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VOLKSSCHULE: Immer mehr Gemeinden für Basisstufe

Knapp ein Drittel aller Luzerner Gemeinden führt die Basisstufe. Dies aus ganz unterschied­lichen Gründen.
Susanne Balli
Die Basisstufe an den Luzerner Volksschulen wird immer beliebter. Bereits 26 Gemeinden setzen auf das Modell. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Die Basisstufe an den Luzerner Volksschulen wird immer beliebter. Bereits 26 Gemeinden setzen auf das Modell. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Susanne Balli

Der Zahlenspiegel 2015/16 der Luzerner Volksschule zeigt einen klaren Trend: Luzerner Gemeinden bieten immer öfters die Basisstufe oder das Altersgemischte Lernen (siehe Kasten) an. In den letzten zehn Jahren hat die Anzahl Klassen der Basisstufe stetig zugenommen. 2006/07 waren es 16 Klassen, per Schuljahr 2015/16 deren 65. Heute werden kantonsweit 1300 Schülerinnen und Schüler in Basisschulklassen unterrichtet. Dies an 29 Schulen in 26 Gemeinden. Insgesamt besuchen 29 302 Kindergärtler und Primarschüler die Luzerner Volksschulen (Stichtag 1. September 2015). Der Trend reisst nicht ab. Weitere Gemeinden führen ab kommendem Schuljahr eine Basisstufe. Eschenbach beispielsweise startet gleich mit sieben Basisstufen-Klassen.

Vier- bis Achtjährige in einer Klasse

Ab nächstem August müssen alle Luzerner Gemeinden das freiwillige zweite Kindergartenjahr anbieten oder aber die Basisstufe. Für letzteres Modell bedeutet dies, dass in einer Klasse vierjährige Kinder mit bis zu achtjährigen den Unterricht besuchen.

Das Prinzip der Altersdurchmischung in Schulklassen wird von pädagogischen Fachleuten oft gelobt. Vor allem im Bereich der Sozialkompetenz schneiden Kinder, die mit jüngeren und älteren Mitschülern unterrichtet werden, besser ab als Kinder in Jahrgangsklassen, wie Studien ergeben haben. Ein weiterer Vorteil: Leistungsstarke Schüler können den Lernstoff von zwei Klassen in einem Jahr absolvieren, während sich andere dafür bis zu drei Jahre Zeit nehmen können, ohne nach dem traditionellen Muster eine Klasse wiederholen zu müssen.

Dennoch drängt sich die Frage auf, wie und ob eine Klasse mit einer so grossen Altersspanne funktionieren kann. Kritische Stimmen gibt es vor allem seitens der Eltern. Die Kritikpunkte: Grosse Unruhe im Unterricht, zu wenig Förderung der Grossen, zu wenig intensive Betreuung für die Kleinen. Zuweilen würden ganze Klassen im Lerntempo ausgebremst. Zudem würden vor allem die jüngeren Kinder von den Grossen profitieren, die älteren aber weniger von den Kleinen, lauten die Befürchtungen.

Zwei Lehrpersonen für eine Klasse

«Wie der Unterricht in der Basisstufe strukturiert ist, ist abhängig von den Themen und Unterrichtsformen, aber auch von den Lehrpersonen und von den Kindern einer Klasse», sagt Charles Vincent, Leiter der Dienststelle für Volksschulbildung. Es gebe gewisse feste Formen, aber auch individuelle Zeitgefässe. Dies gelte aber auch für reguläre Kindergartenklassen. «Auch hier herrsche seit der Einführung des zweiten freiwilligen Kindergartenjahres eine grosse Heterogenität in den Klassen, weil Vier- bis Sechsjährige zusammen den Kindergarten besuchen. «Die Basisstufe hat sogar den Vorteil, dass in einer grösseren Zahl der Lektionen zwei Lehrpersonen für eine Klasse zuständig sind und somit gut auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kinder eingehen können», so Vincent. Anders im zweijährigen Kindergarten, wo nur eine Kindergärtnerin alleine für durchschnittlich 18 Kinder zuständig sei.

Die Befürchtung, dass grössere Kinder in einer Basisstufen-Klasse weniger gefördert werden, teilt Vincent nicht. «Die starken Schüler profitieren auch von den schwächeren, wenn sie ihnen etwas erklären können.» Einen deutlichen Vorteil gegenüber dem regulären Kindergarten und der 1. und 2. Primarstufe sieht Vincent auch darin, dass die Kinder in der Basisstufe ganz individuell nach ih­ren Fähigkeiten geför­dert werden können. «Wenn ein vier- oder fünfjähriger Kindergärtler sehr gewieft ist und sich zum Beispiel bereits für Mathematik interessiert, macht er eben in jener Gruppe mit, die sich gerade damit beschäftigt, während die andern Kindergärtler vielleicht eine Spielsequenz durchführen – und dabei auch lernen, aber auf eine andere Art.»

