Vom Guugger zum Zunftmeister

Für ihn ist es das Grösste: Werner Rast führt die Wey-Zunft am Montag als Zunftmeister in «ihren Tag». Als Kind hat er wegen der Fasnacht geweint.

Drucken
Teilen
Immer für einen Spass zu haben: Wey-Zunftmeister Werner Rast mit seiner Frau Gisela (links) und Tochter Nina. (Bild: Eveline Beerkircher/Neue LZ)

Immer für einen Spass zu haben: Wey-Zunftmeister Werner Rast mit seiner Frau Gisela (links) und Tochter Nina. (Bild: Eveline Beerkircher/Neue LZ)

Zünfte? Die hat Werner Rast als junger Guugger eher ein wenig naserümpfend zur Kenntnis genommen. Heute ist der 47-Jährige Wey-Zunftmeister und weiss nicht, worauf er sich mehr freuen soll – aufs Orangenwerfen oder doch auf den Umzug? «Es ist einmalig, das mal als Mittelpunkt des Geschehens zu geniessen», sagt er. Wie es sich für den Wey-Zunftmeister gehört, hat er das Haus in Hohenrain auch mit diversen Fröschen, dem Erkennungszeichen der Zunft, verziert.

«Kein Rezept für die Fasnacht»

Wie kams zu dem Sinneswandel? «Wegen ihr», sagt Rast und deutet auf seine elfjährige Tochter Nina. Seine Frau Gisela (47) erklärt: «Als unsere Tochter kam, haben wir gesagt: Jetzt ist Schluss mit den Guuggenmusigen.» Doch ohne Fasnacht können die beiden nicht. «Ich wollte mich weiter in einer Fasnachtsorganisation engagieren», sagt der Wey-Zunftmeister. Die Zünfte sah er inzwischen auch mit anderen Augen. Er sagt: «Es gibt kein Rezept, was richtig oder falsch ist an der Fasnacht.» So trat Werner Rast schliesslich der Wey-Zunft bei. «Der Moment, wo ich gewählt wurde, war unglaublich», sagt er. Auch seine Frau Gisela sagt: «Ich habe nie so viele Männer mit glänzenden Augen gesehen wie bei einer Inthronisierung.» Und da auch sie durch und durch Fasnächtlerin ist, unterstützt sie ihren Mann gern im Amt.

Wenn es aber um die Kostümierung geht, sagt sie ihm wos langgeht. Gisela Rast entwirft, fertigt und verkauft in ihrem Atelier «Fasnachtsart» in Luzern Fasnachtskostüme. Klar, dass sie auch die eigene Familie jedes Jahr schaurig schön einkleidet. «Hinter jeder starken Frau steht ein schwacher Mann», meint er und lacht. Seine Frau sei ihm weit voraus: «Wenn ich mal eine Idee für ein Kostüm habe, steckt sie schon mittendrin in der Arbeit.» Mit dem Ergebnis sei er stets zufrieden, versichert Rast. Kein Wunder, wenn man die aufwendigen Kostüme sieht: Selbst nach längerer Betrachtung kann man immer noch neue Details entdecken. Wie viele Stunden das gedauert haben mag? Gisela Rast lacht und winkt ab. «Ich habe längst aufgehört zu zählen.» Angefangen hat sie jedenfalls schon im vergangenen Sommer.

Für Werner Rast war die Fasnacht schon als Kind das Grösste. Seinen zehn Jahre älteren Bruder Ferdi hat er so um seine Mitgliedschaft in der Guuggenmusig beneidet, dass er mit elf Jahren kurzerhand seine eigene Kinder-Guuggenmusig in Beromünster gegründet hat. Schlimm nur, wenn am Aschermittwoch alles vorbei war. «Als Bub bekam ich da eine richtige Fasnachtsdepression: Mir war nur zum Weinen zumute.»

Geweint hätte mancher Fasnächtler wohl auch am liebsten, als er die Diskussionen um 100-Franken-Vignette, Kafi-Schnaps-Kontrollen und das neue Depotsystem an der Fasnacht verfolgt hat. Nicht so Werner Rast – der hat sich amüsiert. «Super Vorfasnachtssujet», meint er mit einem spöttischen Lächeln. «Was der ‹Tatort› nicht fertiggebracht hat, war für den Stadtrat kein Problem: ein tolles Drehbuch.» Aber im Ernst, was hält er von den Ideen? «Die Fasnacht kann man nicht reglementieren, dann ist sie tot.»

«Zeigen, was Fasnacht heisst»

Die Probleme, die es an der Fasnacht gibt, könne man anders lösen: «Man muss den Jungen zeigen, was Fasnacht heisst.» Das LFK mache einen guten Anfang mit den beliebten Masken-Bastelkursen. Der Wey-Zunftmeister würde noch weitergehen: «An der Schule müsste man diese Kreativität und das Brauchtum wieder mehr unterrichten.» Und wäre das auch etwas für ihn? «Jetzt ist es wieder so weit. Sie haben ihn auf eine Idee gebracht», sagt Gisela Rast. Und tatsächlich meint der Wey-Zunftmeister: «Vielleicht sollte ich mein Seminarangebot anpassen?» Bisher beschäftigt sich seine Firma in Baar mit Personalberatung und -vermittlung.

Familienvater, Fasnächtler, Unternehmer, vielleicht bald Brauchtumslehrer – bleibt da noch Zeit für andere Hobbys? Bei der Frage grinst sich das Ehepaar an. «Ich habe eine Harley in der Garage stehen», sagt Werner Rast. Letztes Jahr hat er sie gekauft. «Meine Frau fährt, ich sitze hinten», sagt er. Dem Wey-Zunftmeister fehlt der Führerausweis für die Maschine. «Bevor ich die Prüfung machen konnte, bin ich krank geworden.» Bis es mit der Motorradprüfung klappt, kann er sich die Zeit auf dem Hallwilersee vertreiben. Den Segelschein hat der Wey-Zunftmeister seit Jahren in der Tasche.

Silvia Weigel / Neue LZ