Von Alterswohnungen bis zur Kindertagesstätte: Hitzkircher Quartier vom Reissbrett ist einen Schritt weiter

In Hitzkirch sollen in einem Mehrgenerationenquartier Jung und Alt zusammenleben. Jetzt liegt das Resultat des zweiten Teilprojekts vor.

Ernesto Piazza
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Ein neues Quartier in Hitzkirch richtet sich für Personen, die deutlich unter, aber auch über 50 Jahre alt sind.

Ein neues Quartier in Hitzkirch richtet sich für Personen, die deutlich unter, aber auch über 50 Jahre alt sind.

Boris Bürgisser

Der Gemeindeverband Chrüzmatt Hitzkirchertal – ihm gehören neben Hitzkirch auch Aesch, Altwis, Ermensee und Schongau an – geht in der Altersbetreuung neue Wege. Mit dem Mehrgenerationenprojekt «Stöcklimatt» werde eine Vision umgesetzt, die eine Alternative zu den gängigen Alters- und Pflegeheimen darstelle, erklärte Gesamtprojektleiter Raymond Neumann an einer Medienorientierung.

In dem Zusammenhang präsentierte Teilprojektleiter Stefan Brändlin mit dem Konzept «Sozialraumentwicklung und Koordinationsstelle» das zweite von drei Teilprojekten. Dieses wurde von Neumann, Brändlin und weiteren Fachspezialisten in Zusammenarbeit mit dem Institut für Soziokulturelle Entwicklung der Hochschule Luzern – Soziale Arbeit – entwickelt. Ende Januar hiess es die Verbandsleitung des Gemeindeverbandes gut. Komplettiert wird die «Stöcklimatt»-Vision von den beiden Teilprojekten Wohnen sowie Dienstleistungen.

Mit dem Konzept «Sozialraumentwicklung und Koordinationsstelle» sollen Betagte, Familien und Alleinstehende in einem neuen Quartier wohnen und die Möglichkeit bekommen, auf ein vielfältiges Dienstleistungsangebot zurückzugreifen. Dieses könnte beispielsweise – direkt von der «Chrüzmatt» aus – ein nächtliches Notrufangebot in der «Stöcklimatt» beinhalten. Auch Spitexdienste sind ein Thema – sogar flächendeckend für das ganze Hitzkirchertal.

Pflegeheim in Hitzkirch stösst an Kapazitätsgrenzen

«Beim Mehrgenerationenprojekt handelt es sich um das erste seiner Art im ländlichen Raum», betonte Neumann, der auch Geschäftsführer der «Chrüzmatt» ist. Das Hitzkircher Pflegeheim soll ins Projekt eingebunden werden. Mit seinen 97 stationären Betten und 16 Alterswohnungen stösst dieses aber an seine Kapazitätsgrenzen. «Wir sehen aber von einem Ausbau ab, weil man damit die künftigen Bedürfnisse nicht abdecken kann», so Neumann.

Darum soll unmittelbar neben der Chrüzmatt auf einer zirka 10'000 Quadratmeter grossen Parzelle das Herzstück des generationendurchmischten Sozialraumprojekts entstehen.

Stöcklimatt

Die baulichen Ausmasse dürften sich zwischen 80 und 100 Wohnungen bewegen. Dabei ist es das Ziel, 70 Prozent der Überbauung für Betagte zu reservieren, 20 Prozent für Familien und der Rest für Alleinstehende. Anfangs März wird das Siegerprojekt des Architekturwettbewerbs der Öffentlichkeit präsentiert.

Dass das Resultat des Konzepts Sozialraumentwicklung und Koordinationsstelle vorliegt, bezeichnet Cornelius Müller, Präsident des Gemeindeverbandes, als einen «entscheidenden Schritt». Er sagt:

«Das ist für uns das wichtigste Teilprojekt. Wir möchten nicht in Beton investieren, bevor wir überhaupt wissen, was wir wollen.»

Und der Altwiser Konzeptverfasser Brändlin sagt zum Leitgedanken des Konzepts: «In einer Zeit der steigenden Lebenserwartung wird die Chrüzmatt gemeinsam mit der künftigen Stöcklimatt noch stärker als bisher das Herzstück der regionalen Altersversorgung werden und wichtige Dienstleistungen im Betreuungs- und Pflegebereich erbringen.» Als «Kompetenzzentrum für Altersfragen» solle dieses Herzstück gleichzeitig auch vielfältig vorhandene Ressourcen im ganzen Hitzkirchertal stärken und koordiniert zum Einsatz bringen.

Kindertagesstätte kommt auch in die «Stöcklimatt»

Das Konzept zeigt des weiteren auf, wie das geplante betreute Wohnangebot «Stöcklimatt» in seine soziale Umgebung – vom Quartier bis zu allen Gemeinden des Hitzkirchertals – eingebettet werden soll. Zudem wird ersichtlich, wie man mit einer Anlauf- und Koordinationsstelle Freiwilligenarbeit und Nachbarschaftshilfe fördert und eine Gesundheits- und Autonomieberatung zur Verfügung gestellt wird. Das gemeinsame Zusammenwirken unterschiedlicher Generationen ist ein Kernstück der Vision «Stöcklimatt», erklärt Stefan Brändlin.

Hierfür werden auch eine Gemeinschaftsküche oder ein Gemeinschaftsraum wichtige integrative Dienste leisten. Dass in den Räumen der Stöcklimatt ebenfalls eine Kindertagesstätte eingerichtet wird, «ist für mich der schönste Ausdruck dieses wertvollen Verständnisses», ergänzt Neumann. «Ziel für die Bewohner müsste es sein, so lange wie möglich vom betreuten Wohnangebot zu profitieren. Sogar ein Sterben soll in der Stöcklimatt möglich sein.»

Finanziell wird das Teilprojekt mit 230'000 Franken für Anschub und Inbetriebnahme von der Walter Stiftung unterstützt. Zudem haben die Gemeinden des Gemeindeverbandes Hitzkirchertal bereits 2016 entschieden, einen jährlichen Pro-Kopf-Beitrag zu sprechen. Davon betroffen sind im Hitzkirchertal knapp 9000 Einwohner. Gestaltungsplan und Baubewilligungsverfahren sind die nächsten Schritte auf der Zeitschiene. Ende 2021 hoffen die Verantwortlichen, mit den Bauarbeiten zu beginnen und Ende 2023 die Stöcklimatt zu beziehen.