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Kosten massiv unterschätzt: Stadtrat will Kulturhof «Hinter Musegg» mit 600'000 Franken unterstützen

Wird die Stiftung Kultur- und Lebensraum Musegg bald mit einem städtischen Sonderkredit von 600'000 Franken unterstützt? Das letzte Wort hat der Grosse Stadtrat – oder das Luzerner Stimmvolk, sollte das Referendum erfolgreich ergriffen werden.
Pascal Studer
Wird der Kulturhof «Hinter Musegg» bald durch einen städtischen Sonderkredit unterstützt? (Bild: Jakob Ineichen, Luzern, 15. Oktober 2019)

Wird der Kulturhof «Hinter Musegg» bald durch einen städtischen Sonderkredit unterstützt? (Bild: Jakob Ineichen, Luzern, 15. Oktober 2019)

Der Luzerner Stadtrat will die Stiftung Kultur- und Lebensraum Musegg finanziell unterstützen. So soll das Stiftungskapital von 250'000 Franken auf 850'000 Franken fast verdreifacht werden. Der Stadtrat beantragt beim Parlament einen Sonderkredit über 600'000 Franken.

Im Bericht und Antrag legitimiert der Stadtrat die Finanzspritze. Von 2013 bis 2018 wurde der Kulturhof «Hinter Musegg» in vier Bauetappen für rund 3,4 Millionen Franken saniert. Diese Umbauten seien dringend nötig gewesen, waren die Renovierungen des Hofgebäudes in der Vergangenheit doch stark beschränkt. Weder das Wohnhaus noch die Scheune entsprachen den heutigen Anforderungen. «Eine umfassende Sanierung war unumgänglich», schreibt der Stadtrat.

Kosten wurden unterschätzt

Aus dem Bericht geht allerdings auch hervor: Die Kostenschätzung war viel zu tief. Eigentlich sollten Sanierungen nämlich anstatt den tatsächlichen 3,4 Millionen nur 1,8 Millionen Franken kosten. Vor allem aufgrund statischer Probleme und dem Entscheid, das Dach unter anderem mit einer Photovoltaik-Anlage auszustatten, sind die Kosten derart gestiegen. So hat man gerade beim Dachstock nicht damit gerechnet, dass in dieser Grössenordnung umgebaut werden musste. Die Kostenstelle «Dachsanierung mit integrierter Photovoltaikanlage» beträgt somit auch nicht wie geplant 50'000 sondern fast 425'000 Franken.

Des Weiteren sei die gesamte Kostenschätzung «zu optimistisch und unvollständig» gewesen. Grösster Multiplikator dürften dabei die statischen Probleme gewesen sein. Wie jedoch exakt die siebenstellige Differenz entstanden ist, konnte von der Stiftung auf Nachfrage nicht beantwortet werden.

Sonderkredit im öffentlichen Interesse

Trotz der ungenügenden Kostenschätzung würdigt der Stadtrat den Mehrwert der Stiftung für die Stadt Luzern. Ihr Betriebskonzept sei vielfältig. Es fusst auf den vier Bereichen Landwirtschaft, Gastronomie, Kultur und Bildung und ist entsprechend breit gefächert. Basierend darauf argumentiert der Stadtrat, der Sonderkredit entspreche dem öffentlichen Interesse.

Ähnlich sieht es Pia Fassbind. Sie hat die Geschäftsleitung der Stiftung inne und findet, dass das Angebot bei der Bevölkerung auf positive Resonanz stösst. Der Sonderkredit sei aufgrund der angespannten finanziellen Lage essenziell. Fassbind sagt:

«Der Sonderkredit ist für uns sehr wichtig, damit wir unseren Stiftungszweck erfüllen können. Derzeit haben wir ein hohes betriebliches Risiko.»

Gemeint sind damit vor allem die hohen Schulden, welche die Stiftung in ihrer Bilanz aufweist. Die Passivseite der Bilanz setzt sich gemäss dem Stadtratsantrag aus Hypotheken und Darlehen im Umfang von rund 1,5 Millionen Franken zusammen. Wie Pia Fassbind ausserdem betont, müsse man jährlich für die Verzinsung und Amortisationen rund 68'000 Franken bezahlen. Es liege daher in ihrem Interesse, die Schulden so schnell wie möglich zu reduzieren. Dies soll vor allem durch Sponsoring- und Fundraising-Gelder geschehen. Fassbind sagt: «Wir streben eine jährliche Einnahme zwischen 50'000 und 150'000 Franken an.» Der Sonderkredit dient jedoch einzig der betrieblichen Sicherheit, Schulden sollen damit nicht abbezahlt werden.

Doch der Sonderkredit ist noch nicht gesprochen. Ausserdem untersteht der Beschluss des Parlaments dem fakultativem Referendum. Was wäre, wenn der Kreditantrag an einer dieser Hürden scheitert? Wäre dann der Betrieb in Gefahr? Pia Fassbind verneint:

«Mit einer Einstellung des Betriebs rechnen wir nicht.»

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