VOLKSSCHULE: Handy – immer früher ein Thema

Den Umgang mit Mobiltelefonen regelt jede Luzerner Schule selber. Da bereits in der Primarschule immer mehr Schüler ein Handy besitzen, reagieren die Schulleiter.

Roseline Troxler
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Neu ist die Nummer 075 auf dem Markt. (Bild: Keystone / Martin Rüetschi)

Neu ist die Nummer 075 auf dem Markt. (Bild: Keystone / Martin Rüetschi)

Roseline Troxler

roseline.troxler@luzernerzeitung.ch

An einer Sekundarschule in Baar müssen Jugendliche der ersten Oberstufe für einige Wochen auf ihr Mobiltelefon verzichten. Die Schulleitung hat ein flächendeckendes Handyverbot ausgesprochen. Sie griff zu diesem Mittel, weil eine Schülerin über längere Zeit gemobbt wurde, und dies offenbar vor allem übers Handy. Auch an Luzerner Schulen kommt Mobbing übers Smartphone vor.

Charles Vincent, Leiter der Dienststelle Volksschulbildung, sagt auf Anfrage: «Es gibt regelmässig Mobbingfälle an unseren Schulen. Die Unterstützung der Schulen durch unseren Rechtsdienst ist aber nur in sehr schwierigen Einzelfällen notwendig.» Komme es zu Mobbing, seien Mobiltelefone aber meist involviert, führt er aus. Die Mehrheit der Fälle würden die Schulen selber klären, da die Schulleitungen darauf vorbereitet worden seien und auch Merkblätter zur Verfügung stehen würden. Im Zusammenhang mit Mobbing steht laut Vincent meist das Versenden von Bildern – darunter auch das Sexting, also das Verschicken von Nacktbildern. Dies bestätigen auch Tony Boog, Rektor der Schule Sempach, sowie Erwin Peter, Schulleiter von Nottwil. Laut Martin Kulli, Gesamtschulleiter von Beromünster, können Mobbingfälle meist durch die Schulsozialarbeit bearbeitet werden, teils sei die Schulleitung mitbeteiligt gewesen.

Für einen ganzen Jahrgang ein Handyverbot auszusprechen, wie dies die Baarer Schulleitung gemacht hat, erachtet Charles Vincent als wenig zielführend. «Eine Kollektivstrafe macht selten Sinn.» Vincent empfiehlt den Schulen, das Problem zu thematisieren und einzelne Schüler zu sanktionieren.

Kanton spricht Empfehlungen aus

Die Dienststelle Volksschulbildung gibt den Schulen im Umgang mit Handys keine Regeln vor, spricht aber Empfehlungen aus. So soll jede Schule in der Schulhausordnung festlegen, an welchen Orten und zu welchen Zeiten Handys erlaubt und verboten sind. Wichtig sei, dass eine Schule bei Problemen nicht einfach sanktioniere, sondern die Schüler die Regeln von Beginn weg kennen, betont der Dienststellenleiter. Und er sagt: «Es braucht auch eine gewisse Toleranz seitens der Erwachsenen. Mobiltelefone dürfen nicht verteufelt werden, aber es sollen klare Regeln gesetzt und deren Einhaltung verlangt werden.» Benützt zum Beispiel ein Schüler trotz Handyverbot sein Mobiltelefon, darf der Lehrer dieses einziehen.

Laut Vincent fällt auf, dass sich die Probleme im Umgang mit Handys jüngst von der Sekundar- auf die Primarschule verlagert haben. «Heute haben schon viele der Fünft- und Sechstklässler ein Mobiltelefon.» In der Sekundarschule gebe es hingegen eher weniger Probleme. «Zu diesem Zeitpunkt haben sich die Schüler an den Umgang mit Mobiltelefonen gewöhnt», sagt er.

Laut Andrea Marti, Schulleiterin der Sekundarschule Hitzkirch, führt die Verlagerung der Handyproblematik auf die Primarschule dazu, dass «die Kinder noch weniger wissen, was sie tun, und Eltern überrascht werden». Dass viel mehr Primarschüler Handys nutzen, hat auch Martin Kulli festgestellt. Er sagt aber: «In der Primarschule werden die Mobiltelefone seltener in die Schule mitgenommen als in der Sekundarschule.»

Auf die Verlagerung hat die Schule Sempach reagiert. So sagt Tony Boog: «Die Medienkunde findet heute bereits in der fünften Klasse der Primarschule statt.» Mit der Einführung des Lehrplans 21 auf das kommende Schuljahr wird der Stundenplan dann für alle Schulen angepasst. Die Medienerziehung im Kanton Luzern wird auf diesen Zeitpunkt hin auf die dritte und vierte Primarklasse verlegt.

Viele Luzerner Schulen haben ein eher strenges Regime im Umgang mit Handys. So etwa die Schule Sempach. Betreten die Schüler das Schulhausareal, gilt ein Handyverbot. Dies funktioniert laut Tony Boog sehr gut. «Wir kennen ein solches Verbot seit zehn Jahren. Nur ein- oder zweimal jährlich müssen wir ein Mobiltelefon einziehen.» Für die Schüler sei das Verbot mittlerweile selbstverständlich. Gleiches gilt an der Schule Nottwil. Schulleiter Erwin Peter erklärt: «Durch das Verbot tauschen sich die Schüler in der Pause aus und haften nicht an den Bildschirmen ihrer Smartphones.» Dasselbe Regime kennt die Schule Beromünster. An der Schule Hitzkirch bleiben die Mobiltelefone in der kurzen Pause aus, und beim Pausenplatz der Primarschule gibt es ein Verbot, wie Andrea Martin sagt.

Laut dem Nottwiler Schulleiter wird das Handy zunehmend im Unterricht als sinnvolles Hilfsmittel eingesetzt. «Die Lehrer benützen immer mehr Apps.» Auch an der Sempacher Schule dient das Handy im Unterricht als Recherchemittel. «Wir gehen damit aber zurückhaltend um. Wenn die Schüler recherchieren, dann nützen sie vor allem die PC-Arbeitsplätze in der Schule», sagt Boog.