Räss künftig auch das Mandat für Volksmusik an der HSLU übernehmen. Wie gross der Aufwand für diese beiden Aufgaben sein wird, wisse sie noch nicht: «Ich lasse das auf mich zukommen.»

Ziel der Hochschule: Sieben Absolventen pro Jahr

Michael Kaufmann vom Departement Musik der Hochschule Luzern rechnet damit, dass sich nun einige Interessierte zusätzlich für den Studienbereich Volksmusik begeistern lassen. In den vergangenen fünf Jahren haben etwas mehr als 20 Studenten ihr Studium abgeschlossen. Er erklärt, dass die HSLU ihr Angebot mit dem Hauptfach «Jodel» attraktiver gestalten möchte. Ziel seien sieben Absolventen pro Jahr – «das wäre sehr gut». Es brauche aber sicher Aufbauzeit, und die Anzahl Studenten werde wegen des neuen Angebots auch nicht in den Himmel wachsen. Trotzdem glaubt er, dass das neue Hauptfach «einem Bedürfnis entspricht. Wir orientieren uns schliesslich am Markt.» Zudem sei das Studium wegen des Stellenwerts des Jodelns eine «total attraktive Sache».

Stimmgewaltig: das Entlebucher Jodlertreffen in Finsterwald. (Bild: Manuela Jans-Koch (21. August 2015))

Stimmgewaltig: das Entlebucher Jodlertreffen in Finsterwald. (Bild: Manuela Jans-Koch (21. August 2015))

Richard Huwiler, Vizepräsident des Eidgenössischen Jodlerverbands. (Bild: Edi Wismer (Luzern, 20. Dezember 2010))

Richard Huwiler, Vizepräsident des Eidgenössischen Jodlerverbands. (Bild: Edi Wismer (Luzern, 20. Dezember 2010))

Nadja Räss erhielt 2015 den Prix Walo in der Kategorie Jodel. (Bild: Ennio Leanza / Keystone (Zürich, 7. Juni 2015))

Nadja Räss erhielt 2015 den Prix Walo in der Kategorie Jodel. (Bild: Ennio Leanza / Keystone (Zürich, 7. Juni 2015))

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