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Vom Tod eines Skigebiets: Wie am
Pilatus die Latten aufs Abstellgleis gerieten

Ab diesem Winter wird die Schlittelpiste von der Krienseregg nach Kriens eingestellt – es gibt schlicht nicht mehr genug Schnee. Damit geht eine Entwicklung weiter, die vor 20 Jahren eingesetzt hat: Bis 1998 konnte man im Pilatusgebiet gar noch Skifahren.
Stefan Dähler
Skifahrer auf der Krienseregg. Undatierte Aufnahme. (Bild: Pilatus-Bahnen AG)
Und hier Skifahrer auf der Abfahrt von der Fräkmünt- zur Krienseregg. Undatierte Aufnahme. (Bild: Pilatus-Bahnen AG)
Die alte Gondelbahn auf der Höhe des Schlosses Schauensee. Wer genau hinsieht, kann an der Gondel die Skier entdecken. (Bild: Hans Schläpfer, Kriens, 16. Februar 1957)
Im Jahr 1986 wurde der Skilift Fräkmüntalp nochmals erneuert. Zu sehen sind die Feierlichkeiten anlässlich der Eröffnung. (Bild: Felix und Ruth Blättler)
Winterliche und feierliche Szenerie am Skilift Fräkmüntalp. (Bild: Felix und Ruth Blättler)
Als das Skigebiet im Jahr 1998 zuging, lag Snowboarden absolut im Trend. (Bild: Felix und Ruth Blättler)
6 Bilder

Das alte Skigebiet am Pilatus

In Sachen Wintersport sind die Bewohner der Agglomeration Luzern ja eigentlich privilegiert. Zahlreiche Skigebiete erreicht man innerhalb einer Stunde Fahrzeit. Doch das Angebot wird aufgrund der Klimaerwärmung immer kleiner. So haben die Pilatus-Bahnen kürzlich angekündigt, die Schlittelstrecke zwischen der Krienseregg und Kriens nicht mehr instand zu stellen. Zu selten liege hier noch Schnee. Fahren kann man nur noch von der Fräkmünt- zur Krienseregg (wir berichteten).

Bei dieser Meldung dürften so manchem Krienser Erinnerungen an Wintersporterlebnisse vor der eigenen Haustüre hochgekommen sein. Denn früher konnte man im Pilatusgebiet nicht nur Schlitteln, sondern auch Skifahren. Inzwischen ist es 20 Jahre her, seitdem der Betrieb eingestellt wurde.

Erinnerungen an diese Zeit hat Rudolf Saum, der 1971 bis 1997 bei den Pilatus-Bahnen arbeitete – zuerst als Technischer Leiter, dann als Direktor. «Es kamen damals vor allem Familien, viele Kinder haben bei uns Skifahren gelernt. Wir hatten sogar einen Profi-Skilehrer.» Es gab die privat betriebenen Skilifte Mülimäs und Fräkmüntalp. Zudem konnte man von der Fräkmüntegg runter zur Krienseregg und dann weiter nach Kriens zur Talstation fahren. Das Skigebiet lag auf rund 1400 bis 500 Metern über Meer. Eröffnet wurde es wohl mit der Inbetriebnahme der Gondelbahn ab Kriens 1954, der Skilift auf der Fräkmüntalp dürfte ebenfalls in den 50er-Jahren erstellt worden sein. Der Mülimäs-Lift kam im Verlauf der 60er-Jahre hinzu.

Auf dieser Karte aus dem Jahr 1972 sind die Skilifte bei der Fräkmünt und Mülimäs braun eingezeichnet. (Quelle: Geoportal des Bundes)

Auf dieser Karte aus dem Jahr 1972 sind die Skilifte bei der Fräkmünt und Mülimäs braun eingezeichnet. (Quelle: Geoportal des Bundes)

«Anfangs der 70er-Jahre hatten wir oft gute Bedingungen bis nach Kriens», sagt Saum. Auch der Hergiswiler Unternehmer Felix Blättler, Eigentümer des Skilifts Fräkmüntalp, erinnert sich an gute Zeiten. «Teils musste man bei uns bis zu 15 Minuten lang anstehen.» Das damalige Restaurant Fräkmüntalp, das ebenfalls von Blättler betrieben wurde, habe teils zwischen 300 bis 500 Gäste pro Tag bewirtet.

Es gab sogar Ausbaupläne

Damals habe es auch Ausbaupläne gegeben, sagt Pius Dahinden, Leiter Projekte Infrastruktur bei den Pilatus-Bahnen, der die Skizeiten noch miterlebt hat. Die Pläne wurden wegen der Einschränkungen aufgrund des dortigen Naturschutzgebiets aber nicht realisiert. Doch mit der Zeit wurde die Klimaveränderung spürbar. «Es kam vermehrt zu Wärmeeinbrüchen, Föhn putzte den Schnee immer häufiger bis zur Fräkmüntegg hinauf weg», so Saum. Investitionen in Schneekanonen seien keine Option gewesen. «Dafür hatten wir zu wenig Quellwasser.»