Gemeinden entscheiden selber

Die Gemeinden sind laut Vincent frei in der Entscheidung, ob sie den zweijährigen Kindergarten oder die Basisstufe anbieten. «Der Kanton gibt keine Empfehlungen für das eine oder andere Modell ab.» Wo aber liegen die Gründe für die Wahl der Basisstufe? Erhoffen sich die Gemeinden durch die Einführung der Basisstufe einen pädagogischen Mehrwert oder gar finanzielle Vorteile? «Es gibt ganz unterschiedliche Gründe», erklärt Vincent. Kleinen Gemeinden sei es aufgrund der geringen Schülerzahl gar nicht möglich, jede Stufe separat anzubieten. In der Stadt Luzern wird die Basisstufe laut Vincent in einzelnen Quartierschulen angeboten, um die Schulplanung zu vereinfachen, weil die Schülerzahl von Jahr zu Jahr stark schwanken könne. Und wieder andere grosse Gemeinden wie Eschenbach wählen die Basisstufe, weil es für sie pädagogisch gesehen die richtige Form sei. «Es ist sicher nicht billiger, die Basisstufe zu führen. Je nach Anzahl der Schüler ist sie sogar etwas teurer, weil es pro Klasse zusätzliche Lektionen braucht.»

«Nicht besser oder schlechter

Annamarie Bürkli, Präsidentin des Lehrerinnen- und Lehrerverbandes Kanton Luzern (LLV), sagt: «Aus Sicht der Lehrpersonen ist auch die Basisstufe eine gute Sache.» Positiv bewertet werde der Umstand, dass Basisstufen-Lehrer nicht alleine für eine Klasse zuständig seien. «Entscheidungen trifft und trägt man gemeinsam», sagt Bürkli. Ein weiterer Vorteil sei, dass in der Basisstufe jedes Kind die Rolle des Kleinen und später des Grossen erlebe, «was es heute in den meisten Familien so nicht mehr gibt».

Die Befürchtung, dass die Leistung der Kinder in der Basisstufe leidet, kann Bürkli nicht teilen. «Die Leistungen der Kinder sind nicht besser oder schlechter als nach dem traditionellen Modell, aber sie gewinnen im sozialen Bereich.» Hinsichtlich der Anstellungsbedingungen sei es bei der Basisstufe hingegen etwas schwieriger. Denn bei einer Basisstufen-Klasse teilen sich zwei Lehrper­sonen ein 150-Prozent-Pensum. «Viele hätten aber lieber ein 100-Prozent-Pen­sum und müssen dann anderweitig aufstocken. Das hält einige davon ab, in der Basisstufe zu unterrichten», sagt Bürkli weiter.

Entscheid wegen Dorfstruktur

Eine Gemeinde, die sich für den zweijährigen Kindergarten entschieden hat, ist Ebikon. Dies hat mit der Dorfstruktur zu tun. Ebikon verfügt über 13 Kindergartenabteilungen an acht verschiedenen Standorten, auch in den Aussenquartieren. Die vier grösseren Schulhäuser hingegen sind alle relativ zentral gelegen. «Mit der Basisstufe hätten Kindergärtler aus den Quartieren einen unverhältnismässig langen Schulweg zurücklegen müssen. Darum haben wir uns gegen die Basisstufe entschieden», sagt Rektor Olivier Prince.

Individuelle Förderung

Konzept
In der Basisstufe werden Kindergarten (freiwilliges und obligatorisches Kindergartenjahr) sowie 1. und 2. Primarstufe in einer Klasse gemeinsam unterrichtet. Verschiedene Gemeindeschulen im Kanton Luzern praktizieren das Altersgemischte Lernen (ADL) auch auf der 3. bis 6. Primarstufe und vereinzelt auch in der Sekundarschule.

Grössere Sozialkompetenz
Ziel beim ADL ist eine individuelle Förderung der Kinder. Leistungsstarke Schüler können den Lernstoff von zwei Klassen in einem Jahr absolvieren, während sich andere dafür bis zu drei Jahre Zeit nehmen können, ohne nach dem traditionellen Muster eine Klasse wiederholen zu müssen. Zudem soll durch die Altersdurchmischung die Sozial- und Selbstkompetenz der Kinder gefördert werden.

red

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