VOLKSSCHULEN: Wyss’ eigenartige Rechnung

Bildungsdirektor Reto Wyss behauptet, der Personalbestand in einer Dienststelle sei um 26 Stellen gesenkt worden. Nun zeigt sich: Das ist stark übertrieben abgebaut wurden 11 Stellen.

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Reto Wyss: «Ich habe die Senkung keinesfalls als meine Leistung anpreisen wollen.»

Reto Wyss: «Ich habe die Senkung keinesfalls als meine Leistung anpreisen wollen.»

Lukas Nussbaumer

Der Kanton Luzern habe eine «schlanke Verwaltung». So reagiert die Regierung jeweils, wenn Kantonsräte Sparmassnahmen bei der öffentlichen Verwaltung aufs Tapet bringen. Diese Aussage, betonen die Exekutivmitglieder dann gerne, sei nicht aus der Luft gegriffen, sondern stütze sich auf eine Studie von BAK Basel. Das Wirtschaftsforschungsinstitut habe nämlich herausgefunden, dass der Kanton Luzern seine Leistungen zwölf Prozent günstiger erbringe als der Durchschnitt der Schweizer Kantone.

Mit dieser Argumentation ficht auch Bildungs- und Kulturdirektor Reto Wyss. Der CVP-Magistrat sagte gegenüber unserer Zeitung am 29. Dezember, ein Personalabbau von beispielsweise 10 Prozent bei der Verwaltung sei angesichts der hohen Erwartungen an die laufend zunehmenden staatlichen Aufgaben kein Thema. Ausserdem, fügte Wyss als Beispiel an, werde bereits gespart: «Bei der Dienststelle Volksschulbildung haben wir den Personalbestand seit 2000 von 74 auf 48 Stellen gesenkt.» Wyss hat dieses Zitat autorisiert wie das ganze Interview.

13 Stellen an PHZ ausgelagert

Der 49-jährige frühere Gemeindepräsident von Rothenburg hat sich damit weit aus dem Fenster gelehnt. Denn Fakt ist, dass 13 der angeblich 26 abgebauten Stellen 2003 an die Pädagogische Hochschule Zentralschweiz (PHZ) ausgelagert wurden die Bereiche Fach- und Themenberatung sowie die pädagogischen Medienzentren nämlich. 2 Stellen wurden für den Informatikbereich der kantonalen Schulen eingesetzt. Der echte Abbau bei der Dienststelle Volksschulbildung beträgt demnach also nur 11 Stellen. Ganz genau sind es 11,5 Stellen, wie Dienststellenleiter Charles Vincent vorrechnet.

So fielen seit 2008 6 Stellen bei der Schulevaluation weg, 2,3 bei der Schulentwicklung, 1,5 bei der Schulberatung, 1 beim Schulbetrieb und 0,7 in verschiedenen Bereichen. In die Amtszeit von Wyss, der seine Tätigkeit als Regierungsrat 2011 aufgenommen hat, fallen 5,5 gestrichene Stellen. Laut Vincent bedeutet der Wegfall von 11,5 Stellen eine Einsparung von rund 1,5 Millionen Franken, dies bei einem Gesamtbudget von 15 Millionen Franken für den Bereich Bildungsverwaltung.

«Wollte Reduktion vermitteln»

Reto Wyss sagt, dass er sein Zitat beim Gegenlesen des Interviews leider nicht angepasst habe. Es handle sich bei der Dienststelle Volksschulbildung tatsächlich um eine Senkung, also um eine Kombination von Reorganisations- und Abbaumassnahmen. «Ich habe die Senkung des Personalbestands keinesfalls als meine persönliche Leistung anpreisen wollen. Darum habe ich ganz bewusst erwähnt, dass die Stellen seit dem Jahr 2000 weggefallen sind», sagt Wyss.

Wichtig ist dem Bildungsdirektor auch die Feststellung, dass er seine Aussage nicht auf eine Frage unserer Zeitung zu möglichen Sparmassnahmen gemacht habe, sondern im Zusammenhang mit der Dienststelle Volksschulbildung und deren langjährigem Leiter Charles Vincent. Wyss: «Ich wollte der Öffentlichkeit vermitteln, dass wir die Dienststelle nicht ausgebaut, sondern reduziert haben.»

«Ich bedaure im Nachhinein»

In der Öffentlichkeit ist Wyss’ Kommunikationsversuch jedoch schlecht angekommen, wie in unserer Zeitung veröffentlichte Leserbriefe zeigen. Der Bildungsdirektor kommentiert das so: «Ich bedaure im Nachhinein, dass ich beim Lesen meiner Zitate nicht insistiert und eine Anpassung der ursprünglichen Fragestellung gefordert habe.»