Schliesslich habe man sich für die Einstellung des Skibetriebs entschieden. «Zuletzt lag pro Saison jeweils nur noch während rund drei Wochen genug Schnee. Der Aufwand für die Präparation war dafür zu gross. Ausserdem gab es Sicherheitsprobleme, weil Schlittler und Skifahrer dieselbe Piste nutzten», sagt Saum.

Unschlagbare Aussicht: Der Skilift Fräkmüntalp. (Bild: Ruth und Felix Blättler)

Unschlagbare Aussicht: Der Skilift Fräkmüntalp. (Bild: Ruth und Felix Blättler)

Das Ende kam schrittweise. Die beiden Skilifte wurden bereits 1994 eingestellt, bis Frühjahr 1998 konnte man noch von der Fräkmünt- zur Krienseregg fahren. Nach dem Entscheid, das Skifahren aufzugeben, gab es nochmals eine kleine Wiederauferstehung: Ende 2000 wurde der Skibetrieb auf der Fräkmüntalp ein letztes Mal aufgenommen, danach war definitiv Schluss. Die Anlage Mülimäs wurde abgerissen, jene bei der Fräkmüntalp steht dagegen heute noch. Dort kann man schon seit 1996 im Sommer mit der Rodelbahn fahren.

«Wir haben mit dem Verwaltungsrat zwei bis drei Jahre hin und her gerungen, doch am Ende lohnte es sich nicht mehr.»

Rudolf Saum, ehemaliger Direktor Pilatus-Bahnen

Der Entscheid sei der damaligen Leitung schwer gefallen, so Saum. «Wir haben mit dem Verwaltungsrat zwei bis drei Jahre hin und her gerungen, doch am Ende lohnte es sich nicht mehr.» Stattdessen setzten die Pilatus-Bahnen im Winter aufs Schlitteln. «Dafür muss die Piste zwar auch präpariert werden, aber es ist deutlich weniger Fläche nötig, also ist der Aufwand kleiner.»

Wirtschaftlich habe sich das Ende des Skibetriebs für die Pilatusbahnen nicht negativ ausgewirkt, sagt Pius Dahinden. «Schlitteln wurde damals immer beliebter, zudem war der Skibetrieb für uns nie besonders lukrativ.» Weil dieser zuletzt ohnehin nur noch auf Sparflamme gelaufen sei, habe es auch keine Entlassungen gegeben. In der letzten Saison wurden nur noch ein paar Hundert Tageskarten verkauft. «Das Gebiet war nicht mehr attraktiv. So war nach der Abfahrt von der Fräkmüntegg ein langer Fussmarsch nötig, um zur Station Krienseregg zu gelangen. Andere Wintersportorte bieten mehr Komfort.»

Hier wird (bald) nicht mehr auf Skisport gesetzt

Zuletzt hat in der Zentralschweiz das Skigebiet Lungern Schönbüel den Betrieb eingestellt. 2013 verfügte der Bund die Stilllegung aller Bahnen wegen Sicherheitsmängeln. Im Jahr darauf ging die Lungern-Schönbüel AG Konkurs. 2015 wurde als Nachfolgefirma die LTB Lungern-Turren-Bahn AG gegründet, 2016 kam es zur Wiedereröffnung der modernisierten Bahn (wir berichteten). Skilifte sind aber keine mehr in Betrieb. Ab 2021 soll dann auch auf dem Wirzweli oberhalb von Dallenwil Schluss sein mit dem Skibetrieb (wir berichteten). Dies aufgrund der mangelnden Schneesicherheit, zu geringer Frequenzen und anstehender Investitionen. Der Bahnbetrieb soll aber weiter aufrecht erhalten werden.

Rigi, Andermatt und Engelberg als Ski-Pioniere

Der Skibetrieb am Pilatus wurde vergleichsweise spät eingeführt. Wie beim Sommertourismus gilt auch in Sachen Wintersport die Rigi als Vorreiterin in der Zentralschweiz. Hôtelière Rose Dahinden vom Bellevue in Rigi Kaltbad hatte einen massgeblichen Anteil daran, wie einem alten Geschäftsbericht der Rigi-Bahnen zu entnehmen ist. Sie habe die damals «eher unwilligen Rigi-Bahnen mit trickreichen PR-Aktionen und Lobbying bei der Regierung» praktisch dazu gezwungen, nicht nur im Sommer, sondern erstmals auch im Winter zu fahren: vom 4. bis 9. Januar 1906 für einen Skikurs des Skiclubs Luzern und vom 31. Januar bis 4. Februar desselben Jahres für ein Skirennen. 1908 wurde eine Skischule eröffnet, weiter wurden andere Wintersportarten wie Schlitteln, Bobfahren, Curling, Eishockey oder Schlittschuhlaufen eingeführt.

Ebenfalls zu dieser Zeit führten entdeckten auch die Hotels in Andermatt den Wintertourismus, wie einer Arbeit des Zentrums für Verkehrsgeschichte der Uni Bern zu entnehmen ist. In technischer Hinsicht habe etwas später Engelberg Pionierarbeit geleistet. Hier wurde 1927 zwischen Gerschnialp und Trübsee die erste Luftseilbahn auf Schweizer Boden eröffnet. 1944 wurde am Jochpass der erste Sessellift des Landes den Betrieb aufgenommen.

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