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Vom missglückten Marathon zur geglückten Umrundung des Vierwaldstättersees

Silvan Burkhalter hat es geschafft: In weniger als 24 Stunden ist der 32-jährige Luzerner einmal um den Vierwaldstättersee gerannt. Am Schluss hatte er 150 Kilometer und 6500 Höhenmeter in den Beinen.
Nathalie Ehrenzweig
Silvan Burkhalter unterwegs: Hier in Beckenried kurz vor dem Rütenenbeizli. (Bild: Pius Amrein (11. August 2018)

Silvan Burkhalter unterwegs: Hier in Beckenried kurz vor dem Rütenenbeizli.
(Bild: Pius Amrein (11. August 2018)

Freitag, 21 Stunden vor dem Start: Silvan Burkhalter, knapp 32, strahlt: «Ich freue mich auf die Zuschauer unterwegs, auf die Zusammenarbeit mit dem Race Team. Und ich freue mich auf meine Tiefs. Ich bin gespannt, was erst kommt: der Magen? Krämpfe? Müdigkeit?» Der Projektleiter Bauherrenvertreter bei V-Zug Immobilien AG wird morgen in 24 Stunden rund um den Vierwaldstättersee rennen. Die Strecke umfasst 150 Kilometer und er wird 6500 Höhenmeter überwinden, denn er läuft entlang der Wanderrouten 98 und 99 (Waldstätterseeweg und Weg der Schweiz), so nennt er sein Projekt «Nicht ganz 100».

Seit eineinhalb Jahren bereitet er sich auf den Lauf vor: «Nachdem mir viele gesagt haben, dass ich unbedingt mal einen Marathon laufen müsse, wollte ich 2016 am Swiss City Marathon Luzern mitmachen. Vorher joggte ich so einmal in der Woche. Ich habe mich ungeschickt vorbereitet, sodass ich schnell starke Schmerzen in den Knien hatte», erzählt er lachend. Den Marathon absolviert er trotzdem – teilweise humpelnd. Als ehemaliger Schweizer Meister im Ringen braucht er dann ein neues Ziel: «Ich will herausfinden, wo meine mentalen und physischen Grenzen sind, mich pushen.»

Von seinem Zuhause in Luzern sieht Silvan Burkhalter auf den Vierwaldstättersee. So entschliesst er sich vor eineinhalb Jahren, den See zu umrunden. «Die Zeitlimite habe ich mir danach gestellt. Wenn ich länger als 24 Stunden brauche, mach ich es nochmal», meint er zu einem möglichen Scheitern.

Mit der Unterstützung eines Ernährungsdiagnostikers und seiner Partnerin stellt er seine Ernährung um – plötzlich musste er mehr essen, etwa ein halbes Kilo Müesli zum Frühstück – und beginnt mit dem Lauftraining. Dazu gehören auch drei Ultraruns – der letzte über 125 Kilometer. Die Medien, und somit auch die Sponsoren, holt der Läufer mit ins Boot, um den Randsport des Ultrarunning bekannter zu machen.

Mit den Medien hat morgen sein Team zu tun. Acht Freunde haben unterwegs verschiedene Jobs – vom Verpflegen des Athleten bis hin zum Stimmungsmacher im Team.

Samstag, 9.58 Uhr

«Noch zwei Minuten», ruft Martin vom Race Team. Auf dem Inseli haben sich an diesem Morgen etwa zehn, fünfzehn Freunde und Bekannte eingefunden, die Silvan Burkhalter unterstützen wollen. Ausserdem ist das Team da, das sich um ihn kümmern wird.

Burkhalter wirkt gelöst, aufgestellt. Ruhig beantwortet er Fragen, posiert für Fotos. Die Anwesenden zählen von zehn rückwärts. Unter anfeuernden Rufen nimmt er sein Abenteuer in Angriff und beginnt, mit einem kleinen Rucksack mit Getränken und Stöcken, im Gegenuhrzeigersinn um den Vierwaldstättersee zu rennen. Eine Herausforderung wird die Ernährung sein. Für die «Boxenstopps» unterwegs sind nur drei Minuten eingeplant und Energie wird Silvan Burkhalter vor allem in Form von Zucker und Gels zu sich nehmen. Das Wetter ist ideal, zum Glück nicht so heiss wie in den vergangenen Wochen.

Sonntag, 9.20 Uhr

Silvan Burkhalter läuft 40 Minuten vor dem Plan beim Inseli über die Ziellinie – und bricht vor Freude in Tränen aus. «Ich hatte in den 24 Stunden nicht viel Spatzung, habe um jede Reserveminute gekämpft. Doch jetzt bin ich riesig froh, es war eine lange Zeit. Ich bin megahappy und gerührt», sagt er völlig erschöpft. Das Team habe ihn sehr unterstützt.

Das erste Tief, das ihn getroffen hat, waren die Krämpfe: «Ich war geschockt, als ich schon nach 35 km die ersten Krämpfe hatte. Die haben mich die ganze Strecke begleitet, aber schlimm wurden sie nicht.»

Sonntag, 10.30 Uhr

Komplett übersäuert liegt er inzwischen im Bett, mag nichts essen, weil sein Magen nicht mitmacht: «Ich will jetzt nur noch schlafen», meint er. Da er auch Montag und Dienstag noch frei hat, kann er sich jetzt verdientermassen etwas ausruhen.

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