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Vom Bauschutt zum Baustoff: Luzerner Regierung will Recycling stärker fördern

Ein GLP-Kantonsrat verlangt, dass vermehrt recycliertes Material verbaut wird. Die Regierung unterstützt diese Forderung – will aber nicht überall eine fixe Quote.
Evelyne Fischer
Seit Frühling ist in Grosswangen bei der Leupi AG die erste Anlage zur Aufbereitung von Aushub- und Ausbruchmaterial in Betrieb. Auf dem Foto: Heinz Leupi. (Bild: Pius Amrein, 12. November 2018)

Seit Frühling ist in Grosswangen bei der Leupi AG die erste Anlage zur Aufbereitung von Aushub- und Ausbruchmaterial in Betrieb. Auf dem Foto: Heinz Leupi. (Bild: Pius Amrein, 12. November 2018)

Verschwendete Rohstoffe: Solche ortet GLP-Kantonsrat Markus Hess (Nottwil) in Luzerner Deponien. Zumindest ein Teil des abgelagerten Aushubs könnte wiederverwertet werden, hält er in einem Vorstoss fest. «Ein konsequent angewandtes Baustoff-Recycling kann mithelfen, den Bedarf an Deponien zu reduzieren.» Für die Betonproduktion würden hierzulande jährlich 24 Millionen Tonnen Kies benötigt – nur zwei Millionen Tonnen aber würden durch wiederverwertetes Material abgedeckt.

Zusammen mit 25 Mitunterzeichnern aus den Reihen der SP, der Grünen und Vertretern von CVP und SVP fordert Hess eine Recycling-Strategie. Wie die Regierung nun in der Postulatsantwort schreibt, ist die Förderung von wiederverwertetem Material ganz in ihrem Sinn. Eine Strategie könne im Zuge der Umsetzung der eidgenössischen Abfallverordnung «mit verhältnismässig geringem zusätzlichen Aufwand» erarbeitet werden. Die Regierung beantragt die Erheblicherklärung.

Mehr Recycling, weniger Platznot auf Deponien

Bauabfälle sind der grösste Abfallstrom der Schweiz. Wie die Regierung vorrechnet, fallen bei Bauarbeiten pro Einwohner jährlich rund drei Kubikmeter Aushub (Lockergestein, Kies und Sand) und Ausbruchmaterial (gebrochene Fels- und Gesteinsblöcke) an. Gut die Hälfte davon wird zur Wiederauffüllung von Kiesgruben verwertet. Der Rest wird abgelagert. «Die vermehrte Verwertung als Baustoff beziehungsweise als Rohstoff für die Baustoffproduktion wäre zur Schonung der Ressourcen und des Deponieraums von Vorteil.»

In Jahren 2013 bis 2017 wurden im Kanton Luzern im Schnitt jährlich 1,15 Millionen Kubikmeter unverschmutztes Aushub- und Ausbruchmaterial abgelagert. «Laut Schätzungen einer hiesigen Bauunternehmung dürfte der zur Herstellung von Baustoffen verwertbare Anteil bei knapp 25 Prozent liegen, rund 250'000 Kubikmeter also», sagt Hans Musch, Abteilungsleiter Entsorgung und Risiko bei der Dienststelle Umwelt und Energie (Uwe).

«Rund 10'000 Kubikmeter Aushub- und Ausbruchmaterial konnten wir bislang recyceln. Unser Ziel sind 20'000 Kubikmeter pro Jahr.»

Heinz Leupi, Kiesaufbereitung Grosswangen

Seit diesem Frühling ist auf der Aushubdeponie Ächerlig der Leupi AG in Grosswangen kantonsweit die erste Anlage zur Aufbereitung von solchem Material in Betrieb. «Rund 10'000 Kubikmeter konnten wir bislang recyceln», sagt Inhaber Heinz Leupi. «Unser Ziel sind 20'000 Kubikmeter pro Jahr.» Insbesondere der Aushub in der Region Luzern aber besteht zu wesentlichen Teilen aus Ton und Silt, die sich laut Regierung «kaum als Baustoff oder als Rohstoff für die Baustoffproduktion eignen». Daher will sie keine Recycling-Vorgabe für Aushub- und Ausbruchmaterial.

Anders sieht es bei den 450'000 Kubikmetern Bauschutt aus – das entspricht gut einem Kubikmeter je Einwohner –, die zwischen 2013 und 2017 im Schnitt jährlich anfielen. Im gleichen Zeitraum wurden pro Jahr gut 325'000 Kubikmeter Recyclingbaustoffe – Asphalt-, Beton- oder Mischgranulat sowie Recycling-Kiessande – wieder eingesetzt. Das entspricht einer Verwertungsquote von gut 70 Prozent. Zum Vergleich: Im Jahr 2007 lag die Menge eingesetzter Recyclingbaustoffe noch bei gut 230'000 Kubikmeter.

«Eine Recyclingquote von 100 Prozent bei Bauschutt ist nicht realistisch. Nicht alle Rückbaumaterialien eignen sich zur Verwertung.»

Hans Musch, Dienststelle Umwelt und Energie

Laut der Regierung ist eine Erhöhung der Quote «von erheblichem Interesse». Eine Recyclingquote «von 100 Prozent ist aber nicht realistisch», sagt Musch vom Uwe. «Nicht alle Rückbaumaterialien eignen sich zur Verwertung.»

Vorbehalte bei Bauleuten müssen ausgeräumt werden

Dass es bisher bei der Umsetzung hapert, ist Vorbehalten von Bauleuten und Planern geschuldet. Musch: «Eine wesentliche Hürde ist der geringe bis nicht vorhandene Preisunterschied zwischen Recyclingbaustoffen und Primärmaterialien. Warum soll ich ein ‹Abfallprodukt› einsetzen, das ich nicht genau kenne, wenn ich ohne wesentlichen Mehrpreis bewährtes Neumaterial erhalte?» Es brauche daher «die Vorbildfunktion der öffentlichen Hand», so die Regierung. «Sobald Absatzmärkte bestehen, schaffen Unternehmungen die entsprechenden Produkt-Angebote.»

«Ohne Vorgabe beim Aushub- und Ausbruchmaterial drohen die Recycling-Bestrebungen zu einem Papiertiger zu werden.»

Markus Hess, GLP-Kantonsrat aus Nottwil

Postulant Hess ist zufrieden mit der Antwort der Regierung. «Aufgrund der breiten Abstützung und dem geringen Aufwand für die Erarbeitung der Strategie sind die Chancen intakt, dass der Vorstoss überwiesen wird.» Nicht nachvollziehen kann er, dass die Regierung bei Aushub und Ausbruch keine Ziele vorschreiben will. «Ohne Vorgabe drohen die Recycling-Bestrebungen zu einem Papiertiger zu werden.»

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